Jens Stoltenberg, Belgien

Nato: Vertrag von GeneralsekretÀr Stoltenberg verlÀngert

04.07.2023 - 12:02:23

Die Suche nach einem Nachfolger fĂŒr Nato-GeneralsekretĂ€r Stoltenberg ist vorerst gescheitert. Gut fĂŒr das BĂŒndnis ist, dass der Norweger bereit ist zu bleiben. Seine VertragsverlĂ€ngerung birgt aber auch ein Risiko.

Jens Stoltenberg soll ein weiteres Jahr GeneralsekretÀr der Nato bleiben. Die 31 Mitgliedstaaten vereinbarten, das Mandat des Norwegers bis zum 1. Oktober 2024 zu verlÀngern. Zuvor waren Versuche der Mitgliedstaaten gescheitert, sich auf einen anderen Kandidaten zu einigen.

Stoltenberg selbst hatte in den vergangenen Monaten mehrfach erklÀrt, dass er eigentlich keine weitere Amtszeit anstrebe. Nach Angaben aus seinem Umfeld macht er nun aber aus «Pflichtbewusstsein» und angesichts der vielen Aufgaben wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine weiter.

Die Nato teilte zu der Entscheidung mit, die Alliierten dankten dem GeneralsekretĂ€r fĂŒr seine FĂŒhrungsstĂ€rke und sein Engagement. Diese seien angesichts «beispielloser sicherheitspolitischer Herausforderungen fĂŒr die Wahrung der transatlantischen Einheit von entscheidender Bedeutung». Stoltenberg sagte, er fĂŒhle sich geehrt von der Entscheidung der BĂŒndnispartner, seine Amtszeit zu verlĂ€ngern. Sie wĂ€re sonst eigentlich Ende September ausgelaufen.

Potentielle Nachfolger umstritten

Als mögliche AnwĂ€rter fĂŒr die Nachfolge des 64-JĂ€hrigen hatten in den vergangenen Monaten unter anderen die dĂ€nische MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen und der britische Verteidigungsminister Ben Wallace gegolten. Beide waren allerdings nicht unumstritten.

Als Argument gegen Wallace wurde in EU-Staaten genannt, dass er nie Staats- und Regierungschef war und nicht aus einem EU-Land komme. Gegner Frederiksens verwiesen unter anderem darauf, dass der wichtige Nato-Posten nicht erneut mit jemandem aus dem Norden besetzt werden sollte. Als Alternative wurde zuletzt auch der spanische MinisterprÀsident Pedro Sånchez genannt, der nach der vorgezogenen Parlamentswahl in knapp drei Wochen einen neuen Job benötigen könnte.

Angesichts der schwierigen Suche nach einem neuen Nato-GeneralsekretĂ€r hatten sich dann zuletzt immer mehr Nato-Staaten offen fĂŒr eine weitere VerlĂ€ngerung des Vertrags von Stoltenberg gezeigt. Wenn man sich nicht auf die Nachfolge verstĂ€ndigen könne, könne die westliche Verteidigungsallianz nicht ohne GeneralsekretĂ€r dastehen, sagte etwa der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vor wenigen Wochen. Deswegen wĂ€re er fĂŒr eine VerlĂ€ngerung, zumal er die Zusammenarbeit mit Stoltenberg schĂ€tze.

Noch deutlich klarere UnterstĂŒtzung kam von der US-Regierung, die Stoltenberg zuletzt immer wieder öffentlich fĂŒr seine FĂŒhrungsstĂ€rke seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine lobte. Und so auch nach der VerlĂ€ngerung: Mit seiner Erfahrung und seinem Urteilsvermögen habe der Norweger das BĂŒndnis durch die bedeutendsten Herausforderungen fĂŒr die europĂ€ische Sicherheit seit dem Zweiten Weltkrieg gefĂŒhrt, erklĂ€rte PrĂ€sident Joe Biden.

Stoltenberg seit neun Jahren im Amt

Stoltenberg ist mittlerweile seit fast neun Jahren GeneralsekretĂ€r der Nato. Seine Amtszeit war zuletzt im MĂ€rz 2022 kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine um ein weiteres Jahr bis zum 30. September 2023 verlĂ€ngert worden. Eigentlich hatte der frĂŒhere norwegische Regierungschef bereits im vergangenen Jahr seinen Abschied angekĂŒndigt. Plan war es, in die Heimat zurĂŒckzugehen. Dort hĂ€tte Stoltenberg Chef der norwegischen Zentralbank werden können.

In der Geschichte des BĂŒndnisses ist Stoltenberg bereits jetzt der am zweitlĂ€ngsten amtierende GeneralsekretĂ€r. Am lĂ€ngsten war bislang der NiederlĂ€nder Joseph Luns der höchste internationale Beamte der Allianz. Er amtierte von 1971 bis 1984.

Anerkennung hat sich Stoltenberg vor allem als geschickter Vermittler zwischen den teils sehr unterschiedlichen Interessen der mittlerweile 31 Nato-Staaten erworben. Als sein Verdienst gilt insbesondere die Moderation in dem wĂ€hrend der Amtszeit von US-PrĂ€sident Donald Trump eskalierten Streit um die Verteidigungsausgaben der europĂ€ischen Alliierten. Trump drohte zeitweise sogar mit einem Austritt der USA aus dem BĂŒndnis. Zuletzt koordinierte Stoltenberg vor allem die Reaktion des BĂŒndnisses auf den russischen Krieg gegen die Ukraine und warb fĂŒr weitgehende Waffenlieferungen an das angegriffene Land.

Neuer Nato-GeneralsekretÀr im kommenden Jahr?

Wermutstropfen fĂŒr ihn ist, dass die erneute VerlĂ€ngerung seines Vertrags den Anschein erwecken könnte, dass sich die Nato auf niemanden Neues einigen könne. Aus BĂŒndniskreisen hatte es Anfang des Jahres eigentlich geheißen, dass neben Frankreich auch Deutschland und Großbritannien einen FĂŒhrungswechsel bereits in diesem Herbst bevorzugten - trotz der ausgewiesenen QualitĂ€ten Stoltenbergs.

Um keinen Zweifel an der RĂŒckendeckung fĂŒr Stoltenberg zu lassen, soll die Entscheidung fĂŒr die VertragsverlĂ€ngerung nun in der kommenden Woche beim Nato-Gipfel in Litauen noch einmal von den Staats- und Regierungschefs bestĂ€tigt werden. Ein Nachfolger fĂŒr den Norweger könnte dann im Sommer des kommenden Jahres beim großen JubilĂ€umsgipfel zum 75-jĂ€hrigen Bestehen der Nato in Washington angekĂŒndigt werden - wenn sich denn die Mitgliedstaaten bis dahin einigen können.

@ dpa.de