Nach Ankara-Anschlag: LuftschlÀge und Verhaftungen
03.10.2023 - 17:05:20Nach dem Bombenanschlag in Ankara haben SicherheitskrĂ€fte in mehreren tĂŒrkischen Provinzen weiter Razzien durchgefĂŒhrt und VerdĂ€chtige festgenommen. Es seien mindestens 90 Menschen in 18 Provinzen in Gewahrsam genommen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.
Vor dem Eingang des Innenministeriums in der Hauptstadt Ankara hatte sich am Sonntagmorgen nach Regierungsangaben ein Angreifer in die Luft gesprengt. Bei dem Schusswechsel nach der Explosion wurden demnach zwei Polizisten leicht verletzt. Ein weiterer Angreifer sei per Kopfschuss getötet worden, hieà es.
Am Abend bekannte sich die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu dem Anschlag. Das Innenministerium bestĂ€tigte wenig spĂ€ter Berichte, denen zufolge die Angreifer vor der Tat im zentraltĂŒrkischen Kayseri ein Fahrzeug gestohlen und dessen Fahrer getötet haben sollen.
Luftangriffe als erste Reaktion
In einer ersten Reaktion flog das tĂŒrkische MilitĂ€r laut eigenen Angaben noch in der Nacht zum Montag Luftangriffe auf Stellungen der PKK im Nordirak. Dabei sei eine «groĂe Zahl von Terroristen neutralisiert» - also mutmaĂlich getötet - worden, hieĂ es. Die PKK-nahe Nachrichtenagentur ANF bestĂ€tigte Angriffe und schrieb, dass es zunĂ€chst keine Informationen ĂŒber Verletzte gegeben habe.
Die prokurdische Partei HDP teilte am Montag mit, dass auch Mitglieder ihrer Partei unter den Festgenommenen seien und verurteilte das Vorgehen scharf. Die tĂŒrkische Regierung unterstellt der HDP der parlamentarische Arm der PKK zu sein. Die HDP weist das deutlich von sich.
Hintergrund zum Konflikt
In dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen der PKK und dem tĂŒrkischen Staat sind Tausende Menschen getötet worden. Der staatliche Machtapparat geht in der SĂŒdosttĂŒrkei und im Nordirak regelmĂ€Ăig mit MilitĂ€reinsĂ€tzen gegen die kurdische Untergrundorganisation vor. Diese wiederum verĂŒbt immer wieder AnschlĂ€ge, bei denen vor allem tĂŒrkische SicherheitskrĂ€fte getroffen werden sollen, aber auch immer wieder Zivilisten ums Leben kommen.
Die TĂŒrkei wirft der PKK vor, mit Terror die nationale Sicherheit und Einheit zu gefĂ€hrden. Die PKK argumentiert, sie kĂ€mpfe unter anderem fĂŒr die «Rechte der Kurden» und gegen UnterdrĂŒckung. 2015 scheiterte ein Friedensprozess zwischen der TĂŒrkei und der PKK.
Der Anschlag in Ankara fiel mit dem Beginn der neuen Legislaturperiode zusammen und ereignete sich in unmittelbarer NĂ€he zum Parlament. Auf der Agenda der Abgeordneten steht - wenn auch noch ohne konkretes Datum - unter anderem die Abstimmung ĂŒber den Nato-Beitritt Schwedens, den die TĂŒrkei seit Monaten blockiert.
Ankara fordert von Schweden unter anderem ein hĂ€rteres Vorgehen gegen die PKK. Auch ĂŒber die VerlĂ€ngerung der EinsĂ€tze des tĂŒrkischen MilitĂ€rs im Irak und in Syrien soll nach Angaben des Staatssenders TRT zeitnah im Parlament abgestimmt werden.
In dem Bekennerschreiben der PKK hieĂ es, der Angriff vor dem Innenministerium in Ankara sei genau nach Plan verlaufen und «ein Akt der legitimen Verteidigung» gegen die islamisch-konservative Regierung von StaatsprĂ€sident Recep Tayyip Erdogan. «Diese Aktion war ausdrĂŒcklich fĂŒr die Eröffnung des Parlaments und gegen ein GebĂ€ude in dessen NĂ€he vorgesehen, das als Massaker- und Folterzentrum gilt.»
UN-GeneralsekretÀr António Guterres verurteilte den Anschlag. Er appellierte an beide Seiten, eine Eskalation zu verhindern.


