Der omniprÀsente PrÀsident
29.04.2026 - 06:35:12 | dpa.deWenn man im Herzen von Washington unterwegs ist, springt einem Donald Trumps Gesicht an mehreren Ecken förmlich entgegen: Auf meterlangen Bannern prangt der US-PrĂ€sident mit ernster Miene an RegierungsgebĂ€uden â vor dem Justizministerium etwa gepaart mit der Parole «Make America Safe Again» («Macht Amerika wieder sicher»).Â
An anderen GebĂ€uden ist es nicht Trumps Gesicht, sondern sein Name, der nach umstrittenen Umbenennungen ihr Erscheinungsbild prĂ€gt: Aus dem Friedensinstitut wurde das Donald J. Trump Friedensinstitut - und das renommierte Kennedy Center, Washingtons gröĂte Kultureinrichtung, wurde um Trumps Namen ergĂ€nzt. Kritiker sprechen von einem besorgniserregenden «Personenkult», der sich in den USA breit mache.
Der Versuch Trumps und seiner UnterstĂŒtzer, Abbild oder Namen des PrĂ€sidenten an immer mehr Stellen zu verewigen, beschrĂ€nkt sich dabei weder auf GebĂ€ude noch auf die US-Hauptstadt. Er umfasst unter anderem Regierungsprogramme, den Jahrespass fĂŒr Nationalparks und eine StraĂe in Florida. Das jĂŒngste Beispiel: eine limitierte Sonderserie von US-ReisepĂ€ssen, die bald mit einem Abbild Trumps ausgegeben wird. Laut dem AuĂenministerium soll damit das 250. JubilĂ€um der USA gefeiert werden.Â
Schon lange, bevor Trump PrĂ€sident wurde, war er dafĂŒr bekannt, seinen Namen zu promoten: sei es auf Hotels, Flugzeugen oder Steaks. Dass er das nun als amtierender US-PrĂ€sident fortfĂŒhrt, wird oft auf sein Ego zurĂŒckgefĂŒhrt. Was aber sagt es ĂŒber den Zustand der amerikanischen Demokratie aus?
Historiker: Vergleichbares gab es in den USA noch nie
In den USA gibt es etliche Orte und GebĂ€ude, die nach ehemaligen PrĂ€sidenten benannt sind - der an Ronald Reagan erinnernde Hauptstadtflughafen zum Beispiel oder einige Monumente entlang der National Mall in Washington. «Ja, wir haben DenkmĂ€ler fĂŒr ehemalige PrĂ€sidenten», sagt Historiker Thomas Whalen von der Boston University der Deutschen Presse-Agentur. Ăblicherweise wĂŒrden die aber erst errichtet, wenn die PrĂ€sidenten schon nicht mehr lebten und genug Zeit vergangen sei, um ihr Wirken zu bewerten.Â
Nicht so bei Trump. Er und seine UnterstĂŒtzer verschaffen seinem Namen und Abbild immer mehr PrĂ€senz, wĂ€hrend er noch im Amt ist. Etwas Vergleichbares habe es noch bei keinem anderen US-PrĂ€sidenten gegeben, sagt Whalen. «Das ist das BeĂ€ngstigende daran.»
Die AbwĂ€gung, wann PrĂ€sidenten auf eine solche Art und Weise geehrt werden, geht oft mit einer weiteren relevanten Frage einher: durch wen? «PrĂ€sidenten benennen Dinge nicht nach sich selbst, das Volk benennt Dinge nach PrĂ€sidenten â und darin liegt ein groĂer Unterschied», sagte Jennifer Mercieca, Expertin fĂŒr politische Kommunikation an der Texas A&M University, zuletzt der «New York Times». «Das eine ist ein Ausdruck von Macht», erklĂ€rte sie. «Das andere ist eine Anerkennung durch die Ăffentlichkeit fĂŒr gut geleistete Arbeit.»
«Symptom des Niedergangs der Demokratie»
Expertinnen und Experten sehen im Vorgehen Trumps Parallelen zum Verhalten von Autokraten: «Die FĂŒhrungsperson muss ĂŒberall sein, ihr Gesicht muss ĂŒberall sein, ihr Name muss ĂŒberall sein und ihre Ăsthetik, ihr Geschmack mĂŒssen sich in den GebĂ€uden und in den Menschen um sie herum widerspiegeln», sagte Ruth Ben-Ghiat, Historikerin an der New York University, dem Sender NPR.
Historiker Whalen spricht von einem «Personenkult». Was Trump tue, sei direkt aus dem Lehrbuch von Sowjetdiktator Josef Stalin und dem GrĂŒnder der Volksrepublik China, Mao Zedong, entnommen. Die Bestrebungen, Trumps Namen und Gesicht mehr und mehr zu verankern, sieht er als «Symptom des Niedergangs der Demokratie» in den USA. «Es ist nicht die treibende Kraft, aber es ist ein Symptom dafĂŒr, wie sehr sich die Lage hier verschlechtert hat.»
Die Institutionen und demokratischen Werte in den USA seien inzwischen so weit ausgehöhlt, dass jemand, der autoritĂ€re Ambitionen hege, damit durchkomme. Die GrĂŒndervĂ€ter der USA hĂ€tten die Exekutive gefĂŒrchtet und deshalb auf Kontrollmechanismen und Gewaltenteilung gesetzt. Whalen sieht nun allerdings einen Zusammenbruch bei den gegenseitigen Kontrollen und sagt: «Donald Trump ist in vielerlei Hinsicht genau der Albtraum, den George Washington, John Adams, James Madison und Thomas Jefferson fĂŒrchteten.»
Als problematisch betrachtet er vor allem, dass der Kongress aktuell keine nennenswerte Kontrolle ĂŒber die Exekutive ausĂŒbe. Whalen fĂŒhrt das auf Trumps Einfluss auf die republikanische Partei zurĂŒck, die ihm inzwischen völlig hörig sei. «Das ist wirklich Donald Trumps Partei», sagt er.
Widerstand der Demokraten
Gegen Trumps OmniprĂ€senz in den USA gibt es allerdings auch Widerstand. Die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty etwa geht gerichtlich gegen die Umbenennung des Kennedy Centers vor. Und ihr Parteikollege Raul Ruiz hat im ReprĂ€sentantenhaus einen Gesetzentwurf eingebracht, der es einem amtierenden PrĂ€sidenten oder einem in dessen Auftrag handelnden Beamten verbieten wĂŒrde, öffentliche GebĂ€ude nach diesem PrĂ€sidenten zu benennen.Â
Wie erfolgreich diese VorstöĂe sein werden, muss sich erst noch zeigen. FĂŒr die Verabschiedung des Gesetzes etwa wĂ€ren die Demokraten auch auf Stimmen von Republikanern angewiesen. Denn auch wenn sich das bei den Zwischenwahlen im November Ă€ndern könnte - zumindest aktuell hat «Trumps Partei» in beiden Parlamentskammern noch knappe Mehrheiten.
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