Explosion, Kosovo

Explosion im Kosovo - Regierung beschuldigt Serbien

30.11.2024 - 11:06:19

Die Spannungen zwischen Kosovo und Serbien flackern wieder auf. Erneut kam es zu einem Vorfall, hinter dem Pristina die Hand Belgrads sieht. Acht VerdÀchtige werden festgenommen, Waffen beschlagnahmt.

  • Durch den Schaden an einem Wasserkanal sei die Stromversorgung in Teilen des Kosovo in Gefahr, warnt Regierungschef Albin Kurti. (Archivbild) - Foto: Visar Kryeziu/AP/dpa

    Visar Kryeziu/AP/dpa

  • Eine Explosion an einem Wasserkanal im ethnisch serbischen Nordkosovo verschĂ€rft die Spannungen zwischen Pristina. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa

    Sina Schuldt/dpa

  • Kosovo macht Serbien fĂŒr eine Explosion an einem Wasserkanal verantwortlich. Serbiens StaatsprĂ€sident Aleksandar Vucic weist dies zurĂŒck. (Archivbild) - Foto: Richard Drew/AP/dpa

    Richard Drew/AP/dpa

Durch den Schaden an einem Wasserkanal sei die Stromversorgung in Teilen des Kosovo in Gefahr, warnt Regierungschef Albin Kurti. (Archivbild) - Foto: Visar Kryeziu/AP/dpaEine Explosion an einem Wasserkanal im ethnisch serbischen Nordkosovo verschĂ€rft die Spannungen zwischen Pristina. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpaKosovo macht Serbien fĂŒr eine Explosion an einem Wasserkanal verantwortlich. Serbiens StaatsprĂ€sident Aleksandar Vucic weist dies zurĂŒck. (Archivbild) - Foto: Richard Drew/AP/dpa

Im stark serbisch besiedelten Norden des Kosovo haben vermutlich Militante mit einem Sprengsatz einen Wasserkanal beschĂ€digt, der zwei wichtige Kohlekraftwerke versorgt. Verletzt wurde dabei niemand. Es habe sich um einen 15 bis 20 Kilo schweren Sprengsatz gehandelt, der durch einen mechanischen ZĂŒnder mit langsam brennendem Docht aktiviert worden sei, teilte die Polizei mit. 

Acht TatverdĂ€chtige wurden festgenommen, Waffen, Munition und weitere MilitĂ€rausrĂŒstung wurden nach Razzien beschlagnahmt. Die Kraftwerke können inzwischen wieder arbeiten, da an der beschĂ€digten Stelle Rohre verlegt wurden, berichteten Medien.

MinisterprĂ€sident Albin Kurti bezeichnete den Vorfall als einen von Belgrad gesteuerten Terrorakt. Serbiens Regierung wies den Vorwurf zurĂŒck. Die Partei der ethnischen Serben des Kosovo, Srpska Lista, verurteilte die BeschĂ€digung des Kanals und verlangte eine Untersuchung durch die Nato-gefĂŒhrte Friedenstruppe KFOR und die EU-Rechtsstaatsmission Eulex. KFOR habe den beschĂ€digten Kanal bewacht, schrieb die Mission in einer Mitteilung an Journalisten, die auch dpa vorliegt.

Gewehre, Granaten, ZĂŒnder beschlagnahmt

Die Razzien seien an zehn verschiedenen Orten durchgefĂŒhrt worden, sagte Innenminister Xhelal Svecla. Die acht Festgenommenen wĂŒrden verdĂ€chtigt, sowohl an der Explosion am Kanal als auch an jĂŒngsten Angriffen mit Handgranaten auf die Polizeistation und eine kommunale Einrichtung im Ort Zvecan in Verbindung zu stehen. 

Beschlagnahmt habe man drei Handgranaten, zwei AK47-Gewehre, einen Revolver, Munition verschiedener Kaliber, ZĂŒnder zum Aktivieren von Sprengkörpern, 200 MilitĂ€runiformen, MilitĂ€rhelme, Masken, Messer sowie Geld, sagte der Polizeichef Gazmend Hoxha. Man stufe die Explosion am Kanal als Terrorakt ein.

Regierungschef spricht von terroristischem Angriff

«Der Angriff wurde von Profis durchgefĂŒhrt. Es ist der nĂ€chste kriminelle und terroristische Angriff, von dem wir glauben, dass er von Banden kommt, die von Serbien inszeniert und geleitet werden», sagte Kurti. Serbiens PrĂ€sident Aleksandar Vucic unterstĂŒtze diese kriminellen Strukturen. Es gebe von serbischer Seite «das Interesse, die Bereitschaft und die FĂ€higkeit, solche Angriffe und SchĂ€den anzurichten», wofĂŒr auch der Einsatz großer Sprengstoffmengen im aktuellen Fall spreche, sagte Kurti. 

Kurti verwies auch auf Milan Radoicic, den kosovo-serbischen GeschÀftsmann, der sich zur Urheberschaft eines schweren Zwischenfalls vom September 2023 bekannt hatte. Damals hatte ein 30-köpfiger, schwer bewaffneter serbischer Kommandotrupp im nordkosovarischen Banjska bei Mitrovica Stellung bezogen und sich KÀmpfe mit der kosovarischen Polizei geliefert. Radoicic floh nach Serbien und wurde dort nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.

Serbiens PrĂ€sident Vucic bezeichnete die Anschuldigungen als unbegrĂŒndet, «voreilig und ohne Beweise», wie seine Partei mitteilte. Dies sei verantwortungslos und gefĂ€hrde Frieden und StabilitĂ€t in der Region. Er verlangte eine unparteiische Untersuchung unter Beteiligung der internationalen Partner.

Die Spannungen zwischen dem Kosovo und Serbien dauern trotz internationaler Vermittlungsversuche an. Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 mit Nato-Hilfe von Serbien abgespalten und 2008 fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rt. Mehr als 100 LĂ€nder, darunter Deutschland, erkennen die UnabhĂ€ngigkeit an. Serbien hat sich jedoch bis heute nicht mit dem Verlust seiner einstigen Provinz abgefunden und fordert diese fĂŒr sich zurĂŒck.

@ dpa.de