Scholz, Israel Reise

Scholz in Israel: Reise in den Krieg aus StaatsrÀson

17.10.2023 - 16:06:52

Die Sicherheit Israels ist deutsche StaatsrÀson. Mit einem Besuch in dem von Terroristen attackierten Land unterstreicht Kanzler Scholz das. Es geht um viel.

Zehn Tage nach dem verheerenden Terrorangriff der Hamas hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag Israel besucht, um die deutsche SolidaritÀt mit dem attackierten Land zu unterstreichen.

Auf dem Programm standen GesprĂ€che mit MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu, PrĂ€sident Izchak Herzog und Angehörigen deutscher Geiseln der Hamas, die in den Gaza-Streifen verschleppt wurden. Anschließend wollte Scholz noch Abend nach Ägypten weiterreisen, das als einziges Nachbarland Israels direkt an den Gaza-Streifen grenzt.

Neben der UnterstĂŒtzung Israels im Kampf gegen die Hamas geht es Scholz bei seiner zweitĂ€gigen Nahost-Reise vor allem darum, der Gefahr eines FlĂ€chenbrands in der Region entgegenzuwirken. «Gemeinsam mit unseren VerbĂŒndeten setzen wir uns als Bundesregierung mit aller Kraft dafĂŒr ein, dass dieser Konflikt nicht weit eskaliert», sagte er kurz vor seinem Abflug. Die libanesische Hisbollah und den Iran warnte er eindringlich davor, in den Konflikt einzugreifen.

Herzog: «Eine große Botschaft der Hoffnung»

Der israelische PrĂ€sident Izchak Herzog nannte den Besuch des Kanzlers gegenĂŒber der Deutschen Presse-Agentur «eine große Botschaft der Hoffnung» und einen «enormen Ausdruck an SolidaritĂ€t». Scholz sei ein großer Freund Israels. Generell sei die UnterstĂŒtzung der gesamten deutschen FĂŒhrung «unglaublich».

Dass Scholz nun nach Israel reist, kommt nicht von ungefĂ€hr. Deutschland hat wegen der Ermordung von sechs Millionen Juden im Holocaust eine besondere Verantwortung fĂŒr die Sicherheit Israels. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sie 2008 zur StaatsrĂ€son erklĂ€rt. Scholz hat sich das zu eigen gemacht. Jetzt gilt es zu zeigen, was StaatsrĂ€son bei einem konkreten Angriff bedeutet.

Und da will sich Scholz auch nicht wieder Zögerlichkeit vorwerfen lassen wie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Damals dauerte es fast vier Monate, bis er sich mit dem Zug nach Kiew aufmachte. Zu diesem Zeitpunkt waren schon etliche Staats- und Regierungschefs und selbst OppositionsfĂŒhrer Friedrich Merz (CDU) dort. Jetzt gehört er zu den ersten.

Deutsche RĂŒckendeckung fĂŒr MilitĂ€rschlĂ€ge gegen die Hamas

Israel erwartet von ihm vor allem RĂŒckendeckung fĂŒr ihre MilitĂ€rschlĂ€ge gegen die Hamas. Die hat Scholz in den letzten Tagen auch immer wieder mit klaren Worten erneuert - und zwar ohne EinschrĂ€nkungen oder Verweise auf das Völkerrecht. «Der Überfall der Hamas war ein terroristischer Akt, der unverantwortlich war, der furchtbare Konsequenzen hat, der unglaublich viele Menschen getötet hat und unglaublich viele erniedrigt. Und deshalb hat Israel jedes Recht, sich selbst zu verteidigen», sagte er am Abend vor seinem Abflug.

MilitĂ€rische UnterstĂŒtzung erwarten die Israelis von Deutschland dagegen bisher kaum. Zwei geleaste israelische Drohnen, die auch bewaffnet werden können, wurden von der Bundeswehr zurĂŒckgegeben. Einen Antrag auf Lieferung von Munition fĂŒr Kriegsschiffe hat Israel nach Angaben der Bundesregierung inzwischen wieder zurĂŒckgestellt.

Scholz will sich fĂŒr humanitĂ€ren Zugang zum Gaza-Streifen einsetzen

Konkret geht es nun vor allem um humanitĂ€re Hilfe fĂŒr die Menschen im Gazastreifen, die von Israel vor einer möglichen Bodenoffensive zu Hunderttausenden zur Flucht aufgefordert wurden. Scholz betonte am Dienstag, dass Deutschland weiter solche Hilfe fĂŒr die notleidenden Menschen in Gaza leisten werde. Und er sagte: «Wir setzen uns dafĂŒr ein, dass es einen humanitĂ€ren Zugang zum Gaza-Streifen gibt.» Das soll auch ein Schwerpunkt sein, wenn US-PrĂ€sident Joe Biden am Mittwoch nach Israel kommt.

Nicht zuletzt geht es Scholz bei seiner Nahost-Mission um die Freilassung der rund 200 in den Gaza-Streifen verschleppten Geiseln der Hamas - darunter sind mehrere Deutsche, zu denen die Bundesregierung keinen Kontakt hat. Scholz hat dazu schon in den letzten Tagen GesprĂ€che mit den Staatschefs von Katar, Ägypten und der TĂŒrkei gefĂŒhrt - alles LĂ€nder, von denen sich der Kanzler Einfluss auf die Hamas verspricht.

Besuchsprogramm beschrÀnkt sich auf Tel Aviv

FĂŒr Scholz ist es der zweite Besuch in Israel nach seinem Antrittsbesuch. Damals besuchte er auch die Holocaust-GedenkstĂ€tte Yad Vashem in Jerusalem. Durch die Attacke der Hamas fĂŒhlen sich Israelis an den Völkermord von damals erinnert. Seitdem seien nicht mehr so viele Juden und JĂŒdinnen an einem Tag getötet worden, sagte Herzog der dpa. «Die Bilder, die wir gesehen haben, erinnerten uns an die schrecklichen Tage in der Vergangenheit.»

Jerusalem stand diesmal nicht auf dem Programm des Kanzlers. Der Besuch, fĂŒr den nur sechs Stunden vorgesehen waren, beschrĂ€nkte sich auf Tel Aviv. Die Metropole am Mittelmeer gilt als verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig sicher. Seit der Attacke der Hamas schlugen hier nur wenige Raketen ein, es gab keine Toten oder Verletzten.

Es kommt jedoch auch hier tĂ€glich mehrmals zu Raketenalarm. Auch wĂ€hrend des Besuchs von Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) sowie EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen heulten die Sirenen. Beide mussten sich in einen Schutzraum begeben.

@ dpa.de