Russland sucht Drahtzieher des Terroranschlags
26.03.2024 - 04:28:23 | dpa.de
Nach dem wohl islamistisch motivierten Terroranschlag bei Moskau suchen die russischen Sicherheitsbehörden mit Nachdruck nach den Drahtziehern. «Wir wissen, dass das Verbrechen von radikalen Islamisten begangen wurde», hatte Kremlchef Wladimir Putin am Abend gesagt. Doch nunmehr wolle Russland wissen, «wer der Auftraggeber ist». Bei dem Anschlag hatten vier MĂ€nner auf die Besucher der Crocus City Hall geschossen und das GebĂ€ude mit Benzin in Brand gesetzt. Die Zahl der Todesopfer stieg bis Abend auf 139. Die AufrĂ€umarbeiten in der zerstörten Halle sowie die Suche nach möglichen weiteren Opfern unter den TrĂŒmmern sollen heute abgeschlossen werden.
Jetzt mĂŒssten mehrere Fragen geklĂ€rt werden, machte Putin deutlich. «Wie kommen radikale Islamisten, die sich als glĂ€ubige Muslime ausgeben und sich zum sogenannten reinen Islam bekennen, dazu, wĂ€hrend des heiligen Monats Ramadan, der allen Muslimen heilig ist, schwere GrĂ€ueltaten und Verbrechen zu begehen?», wurde Putin bei dem Treffen mit Vertretern verschiedener Behörden zitiert. Es bleibe auch abzuwarten, «ob radikale und terroristische islamische Organisationen wirklich daran interessiert sind, Russland anzugreifen, das heute fĂŒr eine gerechte Lösung des eskalierenden Nahostkonflikts steht».
Islamischer Staat reklamiert Anschlag fĂŒr sich
Bereits mehrfach fĂŒr sich reklamiert hat den Anschlag die Terrormiliz Islamischer Staat. Westliche Sicherheitsbehörden und Experten halten das Bekenntnis fĂŒr glaubhaft und vermuten den IS-Ableger Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) hinter dem Anschlag.
Mit seiner Aussage zu den TĂ€tern wich Putin von seiner ursprĂŒnglichen Linie ab, in der er eine «ukrainische Spur» hinter der Bluttat vermutet hatte, ohne dafĂŒr Beweise anzufĂŒhren. Dennoch sollte geklĂ€rt werden, warum die Terroristen nach der Bluttat in die Ukraine entkommen wollten. «Und wer sie dort erwartet hatte», fĂŒgte Putin hinzu. Die mutmaĂlichen AttentĂ€ter waren in der Region Brjansk sĂŒdlich von Moskau gefasst worden. Das WeiĂe Haus wies Aussagen der russischen FĂŒhrung zu angeblichen Verwicklungen der Ukraine in den tödlichen Terroranschlag als «Propaganda des Kremls» zurĂŒck. John Kirby. Die ukrainische FĂŒhrung hat die VorwĂŒrfe zudem strikt zurĂŒckgewiesen.
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Kremlchef in seiner tĂ€glichen Videoansprache als «kranke und zynische Kreatur». Jeder ist ein Terrorist auĂer ihm, obwohl er sich seit zwei Jahrzehnten vom Terror ernĂ€hrt.»
Zahl der Toten steigt auf 139
Unterdessen stieg die Zahl der Toten des Anschlags auf 139. Von den ĂŒber 180 Verletzten seien mehr als 50 bereits in hĂ€usliche Pflege entlassen worden, teilte Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa mit. 93 Menschen, unter ihnen fĂŒnf Kinder, wĂŒrden noch stationĂ€r behandelt. Es seien 75 Tote identifiziert worden. An einem improvisierten Gedenkort am Zaun des GelĂ€ndes Crocus City legten trauernde Menschen weiterhin Blumen nieder.
Die russischen SicherheitskrĂ€fte hatten nach dem Anschlag elf VerdĂ€chtige in der Region Brjansk sĂŒdlich von Moskau festgenommen. Acht der MĂ€nner, unter ihnen die vier mutmaĂlichen TodesschĂŒtzen, wurden inzwischen von Basmanny-Bezirksgericht in Moskau in Untersuchungshaft genommen.
Die vier mutmaĂlichen HaupttĂ€ter waren schon am Sonntagabend vor dem Haftrichter erschienen. Dabei waren an ihren Körpern Verletzungen zu erkennen, die auf Folter durch russische SicherheitskrĂ€fte hindeuten. Der frĂŒhere russische PrĂ€sident und heutige Vize-Chef des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, Ă€uĂerte sich unmissverstĂ€ndlich ĂŒber seine Vorstellungen ĂŒber die Zukunft der AttentĂ€ter und Beteiligten. «Sie töten? NatĂŒrlich, und das wird auch geschehen», schrieb er auf Telegram. «Aber wichtiger ist, alle Beteiligten zu töten.» Damit meinte er Auftraggeber und Helfer. «Alle töten.»
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