UN verlangt per Resolution Waffenstillstand in Gaza
12.12.2023 - 22:40:57Die UN-Vollversammlung hat per Resolution einen sofortigen humanitÀren Waffenstillstand im Gazastreifen verlangt. Das Papier erreichte am Dienstag in New York eine notwendige Zweidrittelmehrheit, Deutschland enthielt sich. Resolutionen der UN-Vollversammlung sind allerdings nicht rechtlich bindend, sondern gelten als symbolisch.
Israel: Viele Hamas-KĂ€mpfer ergeben sich
«Wir ĂŒben groĂen Druck aus. Ich denke, dass sie sich ergeben und mit erhobenen HĂ€nden heraus kommen, zeigt, dass ihr Kampfgeist gebrochen ist. Das beschleunigt unsere Erfolge, schlieĂlich wollen wir schnell vorankommen», sagte Halevi bei einem Treffen mit dem Leiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Ronen Bar. Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant erklĂ€rte, die letzten Hamas-Hochburgen im nördlichen Gazastreifen seien vor dem Fall. Die Hamas-Kommandozentralen in den Stadtvierteln Dschabalia und Schedschaija seien eingekreist und stĂŒnden kurz vor dem Zusammenbruch, sagte Galant.
Biden sagt Israel weitere UnterstĂŒtzung zu
US-PrĂ€sident Joe Biden sicherte Israel weitere UnterstĂŒtzung im Kampf gegen die Hamas-Terroristen zu. «Wie ich nach dem Anschlag (am 7. Oktober) sagte, ist mein Engagement fĂŒr die Sicherheit des jĂŒdischen Volkes (...) unerschĂŒtterlich», sagte Biden am Montagabend bei einem Empfang zum jĂŒdischen Chanukka-Fest im WeiĂen Haus. Die USA wĂŒrden Israel unterstĂŒtzen, bis das Land die Hamas losgeworden sei. Biden betonte nach Angaben des WeiĂen Hauses, die USA setzten sich unermĂŒdlich fĂŒr die sichere RĂŒckkehr der aus Israel in den Gazastreifen entfĂŒhrten Geiseln ein. «Und ich werde nicht aufhören, bis wir jeden von ihnen nach Hause gebracht haben.» Er arbeite auch daran, mehr «humanitĂ€re Hilfe fĂŒr unschuldige palĂ€stinensische Zivilisten» zu bekommen.
UN: Menschen flehen um Sicherheit
Nach einem Besuch in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen postete der Generalkommissar des PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini, auf X (ehemals Twitter): «Menschen sind ĂŒberall, sie leben auf der StraĂe, sie brauchen alles.» Sie flehten um Sicherheit. «Von unseren Kollegen wird verlangt, dass sie in einer unmöglichen Situation das Unmögliche tun», so Lazzarini. Laut Vereinten Nationen hungert inzwischen die HĂ€lfte der Bevölkerung im Gazastreifen. Hunderttausende PalĂ€stinenser mussten auf Anweisungen des israelischen MilitĂ€rs den heftig umkĂ€mpften Norden in Richtung SĂŒden verlassen. Aber auch dort gibt es nun KĂ€mpfe.
WHO: Krankenhaus ist eine «humanitÀre Katastrophenzone»
Das Al-Ahli-Krankenhaus in der Stadt Gaza gleicht nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einer humanitĂ€ren Katastrophenzone. Das Krankenhaus könne nur noch 40 seiner 80 Betten belegen, habe aber mehr als 200 Patienten, berichtete Richard Peeperkorn, der WHO-Vertreter fĂŒr die von Israel besetzten palĂ€stinensischen Gebiete. Patienten lĂ€gen in GĂ€ngen, der BĂŒcherei und einer Kapelle sowie im Innenhof. Ărzte behandelten Schwerverletzte, die auf Eselskarren oder zu FuĂ ankĂ€men, teils auf dem Boden und auf dem BĂŒrgersteig. Es gebe kaum noch Personal. Weil es keinen GefĂ€Ăchirurgen gebe, mĂŒssten sie GliedmaĂen amputieren.
UN berichten von KĂ€mpfen nahe von Kliniken
Die Vereinten Nationen berichteten zudem von KĂ€mpfen nahe KrankenhĂ€user. Das Al-Auda-Krankenhaus in Dschabalia sei seit sechs Tagen von israelischen Truppen und Panzern umgeben, berichtete das UN-NothilfebĂŒro OCHA. Laut Berichten sitzen etwa 250 Ărzte, Patienten und deren Angehörige in dem Krankenhaus fest. Zwei medizinische Mitarbeiter seien dort im Dienst bei KĂ€mpfen in vergangenen Tagen getötet worden.
Nach Darstellung der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde drangen israelische Truppen zudem in das Kamal Aduan Krankenhaus im Norden vor. Den Angaben nach wurden MĂ€nner, darunter auch medizinisches Personal, aufgefordert, sich im Hof ??des Krankenhauses zu versammeln. Das israelische MilitĂ€r Ă€uĂerte sich auf Nachfrage zunĂ€chst nicht zu dem Vorfall. Am Tag zuvor war das Krankenhaus nach OCHA-Angaben unter Beschuss geraten.
Ministerium: Zahl der Toten steigt auf 18.400
Die Zahl der im Gazastreifen getöteten PalĂ€stinenser ist seit Kriegsbeginn nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza auf 18.412 gestiegen. Mehr als 50.000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Ministerium mit. Zuletzt war die Zahl der Toten auf rund 18.200 beziffert worden. Die Zahlen lassen sich gegenwĂ€rtig nicht prĂŒfen, die UN und andere Beobachter weisen aber darauf hin, dass sich die Zahlen der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwĂŒrdig herausgestellt hĂ€tten.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zu Gaza verĂŒbt hatten. Auf israelischer Seite sind in der Folge mehr als 1200 Menschen getötet worden, darunter mindestens 850 Zivilisten. Israels Armee hat bisher 434 Soldaten verloren.
Tote bei Drohnen-Angriff auf Hochburg militanter PalÀstinenser
Bei einem israelischen MilitÀreinsatz in der Stadt Dschenin im Westjordanland wurden unterdessen mindestens vier militante PalÀstinenser getötet. Sie seien bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommen, berichtete die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa. Das Gesundheitsministerium in Ramallah bestÀtigte den Tod. Nach Angaben der Al-Aksa-Brigaden handelte es sich um Mitglieder der bewaffneten Gruppierung, die der Fatah-Partei von PalÀstinenserprÀsident Mahmud Abbas nahesteht. Die Stadt Dschenin gilt als Hochburg militanter PalÀstinenser.
Israels Armee: Weitere Geisel-Leichen im Gazastreifen geborgen
Israels MilitĂ€r hat nach eigenen Angaben die Leichen zwei weiterer aus Israel in den Gazastreifen verschleppten Menschen geborgen. Ihre toten Körper seien nach Israel zurĂŒckgebracht und dort identifiziert worden, teilte die Armee mit. Demnach handelt es sich um eine 27 Jahre alte Frau, die beim Hamas-Massaker auf dem Supernova-Festival entfĂŒhrt wurde sowie einen 36 Jahre alten Offizier der israelischen Armee. Auch er wurde demnach am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt. Die Familien der beiden seien informiert worden. Zur Todesursache machte die Armee in beiden FĂ€llen zunĂ€chst keine Angaben.
Demnach seien es nach Angaben der israelischen Armee derzeit noch 135 aus Israel entfĂŒhrte Menschen in der Gewalt der Hamas und anderer extremistischer Gruppen im Gazastreifen. Allerdings sind Israelischen Medien zufolge 18 der nun noch 135 im Gazastreifen verbleibenden Geiseln nicht mehr am Leben.
UN-Analyse: 37.000 GebÀude zerstört oder beschÀdigt
Etwa 18 Prozent aller Bauwerke im Gazastreifen sind laut einer Auswertung von Satellitenbildern seit Beginn des Konflikts zerstört oder beschÀdigt worden. Insgesamt seien 37.379 Bauten betroffen, teilte der Satellitendienst der Vereinten Nationen (UNOSAT) in Meyrin bei Genf am Dienstag mit.
Die UNOSAT-Fachleute verglichen Aufnahmen des palĂ€stinensischen KĂŒstenstreifens vor Beginn der israelischen MilitĂ€roperation im Oktober mit Bildern von Ende November. Sie identifizierten etwa 10.000 zerstörte und 8200 schwer beschĂ€digte GebĂ€ude sowie 19.100 GebĂ€ude mit mittelschweren SchĂ€den. Der nördliche Gazastreifen ist besonders betroffen, wie aus der UNOSAT-Karte hervorgeht. Die UN-Fachleute wiesen darauf hin, dass diese Ergebnisse noch nicht vor Ort verifiziert worden seien.


