Iran, USA

Nach Protesten im Iran kehrt NormalitĂ€t zurĂŒck

14.01.2026 - 13:06:42 | dpa.de

Die Proteste im Iran nehmen ab, doch die Lage bleibt angespannt. Menschenrechtler warnen vor Hinrichtungen, wĂ€hrend die USA erneut mit Konsequenzen fĂŒr Teheran drohen.

Die Proteste sind derzeit nicht mehr so groß wie noch vor einigen Tagen (Archivbild).  - Foto: Uncredited/UGC/AP/dpa
Die Proteste sind derzeit nicht mehr so groß wie noch vor einigen Tagen (Archivbild). - Foto: Uncredited/UGC/AP/dpa

Nach den schweren Unruhen und landesweiten AufstĂ€nden im Iran kehrt in den Metropolen allmĂ€hlich NormalitĂ€t zurĂŒck. Zwar seien in der Stadt an vielen wichtigen Orten noch Polizisten und SicherheitskrĂ€fte stationiert, jedoch nicht mehr in einem Ausmaß wie am vergangenen Wochenende, berichteten Einwohner der Hauptstadt und Millionenmetropole Teheran. «Vielleicht gibt es die Tage aber wieder Proteste», sagte ein Mann.

Auch Analysten, die das Protestgeschehen seit ihrem Beginn Ende Dezember dokumentieren, verzeichneten einen deutlichen RĂŒckgang. Am Dienstag wurden einer Analyse des amerikanischen Critical Threats Project (CTP) zufolge nur noch sieben Proteste in sechs Provinzen registriert. Das CTP wird von den in Washington ansĂ€ssigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrieben.

Bericht: Repression könnte Demonstranten abgeschreckt haben

Der Bericht wies jedoch darauf hin, dass aufgrund der Internetsperre nur wenige Informationen nach außen gelangen. Am vergangenen Donnerstag zĂ€hlte das CTP noch 156 Demonstrationen in 27 der 31 iranischen Provinzen. Die Autoren verwiesen zudem auf die hohe Zahl an Todesopfern bei den Unruhen, die sich allerdings nicht unabhĂ€ngig verifizieren ließ. «Das Ausmaß an BrutalitĂ€t könnte die Demonstrierenden entmutigen und die HĂ€ufigkeit der ProtestaktivitĂ€t verringern.»

Bewohnern im Iran können seit Dienstag erstmals nach mehreren Tagen wieder ins Ausland telefonieren. Sie beschrieben eine angespannte Ruhe in den StĂ€dten. Die grĂ¶ĂŸten Massenproteste habe es demnach am vergangenen Donnerstag und Freitag gegeben. Der Sicherheitsapparat reagierte mit Ă€ußerster Gewalt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hengaw sind seit Protestbeginn mehr als 2.500 Menschen ums Leben gekommen.

Irans Sicherheitsapparat geht systematisch gegen Proteste vor

Irans Sicherheitsapparat geht systematisch gegen die Massenproteste vor, die der Staat als auslĂ€ndische Intervention bezeichnet. Außenminister Abbas Araghtschi verteidigte in einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen das Vorgehen der Staatsmacht. UrsprĂŒnglich friedliche Proteste seien durch «ausgebildete terroristische Elemente» in Gewalt umschlugen, sagte er. 

In einer Provinz meldete der Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarden die Festnahme mehrerer «Hauptverantwortlicher» der Unruhen. Die Generalstaatsanwaltschaft warnte unterdessen vor einer Zusammenarbeit mit dem persischsprachigen Exilsender «Iran International», den viele Iranerinnen und Iraner trotz Internetsperre in den vergangenen Tagen in ihren Wohnzimmern empfangen konnten. Laut Menschenrechtlern droht bereits die erste Hinrichtung eines Demonstranten.

US-PrÀsident droht Teheran zum wiederholten Mal

US-PrĂ€sident Donald Trump hat die StaatsfĂŒhrung der Islamischen Republik Iran vor der Hinrichtung von Teilnehmern der jĂŒngsten Massenproteste gewarnt. «Wir werden sehr hart reagieren», sagte der Republikaner dem TV-Sender CBS News in Detroit. NĂ€her fĂŒhrte Trump seine Drohung nicht aus. Die iranische Justiz hatte zuvor die ersten Protestteilnehmer vor Gericht gestellt. «Falls sie das machen, werden wir sehr entschlossen handeln», sagte Trump.

Seit Beginn der Proteste gegen das autoritĂ€re Herrschaftssystem der Islamischen Republik vor mehr als zwei Wochen hatte Trump dem Iran schon mehrfach mit einem Eingreifen der USA gedroht, falls Demonstranten getötet wĂŒrden. Letzteren sagte er nun erneut UnterstĂŒtzung zu. Hilfe sei unterwegs. Seine Drohungen blieben bislang jedoch folgenlos.

Trumps Optionen nach Drohungen gegen Irans FĂŒhrung

Israelische und arabische Regierungsvertreter sollen der US-Regierung nach Informationen des Senders NBC News nahegelegt haben, vorerst von einem Angriff auf den Iran abzusehen. Die FĂŒhrung in Teheran sei demnach noch nicht ausreichend geschwĂ€cht, um durch einen militĂ€rischen Schlag gestĂŒrzt werden zu können. Doch welche Optionen bleiben Trump darĂŒber hinaus?

Die USA könnten nach EinschĂ€tzung eines Experten Cyberattacken in Betracht ziehen, nachdem Irans Staat das Internet blockiert hat. «Wenn die Vereinigten Staaten oder Israel die FĂ€higkeit haben, diesen Eisernen Vorhang niederzureißen, wird dies von den Iranern mit großer Freude aufgenommen werden», sagte Karim Sadjadpour, Analyst an der Denkfabrik Carnegie, in einem Podcast mit dem US-Sender NPR.

Experten warnen vor unvorhersehbaren Folgen bei Angriffen

Ähnlich Ă€ußerte sich eine frĂŒhere Iran-Expertin des US-Außenministeriums: Cyberoperationen gegen militĂ€rische FĂ€higkeiten, Druck auf VerbĂŒndete, iranische Diplomaten auszuweisen, die Geisterflotte iranischer Öltanker zu beschlagnahmen und chinesische Importe von iranischem Öl mit Sanktionen zu belegen, zĂ€hlte sie als mögliche Maßnahmen auf. «Weder MilitĂ€rschlĂ€ge noch eine weitere Runde von AtomgesprĂ€chen werden eine bessere Zukunft fĂŒr die Iraner oder fĂŒr die Interessen der USA sichern», schrieb Suzanne Maloney in einem Gastbeitrag fĂŒr die «New York Times».

Denkbar seien auch gezielte Angriffe auf Offiziere oder paramilitĂ€rische Einheiten, heißt es in einer Analyse der Denkfabrik Chatham House. Autor Bilal Y. Saab warnt jedoch vor unvorhersehbaren Konsequenzen. «WĂŒrde dies tatsĂ€chlich das Ziel der iranischen Demonstranten unterstĂŒtzen, das Regime zu stĂŒrzen? Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es nicht.» Sollte Trump Irans obersten FĂŒhrer Ali Khamenei töten lassen, sei ein wahrscheinlicher Nachfolger ein MilitĂ€rregime unter der FĂŒhrung der islamischen Revolutionsgarden. Irans MilitĂ€r hatte im Falle eines Angriffs mit einer entschiedenen Antwort gedroht.

USA fordern BĂŒrger zur Ausreise auf

Inmitten der Massenproteste und militĂ€rischer Spannungen rief das US-Außenministerium seine BĂŒrger zur sofortigen Ausreise auf. «ErwĂ€gen Sie, den Iran auf dem Landweg in Richtung TĂŒrkei oder Armenien zu verlassen, sofern dies sicher ist», hieß es in einer Mitteilung. Falls eine Ausreise nicht möglich sei, riet die virtuelle US-Botschaft ihren StaatsbĂŒrgern, einen sicheren Ort aufzusuchen. «Meiden Sie Demonstrationen, verhalten Sie sich unauffĂ€llig und achten Sie auf Ihre Umgebung.» Die verfeindeten LĂ€nder unterhalten seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr.

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