Iranische, Journalistinnen

Iranische Journalistinnen zu langer Haft verurteilt

22.10.2023 - 10:31:10

Die Unesco hatte die beiden Frauen in Abwesenheit mit dem Pressefreiheitspreis ausgezeichnet. Nun kommen die Journalistinnen nach einem umstrittenen Prozess in Teheran fĂŒr mehrere Jahre hinter Gitter.

Im Iran sind zwei preisgekrönte Journalistinnen im Zusammenhang mit den landesweiten Protesten im vergangenen Jahr zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Ein Revolutionsgericht in Teheran verurteilte Nilufar Hamedi zu sieben Jahren und Elaheh Mohammadi zu sechs Jahren GefÀngnis, wie das Justizportal Misan berichtete.

Beide wurden der Zusammenarbeit mit den USA beschuldigt und wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen die nationale Sicherheit verurteilt. Gegen die Urteile kann Berufung eingelegt werden.

Die Prozesse waren international scharf kritisiert worden. WĂ€hrend Hamedi und Mohammadi im GefĂ€ngnis saßen, zeichnete die Unesco die Journalistinnen fĂŒr ihre Berichterstattung Anfang Mai in Abwesenheit mit dem Pressefreiheitspreis der UN-Kulturorganisation aus.

Hamedis Anwalt, Partu Borhanpur, beklagte im GesprĂ€ch mit der Zeitung Shargh, nicht ĂŒber das Urteil informiert worden zu sein, obwohl dies gesetzlich vorgesehen sei. Auch Mohammadis Anwalt Schahab Mirlohi hatte bereits im Mai das Vorgehen der Justiz kritisiert. Die Verteidigung habe nicht genug Zeit zur Vorbereitung bekommen, so der Vorwurf.

Die beiden Journalistinnen waren im Herbst 2022 unter den Ersten, die ĂŒber den Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini berichteten. SittenwĂ€chter hatten die junge Frau wegen eines angeblich schlecht sitzenden Kopftuchs gewaltsam festgenommen, Amini fiel ins Koma und starb nur wenige Tage spĂ€ter am 16. September 2022. Hamedi recherchierte zum Zeitpunkt des Todes als Journalistin der Zeitung «Shargh» im Krankenhaus und veröffentlichte ein Foto der trauernden Eltern, das um die Welt ging.

Proteste stĂŒrzten Staatsregierung in schwere Krise

Es folgte eine landesweite Welle der Empörung und Fassungslosigkeit. Viele Familien sagten: Das hĂ€tte auch meiner Tochter passieren können. Die Proteste breiteten sich wie ein Lauffeuer aus und entfesselten vor allem die Wut der jungen Generation. Die AufstĂ€nde stĂŒrzten Irans politische und klerikale StaatsfĂŒhrung in die schwerste Krise seit Jahrzehnten.

Auch Mohammadi schrieb ĂŒber Amini, reiste fĂŒr ihren Arbeitgeber «Hammihan» zur Beerdigung in ihre kurdische Heimatstadt Saghes, wo Menschenmassen hinströmten. Nur sechs Tage nach ihrem Tod durchsuchten SicherheitskrĂ€fte die Wohnung der Journalistin Hamedi und nahmen sie fest. Mohammadi kam eine Woche spĂ€ter in Haft.

Vor einem berĂŒchtigten Revolutionsgericht in Teheran, dessen Vorsitzender Richter Abolghassem Salawati fĂŒr besonders harsche Urteile bekannt ist, wurde das Verfahren verhandelt. Seit mehr als zehn Jahren ist der Mann durch die EU bereits mit Sanktionen belegt. Im Rahmen der jĂŒngsten Protestwelle sprach Salawati mehrere Todesurteile gegen Demonstranten.

Keine Verbindung zu auslÀndischen Regierungen

Am letzten Verhandlungstag sagte Mohammadi in ihrer Verteidigung: «Ich hatte nie eine Verbindung zu einer auslÀndischen Regierung und bin stolz darauf, an der Seite der Menschen geblieben zu sein, um ihre Stimme zu sein.» Sie warf der iranischen Justiz vor, dass diese an beiden Journalistinnen ein Exempel statuieren wolle.

Wie vehement der Staat gegen Medienschaffende wĂ€hrend der Proteste vorging, zeigt auch ein Blick auf Daten des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) in New York: Fast 100 Medienvertreter wurden festgenommen, ein Großteil von ihnen ist inzwischen wieder auf Kaution frei. Auch Familienangehörige wurden unter Druck gesetzt.

@ dpa.de