Putsch, Kolonialismus

EU bereitet Sanktionen gegen Putschisten im Niger vor

30.08.2023 - 17:44:19 | dpa.de

Die MilitĂ€rputsche in afrikanischen Staaten sorgen in der EU fĂŒr Unruhe. Nun werden Strafmaßnahmen gegen die MilitĂ€rjunta in Niger vorbereitet - ungeachtet möglicher negativer Folgen fĂŒr die Bundeswehr.

Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa

Die EU bereitet Sanktionen gegen die Putschisten im westafrikanischen Niger vor. Man werde versuchen, die gleiche Art von Strafmaßnahmen zu verhĂ€ngen, die die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas beschlossen habe, erklĂ€rte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nach einem Verteidigungsministertreffen im spanischen Toledo. Die Vorbereitungen dafĂŒr liefen bereits. Bei einem Außenministertreffen an diesem Donnerstag sollten sie weiter vorangetrieben werden.

Insbesondere Deutschland und Frankreich hatten im Vorfeld der EU-Treffen fĂŒr Sanktionen geworben. Nach Angaben von Diplomaten in BrĂŒssel sollen sie fĂŒhrende Vertreter der seit einem Staatsstreich regierenden MilitĂ€rjunta treffen. Zudem könnten auch Organisationen ins Visier genommen werden, die die Putschisten unterstĂŒtzen.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) sagte in der vergangenen Woche, was im Niger passiere, betreffe alle demokratischen LĂ€nder auf der Welt. Schaue man einfach weg, wenn in einem Nachbarland oder auf einem anderen Kontinent eine demokratisch gewĂ€hlte Regierung weggeputscht werde, dann drohe ein solcher Regelbruch auch in anderen Regionen der Welt.

EU fordert Wiedereinsetzung der Verfassung

Im Niger hatten im Juli Offiziere der PrĂ€sidialgarde Staatschef Mohamed Bazoum festgesetzt und fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der PrĂ€sidialgarde, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich selbst zum neuen Machthaber. Tiani kĂŒndigte zuletzt an, eine Übergangsregierung einzusetzen, die bis zu drei Jahre im Amt bleiben soll. Die EU und auch andere afrikanische Staaten fordern hingegen eine Wiedereinsetzung der alten Verfassung und des entmachteten und unter Hausarrest stehenden PrĂ€sidenten.

Als ein Grund fĂŒr anfĂ€ngliche ZurĂŒckhaltung bei Sanktionsplanungen gilt, dass sich Strafmaßnahmen vermutlich negativ auf die Zusammenarbeit mit dem Niger auswirken wĂŒrden. Das sehr arme Land mit rund 26 Millionen Einwohnern war bislang ein wichtiger Partner der EU im Kampf gegen islamistischen Terrorismus und illegale Migration.

Bundeswehr in Niamey

Zudem sind zahlreiche Soldatinnen und Soldaten aus EU-Staaten im Niger stationiert. Deutschland unterhĂ€lt noch immer einen militĂ€rischen LufttransportstĂŒtzpunkt in der Hauptstadt Niamey, ĂŒber den derzeit der Abzug der Bundeswehr aus dem westafrikanischen Mali lĂ€uft.

Der StĂŒtzpunkt solle weiterhin eine Rolle spielen, sagte VerteidigungsstaatssekretĂ€rin Siemtje Möller in Toledo. Rund 100 deutsche Soldaten seien weiterhin vor Ort. Über die Sanktionsdebatte Ă€ußerte sich Möller allerdings dennoch positiv. Es gehe darum, Druck aufzubauen, damit die demokratisch legitimierte Regierung wieder eingesetzt werde, sagte die SPD-Politikerin, die in Vertretung von Verteidigungsminister Boris Pistorius an dem EU-Treffen teilnahm.

Wann Sanktionen frĂŒhestens beschlossen werden könnten, blieb zunĂ€chst unklar. Sie wĂŒrden den EU-Angaben zufolge unter anderem EU-Einreiseverbote umfassen. Zudem mĂŒssten in der EU vorhandene Vermögenswerte der Betroffenen eingefroren werden. Bereits kurz nach dem Putsch hatte die EU mitgeteilt, alle bisherigen EU-UnterstĂŒtzungszahlungen fĂŒr den Niger vorerst auf Eis zu legen. Sichergestellt werden soll allerdings, dass humanitĂ€re Hilfe weiter möglich bleibt.

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