Ministerin, Israel

Ministerin: Israel darf Steuergelder nicht einbehalten

28.08.2025 - 04:15:36

Die palĂ€stinensische Regierung von PrĂ€sident Abbas hat bald kein Geld mehr, um Lehrerinnen, Klinikpersonal und Polizisten zu bezahlen. So weit dĂŒrfe es nicht kommen, heißt es von der Bundesregierung.

  • Vertreter der Vereinten Nationen erklĂ€rten der Ministerin, in welchen Gebieten die Regierung von PrĂ€sident Mahmud Abbas Entscheidungsgewalt hat und wo einzig die israelische Besatzungsverwaltung entscheidet. (Archivfoto) - Foto: Katharina Kausche/dpa

    Katharina Kausche/dpa

  • In Jordanien leben viele PalĂ€stinenser, die nach den Kriegen 1948 und 1967 geflĂŒchtet waren.  - Foto: Katharina Kausche/dpa

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Vertreter der Vereinten Nationen erklĂ€rten der Ministerin, in welchen Gebieten die Regierung von PrĂ€sident Mahmud Abbas Entscheidungsgewalt hat und wo einzig die israelische Besatzungsverwaltung entscheidet. (Archivfoto) - Foto: Katharina Kausche/dpaIn Jordanien leben viele PalĂ€stinenser, die nach den Kriegen 1948 und 1967 geflĂŒchtet waren.  - Foto: Katharina Kausche/dpa

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) hat Israel mit Nachdruck aufgefordert, zurĂŒckgehaltene Steuergelder an die palĂ€stinensische Autonomiebehörde auszuzahlen. Die Regierung von PrĂ€sident Mahmud Abbas in Ramallah stehe unter einem beispiellosen politischen und finanziellen Druck, sagte die Ministerin der Deutschen Presse-Agentur wĂ€hrend ihrer Reise durch die Nahost-Region. 

Ein Kollaps der Autonomiebehörde wĂŒrde im Westjordanland Raum fĂŒr weitere InstabilitĂ€t öffnen, warnte sie. Experten befĂŒrchten, dass die islamistische Hamas aus einer solchen Situation politisches Kapital schlagen könnte.

Im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses in den 1990er Jahren war vereinbart worden, dass Israel Steuern und Zölle im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen erhebt und diese an die palÀstinensische Autonomiebehörde weiterleitet. 

Springt Deutschland in die Bresche?

«Israel ist in dieser Situation in der Verantwortung, die den PalĂ€stinensern zustehenden Steuern jetzt unverzĂŒglich auszuzahlen», sagte Alabali Radovan der dpa in der jordanischen Hauptstadt Amman. Deutschland werde angesichts der Lage zusĂ€tzliche Hilfen fĂŒr den Haushalt der Autonomiebehörde prĂŒfen und ĂŒber zusĂ€tzliche Hilfen auch innerhalb der EU beraten. «Es gilt jetzt keine Zeit zu verlieren», sagte die SPD-Politikerin.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte die israelische Regierung bereits bei einem Besuch Anfang August aufgefordert, die seit Mai komplett blockierten Steuergelder, die den PalĂ€stinensern rechtmĂ€ĂŸig zustehen, weiterzugeben. Die Entwicklungsministerin, die am Dienstag und Mittwoch das Westjordanland und Israel besucht hatte, sagte, ohne eine funktionierende palĂ€stinensische Behörde werde es keine realistische Chance auf eine Zweistaatenlösung fĂŒr den israelisch-palĂ€stinensischen Konflikt geben. 

Mit Zweistaatenlösung ist gemeint, dass Israel und ein unabhÀngiger, demokratischer PalÀstinenserstaat friedlich Seite an Seite leben. UN-GeneralsekretÀr António Guterres sagte Ende Juli, eine Zweistaatenlösung sei derzeit weiter entfernt als je zuvor.

Autonomiebehörde soll Reformen umsetzen

Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte kĂŒrzlich als eines der Prinzipien zur Beendigung des Krieges die Errichtung einer Israel gegenĂŒber friedlich gesonnenen Zivilregierung ohne eine Beteiligung der Hamas oder der Autonomiebehörde genannt. Die Bundesregierung sieht bei der Autonomiebehörde zwar Reformbedarf, plĂ€diert aber dafĂŒr, sie in die Verwaltung des Gazastreifens nach einem Waffenstillstand einzubeziehen - auch damit dort kein Machtvakuum entsteht. 

Die Bundesregierung setzt sich fĂŒr einen Waffenstillstand im Gazastreifen und die Freilassung der verbliebenen israelischen Geiseln ein, die von der Hamas und anderen islamistischen Gruppen bei dem TerrorĂŒberfall am 7. Oktober 2023 verschleppt worden waren.

@ dpa.de