Estland, Russland

Russische Kampfjets verletzten estnischen Luftraum

19.09.2025 - 18:59:34

Die nÀchste Provokation? Drei russische MilitÀrflugzeuge durchfliegen den estnischen Luftraum. Das baltische Nato-Land reagiert verÀrgert und mit deutlichen Worten - wie auch die EU.

Das baltische EU- und Nato-Mitglied Estland hat erneut die Verletzung seines Luftraums durch Russland gemeldet. Drei Kampfjets vom Typ MIG-31 seien am Morgen nahe der Ostsee-Insel Vaindloo unerlaubt in den Luftraum eingedrungen und hÀtten sich insgesamt zwölf Minuten darin aufgehalten, teilte die estnische Armee in Tallinn mit. 

Eine Nato-Sprecherin bestĂ€tigte den Vorfall auf X. Dies sei ein weiteres Beispiel fĂŒr das rĂŒcksichtslose Verhalten Russlands. Die Nato habe sofort reagiert und die russischen Flugzeuge abgefangen. Nach estnischen Angaben waren dabei F-35-Kampfjets der italienischen Luftwaffe im Einsatz. Die an Russland grenzenden LĂ€nder Estland, Lettland und Litauen besitzen keine eigenen Kampfjets. Die Nato-VerbĂŒndeten sichern deshalb im Wechsel den baltischen Luftraum.

Was genau bei dem Abfangmanöver passiert ist, blieb zunĂ€chst unklar. FĂŒr gewöhnlich steigen bei solchen Luftraumverletzungen Kampfflugzeuge auf, identifizieren die anderen Jets und begleiten sie wieder aus dem Luftraum hinaus. 

Estnischer Außenminister: «beispiellos dreist» 

Das estnische Außenamt bestellte einer Mitteilung zufolge wegen des Vorfalls den GeschĂ€ftstrĂ€ger der russischen Botschaft ein und ĂŒberreichte eine Protestnote. «Russland hat in diesem Jahr viermal den estnischen Luftraum verletzt, was an sich schon inakzeptabel ist. Doch die heutige Verletzung, bei der drei Kampfjets in unseren Luftraum eingedrungen sind, ist beispiellos dreist», teilte Außenminister Margus Tsahkna mit. 

Auf Russlands zunehmende GrenzĂŒberschreitungen und wachsende AggressivitĂ€t mĂŒsse mit einer raschen Erhöhung des politischen und wirtschaftlichen Drucks reagiert werden, forderte er. 

Die Flugzeuge hĂ€tten keine FlugplĂ€ne ĂŒbermittelt, ihre elektronische Kennung ausgeschaltet gehabt und auch keinen Funkkontakt mit der estnischen Flugsicherung gehalten. 

Kallas: «Äußerst gefĂ€hrliche Provokation»

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer «Àußerst gefĂ€hrlichen Provokation». Sie verwies darauf, dass es die dritte Verletzung des EU-Luftraums innerhalb weniger Tage gewesen sei und dies die Spannungen in der Region weiter verschĂ€rfe. «Putin stellt die Entschlossenheit des Westens auf die Probe. Wir dĂŒrfen keine SchwĂ€che zeigen», schrieb die Estin auf der Plattform X und sicherte ihrem Heimatland die volle SolidaritĂ€t der EU zu. 

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen schrieb in einem Post auf X, man werde auf jede Provokation entschlossen reagieren und in eine stĂ€rkere Ostflanke investieren. EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa kĂŒndigte auf X an, die europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs wĂŒrden ĂŒber eine gemeinsame Reaktion bei einem Treffen Anfang Oktober in Kopenhagen beraten.

Die Bundestagsabgeordnete Jeanne Dillschneider forderte, die LĂŒcken in der Luftverteidigung zu schließen. Man mĂŒsse verhindern, «dass ein offener Himmel zur offenen Flanke unserer Sicherheit wird», sagte die GrĂŒnen-Politikerin, die auch im Verteidigungsausschuss sitzt.

Vor etwa 10 Jahren: TĂŒrkei schießt russischen Jet ab

Bei einem russischen Luftangriff auf die Ukraine war erst in der vergangenen Woche eine große Zahl von Drohnen in den Luftraum Polens und damit der Nato geflogen. Die polnische Luftwaffe und andere Nato-VerbĂŒndete schossen erstmals einige der Flugkörper ab. Auch danach kam es zu VorfĂ€llen, bei denen mutmaßlich gezielt russische Drohnen ĂŒber Polen und RumĂ€nien gelenkt wurden. 

Im November 2015 hatte eine mutmaßliche Luftraumverletzung Russlands zu einer tiefen diplomatischen Krise zwischen Moskau und Ankara gefĂŒhrt. Damals schossen tĂŒrkische F-16-Jets ein russisches Kampfflugzeug ab. WĂ€hrend die TĂŒrkei Russland eine Luftraumverletzung vorwarf und damit den Abschuss begrĂŒndete, bestritt Moskau stets ĂŒber tĂŒrkischem Gebiet geflogen zu sein.

@ dpa.de