Italienische Bande verkaufte Kerosin aus Nato-Pipeline
03.10.2023 - 05:11:28Aus einem Pipeline-System der Nato sind Ende des vergangenen Jahrzehnts groĂe Mengen an Kerosin gestohlen worden, die dann ĂŒber Tankstellen an unwissende Autofahrer verkauft wurden. Wie eine Sprecherin des VerteidigungsbĂŒndnisses jetzt der Deutschen Presse-Agentur bestĂ€tigte, hatten Kriminelle fĂŒr den Diebstahl in einem Feld unweit der belgisch-französischen Grenze eine der Röhren des Leitungssystems angezapft. Die Tat sei im Juni 2019 entdeckt worden, hieĂ es. Es gehe um etwa 800.000 Liter Flugzeug-Treibstoff, die gestohlen worden seien.
Ăber umfangreiche Ermittlungen zu dem Fall in Italien hatte vor einigen Tagen erstmals die Finanzpolizei in Rimini berichtet. Ihren Angaben zufolge wurde das gestohlene Kerosin von einer dort ansĂ€ssigen Bande nach Italien gebracht und dort illegal an unwissende Autofahrer weiterverkauft. Ob SchĂ€den an Fahrzeugen entstanden, war zunĂ€chst nicht bekannt. Die italienische Polizei gab die Menge des gestohlenen Treibstoffs sogar mit rund 900.000 Litern an.
Besonders brisant ist der Fall, weil das angezapfte zentral-europĂ€ische Pipelinesystem (CEPS) ein wichtiger Teil des Nato-Verteidigungssystems ist. Es erstreckt sich ĂŒber Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande und ist darauf ausgelegt, jederzeit den Bedarf des BĂŒndnisses an Erdölerzeugnissen zu decken. DafĂŒr verbindet es zum Beispiel LuftwaffenstĂŒtzpunkte wie die im rheinland-pfĂ€lzischen Ramstein und BĂŒchel mit Speicheranlagen, Pumpstationen und Einspeisepunkten.
Um die Betriebskosten so gering wie möglich zu halten und die Nutzung der Pipeline zu erhöhen, wird das System allerdings auch in groĂem Umfang fĂŒr den Transport und die Lagerung von Kerosin fĂŒr nicht-militĂ€rische Kunden eingesetzt. So versorgt es nach Nato-Angaben auch die groĂen ZivilflughĂ€fen in BrĂŒssel, Frankfurt, Luxemburg, Amsterdam und ZĂŒrich.
Drei AnfĂŒhrer und Dutzende MittelmĂ€nner
Verantwortlich fĂŒr den Export von gestohlenem Treibstoff nach Italien soll nach Angaben der Finanzpolizei von Rimini eine kriminelle Vereinigung sein, die von drei Unternehmern angefĂŒhrt wurde. Diese lieĂen demnach das gestohlene Kerosin nach Italien bringen, um es dort ĂŒber KraftstoffhĂ€ndler an ahnungslose Kunden zu verkaufen. Vor dem Verkauf wurde der Treibstoff in einem illegalen Lager aufbewahrt und dort mit Diesel und Ăl gestreckt.
Im Zuge der Ermittlungen konnten nach Angaben der Finanzpolizei neben den drei Unternehmern mehrere Dutzend MittelsmĂ€nner aufgespĂŒrt werden. Sie waren am Kerosin-Verkauf in verschiedenen italienischen Regionen beteiligt. Im Laufe der Ermittlungen wurden zudem unter Anwendung von Anti-Mafia-Vorschriften Vermögenswerte in Höhe von mehreren Millionen Euro beschlagnahmt.
Die Sprecherin der zustĂ€ndigen Nato-Agentur NSPA betonte, dass seit dem Diebstahl im Jahr 2019 kein weiterer Fall mehr bekanntgeworden sei. Es gebe ein mehrschichtiges Sicherheitssystem, um das rund 5300 Kilometer lange CEPS-Netzwerk zu schĂŒtzen, sagte sie. Die beteiligten Mitgliedstaaten tĂ€ten alles dafĂŒr, um einen weiteren Diebstahl weitestmöglich auszuschlieĂen. Im Zusammenhang mit der 2019 entdeckten Tat seien bereits fĂŒnf in Belgien festgenommene Personen schuldig gesprochen worden. Andere gerichtliche Verfahren dauerten aber noch an.


