Amtsinhaber Nauseda gewinnt PrÀsidentenwahl in Litauen klar
26.05.2024 - 22:48:46Die Menschen in Litauen setzen angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine auf politische KontinuitĂ€t an der Staatsspitze: Bei der PrĂ€sidentenwahl bestĂ€tigten sie Gitanas Nauseda in einer Direktwahl im Amt und wĂ€hlten ihn fĂŒr fĂŒnf weitere Jahre zum Staatsoberhaupt des baltischen EU- und Nato-Landes.
Der Amtsinhaber setzte sich in der entscheidenden Runde am Sonntag klar gegen Regierungschefin Ingrida Simonyte durch. Damit dĂŒrfte der 60-JĂ€hrige seinen harten Kurs gegen Moskau und die resolute UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew fortsetzen. Nauseda steht seit 2019 dem Baltenstaat vor, der an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie Russlands engen VerbĂŒndeten Belarus grenzt.
Nach Russlands Angriffskriegs gegen die Ukraine setzte sich Nauseda entschlossen fĂŒr humanitĂ€re Hilfe und Waffenlieferungen an Kiew ein. International profilierte er sich zudem als engagierter Vertreter der Interessen seines Heimatlandes, das durch seine Lage an der Nato-Ostflanke in der geopolitischen Konfrontation mit Russland besonders exponiert ist. Deutschland will deshalb eine gefechtsbereite Brigade mit bis zu 5000 deutsche Soldaten dauerhaft in Litauen stationieren.
Nauseda fordert höhere MilitÀrausgaben
Nach seiner Wiederwahl hat Litauens StaatsprĂ€sident eine weitere Steigerung der MilitĂ€rausgaben seines Landes gefordert. «Ich denke, wir sollten in den kommenden Jahren mindestens 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anstreben», sagte Nauseda in Vilnius. Dies sei keine frei erfundene Zahl, sondern eine, auf denen die «aktuell dringendsten BedĂŒrfnisse» des baltischen EU- und Nato-Landes gestĂŒtzt werden könnten.
Konkret nannte Nauseda dabei die Aufnahme der deutschen Litauen-Brigade, die weitere Modernisierung der litauischen Armee und die Vorbereitungen zur EinfĂŒhrung einer allgemeinen Wehrpflicht. «All dies erfordert ganz konkrete finanzielle Mittel, wir mĂŒssen sie bereitstellen», betonte Nauseda.
«Ein zerbrechliches GefÀû
«Litauens UnabhĂ€ngigkeit und Freiheit ist wie ein zerbrechliches GefĂ€Ă, das wir hegen, schĂŒtzen und vor dem Zerbrechen bewahren mĂŒssen», sagte der parteilose Politiker noch in der Wahlnacht und kĂŒndigte an, sich in seiner zweiten Amtszeit weiter auf AuĂenpolitik und Verteidigung konzentrieren zu wollen.
Nach vorlĂ€ufigen Ergebnissen lag Nauseda in allen Wahlbezirken vorn und gewann mit 74,4 Prozent der WĂ€hlerstimmen. Der Ăkonom hatte bereits die erste Wahlrunde am 12. Mai klar gewonnen, ohne aber die nötige absolute Mehrheit zu erzielen. Seine Rivalin Simonyte erhielt im Abstimmungsduell 24,1 Prozent der Stimmen - und rĂ€umte frĂŒhzeitig ihre Niederlage ein. Die amtierende Regierungschefin war Nauseda bereits bei der vorigen PrĂ€sidentenwahl vor fĂŒnf Jahren unterlegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,2 Prozent.Â
In Litauen hat das Staatsoberhaupt vorwiegend reprĂ€sentative Aufgaben. Im Vergleich zum deutschen BundesprĂ€sidenten hat der PrĂ€sident aber weitergehende Kompetenzen in der AuĂen- und Verteidigungspolitik. So vertrat Nauseda sein Land regelmĂ€Ăig bei EU-Gipfeln. Auch ist der PrĂ€sident Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte.
Kommentatoren und Politologen gingen davon aus, dass Nauseda in seiner zweiten Amtszeit innenpolitisch mutiger agieren, in der AuĂenpolitik aber kaum von seinem bisherigen Kurs abweichen wird. Darauf setzt auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj, der zusammen mit den Staatschefs der Nachbarstaaten Lettland, Estland und Polen zu den ersten auslĂ€ndischen Gratulanten zĂ€hlte.


