Russland bombardiert Energiesystem der Ukraine
26.08.2024 - 13:28:10 | dpa.de
Bei einem der schwersten Angriffe in zweieinhalb Jahren Krieg hat Russland die Ukraine massiv mit Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen aus der Luft beschossen. 15 der insgesamt 24 ukrainischen Regionen seien getroffen worden, teilte MinisterprÀsident Denys Schmyhal auf Telegram mit. «Es gibt Tote und Verletzte.» Das Hauptziel der Angriffe sei einmal mehr das Energiesystem der Ukraine gewesen. BeschÀdigt wurde unter anderem das Wasserkraftwerk am Kiewer Stausee. In der Hauptstadt der Ukraine und in anderen Landesteilen kam es zu StromausfÀllen und Notabschaltungen.
Russland habe mehr als 100 Raketen und Ă€hnlich viele Kampfdrohnen eingesetzt, sagte PrĂ€sident Wolodymr Selenskyj. Er erneuerte die flehentliche Kiewer Bitte an PartnerlĂ€nder, den Einsatz westlicher Waffen gegen MilitĂ€rziele tief im RĂŒckraum Russlands zu erlauben. «Jeder FĂŒhrer, jeder Partner von uns weiĂ, welche starken Entscheidungen notwendig sind, um diesen Krieg zu beenden, und zwar auf faire Weise.» FĂŒr die Ukraine dĂŒrfe es keine ReichweitenbeschrĂ€nkung geben, weil auch Russland seine Angriffe nicht beschrĂ€nke. Ăhnlich appellierten Selenskyjs Stabschef Andrij Jermak und AuĂenminister Dmytro Kuleba an die VerbĂŒndeten.
Weil die Angriffe den ganzen Vormittag andauerten, sammelten sich die Angaben zu Opfern und SchĂ€den nur langsam. In ersten Behördenberichten war von 5 Toten und 17 Verletzten in verschiedenen Landesteilen die Rede. Das Bombardement traf die Ukraine, als die Menschen nach dem Wochenende mit dem UnabhĂ€ngigkeitstag wieder zur Arbeit gingen.Â
In Kiew war der Luftalarm erst nach fast acht Stunden gegen 13.45 Uhr Ortszeit (12.45 Uhr MESZ) vorbei, weil bis dahin immer noch SchwÀrme russischer Kampfdrohnen im Luftraum registriert wurden. Videos zeigten, wie die Menschen in der Millionenstadt dicht gedrÀngt die U-Bahnstationen als unterirdische Zuflucht nutzten.
Elf russische Langstreckenbomber in der Luft
Der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte die russische Armee zeitweise elf Langstreckenbomber Tu-95 ein, die als Abschussrampen fĂŒr Marschflugkörper dienen. AuĂerdem wurden demnach Hyperschallraketen Kinschal auf die Ukraine abgefeuert. Auch aus dem Schwarzen Meer sei die Ukraine mit Marschflugkörpern Kalibr beschossen worden. Dazu wurden nach vorlĂ€ufigen Angaben Dutzende Drohnen in der Luft geortet. Angaben zu Treffern auf militĂ€rische Ziele machte die Ukraine wie ĂŒblich nicht.Â
Wegen der NĂ€he der russischen Angriffe zur polnischen Grenze lieĂ das polnische MilitĂ€r AbfangjĂ€ger aufsteigen, wie die Nachrichtenagentur PAP meldete. An dem Einsatz waren den Angaben nach auch Flugzeuge anderer VerbĂŒndeter beteiligt.Â
Notabschaltungen im ukrainischen Stromnetz
«Der Feind lĂ€sst nicht von seinen PlĂ€nen ab, den Ukrainern das Licht auszuschalten», schrieb Energieminister Herman Halutschschtenko auf Facebook. Die Lage sei schwierig. Der Stromversorger Ukrenerho und andere Energiefirmen versuchten, das Netz durch Notabschaltungen zu entlasten. Wo kein Strom ist, fĂ€llt meist auch die Versorgung mit Wasser aus.Â
Ăber den Treffer auf das Wasserkraftwerk von Kiew berichtete die Nachrichtenagentur Unian, nachdem in russischen TelegramkanĂ€len ein Video der SchĂ€den aufgetaucht war. Demnach brannte es im Turbinenraum des Wasserkraftwerks, die StraĂe auf der Staumauer war beschĂ€digt. Die MilitĂ€rverwaltung des Kiewer Umlands bestĂ€tigte offiziell nur SchĂ€den an zwei nicht nĂ€her bezeichneten Anlagen der Energieinfrastruktur.
Seit dem Jahreswechsel 2023/24 hat Russland mit mehreren kombinierten Luftangriffen versucht, Kraftwerke und die Energieinfrastruktur der Ukraine auszuschalten. Bei einem Angriff am 29. Dezember setzte die russische Armee nach Kiewer ZÀhlung 122 Raketen und Marschflugkörper sowie 36 Drohnen ein. In der Ukraine waren mehr als 30 Tote zu beklagen.
Die Ukraine wehrt seit Februar 2022 eine groĂe russische Invasion ab. Am Samstag hatte die Europas zweitgröĂtes Land den 33. Jahrestag seiner UnabhĂ€ngigkeit von der Sowjetunion begangen.
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