Hamas-Behörde: Neun Geschwister bei Israels Angriff getötet
25.05.2025 - 04:54:51Eine KinderĂ€rztin hat bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen palĂ€stinensischen Angaben zufolge neun ihrer eigenen Kinder verloren. Nur ein elfjĂ€hriger Sohn und ihr Mann hĂ€tten den Angriff in Chan Junis im SĂŒden des abgeriegelten KĂŒstengebiets schwer verletzt ĂŒberlebt, teilte der Direktor der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mit. Dies berichtete laut dem britischen Sender BBC auch das Nasser-Krankenhaus, wo die Mutter zum Zeitpunkt des Angriffs gearbeitet habe.Â
Die israelische Armee wollte die Berichte prĂŒfen. Es habe in Chan Junis einen Drohnenangriff auf mehrere VerdĂ€chtige in der NĂ€he israelischer Bodentruppen gegeben, erklĂ€rte ein Sprecher. «Das Gebiet von Chan Junis ist eine gefĂ€hrliche Kampfzone», zitierte die «Times of Israel» eine ErklĂ€rung des MilitĂ€rs. Vor dem Beginn des Einsatzes der eigenen Truppen sei die dortige Zivilbevölkerung aufgefordert worden, das Gebiet zur eigenen Sicherheit zu verlassen, hieĂ es.
«UnertrĂ€glich grausam»Â
Ein britischer Chirurg des Nasser-Krankenhauses, der das ĂŒberlebende Kind nach eigenen Angaben operiert hatte, zeigte sich in einem Instagram-Video erschĂŒttert. Es sei «unertrĂ€glich grausam», dass eine Ărztin, die sich seit Jahren um Kinder kĂŒmmere, durch einen einzigen Angriff fast alle ihre eigenen Kinder verloren habe, sagte er der BBC. Auch der Vater der Kinder sei als Arzt an der Klinik tĂ€tig. Es sei ungewiss, ob er ĂŒberleben werde. Laut der Gesundheitsbehörde wurde das Haus der Familie kurz nach seiner Heimkehr getroffen, nachdem der Mann seine Frau zur Arbeit gebracht habe.
Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Behörde starben allein am Samstag 79 PalĂ€stinenser bei israelischen Angriffen. Die Behörde unterscheidet bei ihren Zahlen nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern. Das israelische MilitĂ€r teilte am selben Tag mit, die eigenen Truppen hĂ€tten im Laufe des vergangenen Tages mehr als 100 Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen. Es seien unter anderem Terroristen, militĂ€rische Strukturen und Tunnel getroffen worden. Auch die israelischen Angaben lieĂen sich unabhĂ€ngig zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒfen.
Demonstranten in Israel fordern Freilassung der Geiseln
Unterdessen demonstrierten in der israelischen KĂŒstenmetropole Tel Aviv Hunderte Menschen fĂŒr ein Ende des Gaza-Krieges und die sofortige Freilassung der Geiseln, die sich noch immer in der Gewalt der Hamas im Gazastreifen befinden. «Wir wissen, dass sie leben, und wir wissen, dass die Zeit auslĂ€uft», sagte Liran Berman, dessen ZwillingsbrĂŒder bei dem TerrorĂŒberfall der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt wurden.Â
Der Ăberfall, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden, war Auslöser des Krieges im Gazastreifen. Seit Beginn des Krieges wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 53.800 Menschen in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet getötet. Auch diese Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern und lĂ€sst sich unabhĂ€ngig kaum ĂŒberprĂŒfen. Â
Nach israelischen Angaben werden derzeit noch 20 Geiseln lebend im Gazastreifen festgehalten. Bei drei weiteren EntfĂŒhrten ist unklar, ob sie noch am Leben sind. Zudem befinden sich die sterblichen Ăberreste von 35 Verschleppten in dem KĂŒstenstreifen. Die Verhandlungen mit der Hamas ĂŒber ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln sind erneut ins Stocken geraten.
Medien: Anrufe mit mutmaĂlichen Geisel-Schreien
«Jeder Tag ohne GesprĂ€che ist ein Tag, an dem wir riskieren, sie zu verlieren», sagte Berman. Nach ĂŒbereinstimmenden israelischen Medienberichten hatten zuvor zahlreiche Menschen in Israel Anrufe erhalten, bei denen Aufnahmen von Schreien von festgehaltenen Geiseln im Gazastreifen zu hören gewesen sein sollen. Neben den Schreien seien auch Explosionen und das Heulen von Sirenen zu hören gewesen, berichtete die israelische Nachrichtenseite «Ynet». Die Anrufe seien von unbekannten Nummern abgesetzt worden, hieĂ es.
Nach Angaben des Forums der Geiselfamilien handelt es sich bei den abgespielten Aufnahmen um Aufzeichnungen aus Geiselvideos der Hamas, die die Terrororganisation zuletzt verbreitet hatte. Das Forum betonte in einer Mitteilung, die Anrufe seien nicht in seinem Auftrag getĂ€tigt worden. Die israelische Cyberdirektion leitete laut dem TV-Sender N12 eine Untersuchung ein. «Die Cyberdirektion betont, dass es sich dabei um Versuche handelt, Panik in der Bevölkerung zu schĂŒren», zitierte N12 aus einer Mitteilung der Behörde.









