Putsch, Putschisten

Bangen in Westafrika - vorerst keine MilitÀrintervention

07.08.2023 - 17:18:50 | dpa.de

Die Nachbarn in Westafrika haben den Machthabern im Niger Gewalt angedroht, falls die Verfassung nicht wiederhergestellt wĂŒrde. Die Frist verstrich. Viele Erwartungen liegen nun auf den kommenden Tagen.

  • Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
    Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
  • Die Situation im Niger spitzt sich weiter zu. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
    Die Situation im Niger spitzt sich weiter zu. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
'.$caption.' '.$caption.'

Nach dem Ablaufen eines Ultimatums an die Putschisten im Niger ist ein von Nachbarstaaten angedrohter militĂ€rischer Angriff gegen die neuen Machthaber zunĂ€chst ausgeblieben. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas kĂŒndigte an, auf einem Sondergipfel in Nigerias Hauptstadt Abuja am Donnerstag ĂŒber die Lage im Niger zu beraten.

Experten halten eine Intervention zunehmend fĂŒr unwahrscheinlich, die Lage aber weiter fĂŒr sehr gefĂ€hrlich, da alle Parteien unter Druck stehen. Die Bundesregierung warnte die Junta am Montag in scharfer Form vor Gewaltakten gegen Nigers festgesetzten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum.

In dem bitterarmen Land mit rund 26 Millionen Einwohnern hatte Ende Juli das MilitĂ€r den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten entmachtet und die Verfassung außer Kraft gesetzt. Unter Bazoum war der Niger einer der letzten strategischen Partner des Westens im Kampf gegen den Vormarsch islamistischer Terroristen in der Sahelzone gewesen. Das Land von der dreieinhalbfachen FlĂ€che Deutschlands liegt außerdem an einer zentralen Migrationsroute durch die SaharawĂŒste nach Libyen. Die Bundeswehr unterhĂ€lt einen LufttransportstĂŒtzpunkt in der Hauptstadt Niamey, auf dem sich rund 100 deutsche Soldaten aufhalten.

Starke Spannungen nach Putsch ausgelöst

Der Putsch hat in der Region starke Spannungen ausgelöst. Die 15 Staaten umfassende Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) forderte die Junta auf, die verfassungsmĂ€ĂŸige Ordnung wieder herzustellen und Bazoum wieder einzusetzen. Die Gruppe unter dem Vorsitz von Nigeria wolle ansonsten Maßnahmen ergreifen, die auch Gewalt beinhalten könnten, hieß es. Der Senegal, die ElfenbeinkĂŒste und Benin kĂŒndigten an, sich an einer Intervention zu beteiligen.

Angesichts der Drohungen schlossen die MilitÀrmachthaber in Niger den Luftraum des Landes. Ein Sprecher der Junta sagte im Fernsehen am Sonntagabend, jeder Versuch, den Luftraum zu verletzen, werde sofort und energisch beantwortet. Er warf Ecowas vor, einen Angriff aus einem nicht genannten zentralafrikanischen Land vorzubereiten.

Die erneute Sperrung des Luftraums behindert den Abzug der Bundeswehr aus dem benachbarten Mali. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur konnte am Montag ein fĂŒr Personalwechsel geplanter Flug eines MilitĂ€rtransporters der Bundeswehr aus Wunstorf (Niedersachsen) nicht zu seinem Ziel abfliegen.

MilitÀrregierungen an der Seiten der neuen Machthaber

Die MilitĂ€rregierungen der nach Putschen suspendierten Ecowas-Mitglieder Mali, Burkina Faso und Guinea stehen dagegen auf der Seite der neuen Machthaber im Niger. Die malischen StreitkrĂ€fte teilten mit, dass Mali und Burkina Faso eine Delegation unter Leitung des malischen Staatsministers, des Ministers der Territorialverwaltung und des Regierungssprechers nach Niamey geschickt hĂ€tten, um die SolidaritĂ€t der beiden LĂ€nder auszudrĂŒcken.

Ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amtes in Berlin sagte am Montag, dass die Putschisten «mit scharfen persönlichen Konsequenzen rechnen mĂŒssen, sollte dem demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Bazoum und seiner Familie etwas zustoßen». Wir wĂŒrden das genauso wie unsere afrikanischen Partner als Eskalation wahrnehmen.» Auf Nachfrage nannte er Sanktionen und auch nationale oder internationale Strafverfolgung als mögliche Schritte. Weiterhin hoffe die Bundesregierung, dass die Putschisten auf VermittlungsbemĂŒhungen der Afrikanischen Union sowie der Ecowas eingehen.

Experten rechnen mit weiteren GesprĂ€chsversuchen. Einen MilitĂ€rschlag hĂ€lt Sahelexperte Ulf Laessing von der Konrad-Adenauer-Stiftung fĂŒr unwahrscheinlich. «Ich glaube nicht, dass es zum Krieg kommen wird. Ecowas haben zu wenig FĂ€higkeiten und auch keine Einsatztruppe», sagte Laessing der dpa. Das Überraschungsmoment sei nun vorbei. «So eine Operation zu machen wĂ€re sehr riskant, und die Chance, dass es schiefgeht, sehr hoch - und die Frage ist, was danach kommt. Dann hĂ€tte man einen Bazoum, der von auslĂ€ndischen Truppen gestĂŒtzt wird. Dann gibt einen neuen Coup, weil er jetzt so geschwĂ€cht ist.» FĂŒr wahrscheinlicher halte er, dass man sich mit den Putschisten auf baldige Neuwahlen einigen werde.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
ausland | 63888653 |