Selenskyj: Zerbombtes Krankenhaus wird wieder aufgebaut
10.07.2024 - 05:00:39 | dpa.deDer ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat den Wiederaufbau des bei einem russischen Raketenangriff schwer beschĂ€digten Kinderkrankenhauses in Kiew angekĂŒndigt. 100 Millionen Hrywnja (umgerechnet 2,3 Millionen Euro) seien fĂŒr die UnterstĂŒtzung des Krankenhauses bereits angewiesen worden, weitere 300 Millionen Hrywnja wĂŒrden folgen, sagte Selenskyj. Er dankte allen privaten Spendern, die die Klinik unterstĂŒtzt haben und versprach allen Familien Hilfe, deren Angehörige bei der Attacke getötet oder verletzt wurden.
Bei dem Raketenangriff auf die Ukraine wurden am Montag landesweit mehr als 40 Menschen getötet und weit ĂŒber 100 verletzt. International rief der Beschuss eines Kinderkrankenhauses in Kiew Fassungslosigkeit hervor. In einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats gab es scharfe Kritik am russischen Vorgehen.Â
Moskau spricht nach Raketenangriff von ukrainischer PR
«Das ist natĂŒrlich eine PR-Aktion, in dem Fall eine auf Blut basierende PR-Aktion», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Ukrainer seien so ungeschickt beim Einsatz ihrer Flugabwehr gewesen, dass eine dieser Raketen im Krankenhaus eingeschlagen sei, behauptete er in einem Interview des russischen Staatsfernsehens. Nun versuche Kiew, diese Tragödie als Hintergrund fĂŒr die Teilnahme von PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj beim Nato-Gipfel auszuschlachten.
USA und Partner sagen Kiew StÀrkung der Luftabwehr zu
Die USA und weitere Nato-Staaten wollen der Ukraine zusĂ€tzliche AusrĂŒstung zur Abwehr russischer Luftangriffe liefern. Das kĂŒndigte US-PrĂ€sident Joe Biden bei einem Festakt zum 75-jĂ€hrigen Bestehen des VerteidigungsbĂŒndnisses in Washington an. In einem gemeinsamen Statement der USA und mehrerer Partner war auch die Rede von «zusĂ€tzlichen» Patriot-Luftabwehrsystemen.Â
AuĂerdem sollten Dutzende taktischer Luftabwehrsysteme - etwa vom Typ Nasams oder Iris-T - an Kiew gehen, hieĂ es darin weiter. «Diese Systeme werden die Luftverteidigung der Ukraine weiter ausbauen und stĂ€rken.» Die gemeinsame ErklĂ€rung kam unter anderem von den USA, Deutschland, den Niederlanden, RumĂ€nien und Italien.Â
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich in Washington. Auf der Plattform X schrieb er, die Patriots und Luftabwehrsysteme wĂŒrden helfen, «russische Drohnen und Raketen zu zerstören und die Ukrainer besser vor russischem Terror aus der Luft zu schĂŒtzen», wie etwa bei dem brutalen Angriff auf das wichtigste Kinderkrankenhaus des Landes.
Kiew hat nach eigenen Angaben bislang insgesamt vier Patriot-Systeme erhalten. Drei davon hat Deutschland bereitgestellt. Ein weiteres wurde unter anderem von RumĂ€nien in Aussicht gestellt.Â
Der Krieg in der Ukraine gehört zu den Hauptthemen beim Nato-Gipfel in Washington. Die Staats- und Regierungschefs der 32 Mitgliedsstaaten des VerteidigungsbĂŒndnisses feiern dort das 75. JubilĂ€um der Nato.Â
Pistorius appelliert an Nato: Mehr Ukraine-Hilfe nötig
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) rief die Nato-Partner zu verstĂ€rkter militĂ€rischer UnterstĂŒtzung der Ukraine aufgerufen. Nach den Haushaltsplanungen gebe es in der deutschen Finanzierung «keine LĂŒcke in dem Sinn», es gebe aber einen kleineren Betrag als in diesem Jahr, sagte der SPD-Politiker am Rande des Nato-Gipfels in Washington. Gemeinsame Aufgabe sei es, «der Ukraine mit dem zu helfen, was sie braucht, aber auch mit dem, was wir uns leisten können».Â
Pistorius sagte: «Aber das ist gleichzeitig auch bitte zu verstehen als ein Appell an alle anderen Partner in Europa mehr zu tun, um die Ukraine eben auch durch dieses Jahr und das nĂ€chste zu fĂŒhren.»
Putin und Modi beschwören in Moskau enge Kooperation
Der indische Premier Narendra Modi wĂŒrdigte bei seinem zweitĂ€gigen Besuch bei Kremlchef Wladimir Putin die Partnerschaft beider LĂ€nder. Beide lobten die jahrzehntelangen Beziehungen als «privilegierte strategische Partnerschaft», die weiter ausgebaut werden solle. In einer gemeinsamen ErklĂ€rung nach den GesprĂ€chen hieĂ es, die beiden LĂ€nder wollten weiter bei MilitĂ€rtechnologien kooperieren. Die gemeinsame Produktion von Ersatzteilen russischer Waffen und VerteidigungsausrĂŒstung in Indien solle demnach gefördert werden.
Indien ist vor dem Hintergrund westlicher Sanktionen nach Angaben der Regierung in Moskau zugleich zum gröĂten Abnehmer von russischem Ăl aufgestiegen. «Indien ist der wichtigste Markt und zum heutigen Tag ist Indien fĂŒr uns im Energiesektor einer der SchlĂŒsselpartner», sagte Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Seinen Angaben nach hat Russland im vergangenen Jahr 90 Millionen Tonnen Ăl nach Indien geliefert.Â
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