Kimberly Guilfoyle, US-Botschaft Athen

Kimberly Guilfoyle soll Trump-Spender 100.000 Dollar gebeten haben

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 01:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Vorwürfe gegen die US-Vertreterin in Griechenland erreichen den Kongress. Ein republikanischer Senator erwartet eine Untersuchung durch das Außenministerium, während Marco Rubio sie verteidigt.

US-Botschafterin Guilfoyle traf Außenminister Rubio gerade erst in Athen. (Archivbild) - Bild: Mark Schiefelbein/Pool AP/AP/dpa
US-Botschafterin Guilfoyle traf Außenminister Rubio gerade erst in Athen. (Archivbild) - Bild: Mark Schiefelbein/Pool AP/AP/dpa

Senatsanhörung und 100.000-Dollar-Forderung

  • Kimberly Guilfoyle soll den Trump-Spender Eric Deters um 100.000 Dollar für ihre American-Express-Schulden gebeten haben.
  • Die Nachricht soll wenige Tage vor ihrer Anhörung für den Botschafterposten im Senat verschickt worden sein.
  • Deters zufolge bot Guilfoyle im Gegenzug Hilfe bei persönlichen Steuer- und Rechtsangelegenheiten an, eine Zahlung sei aber nicht erfolgt.

Die US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, gerät wegen mutmaßlich angebotener politischer Gefälligkeiten gegen Geld weiter unter Druck.

Vorwürfe stützen sich auf Nachrichten

Das Wall Street Journal veröffentlichte Nachrichten, die belegen sollen, dass Guilfoyle den Trump-Unterstützer Eric Deters um eine Überweisung von 100.000 Dollar gebeten habe. Das Geld habe sie benötigt, um Schulden bei American Express zu begleichen.

Guilfoyle soll Deters wenige Tage vor ihrer Anhörung im Senat um die Zahlung gebeten haben. In einer Nachricht habe sie ihn aufgefordert, die Angelegenheit noch am selben Tag zu erledigen, und Zahlungsanweisungen übermittelt.

Streit über Gegenleistung

Nach Darstellung von Deters stand er seit Monaten mit Guilfoyle in Kontakt. Er habe die US-Regierung auf persönliche steuerliche und rechtliche Angelegenheiten aufmerksam machen wollen. Dafür soll Guilfoyle ihm im Erfolgsfall Zahlungen von bis zu einer Million Dollar versprochen haben.

Deters erklärte, er habe das Geld letztlich nicht überwiesen. Guilfoyles Anwalt bestreitet die Echtheit der Nachrichten. Nach Darstellung der Botschafterin seien ihr vor der Senatsanhörung Honorare für öffentliche Auftritte geschuldet gewesen; Deters weist zurück, ihr Geld geschuldet zu haben.

Forderungen nach Untersuchung

Mehrere Demokraten fordern eine umfassende Aufklärung. Robert Garcia, der ranghöchste Demokrat im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, sprach von einem weiteren Korruptionsvorwurf im Umfeld der Trump-Regierung und verlangte Antworten.

Auch der republikanische Senator John Barrasso bezeichnete die Berichte als beunruhigend. Er erwarte, dass das Außenministerium eine Untersuchung einleite; außerdem werde sich der zuständige Senatsausschuss mit dem Fall befassen.

Rubio weist Kritik zurück

Außenminister Marco Rubio traf Guilfoyle erst in der vergangenen Woche in Athen. Auf Fragen zu den Berichten verwies er bei einer Pressekonferenz darauf, dass dies nicht der richtige Rahmen für eine solche Debatte sei.

Rubio lobte zugleich die Arbeit der US-Botschaft in Griechenland und bezeichnete Guilfoyle als starke Botschafterin. Guilfoyle war zuvor mit Donald Trump Jr., dem ältesten Sohn des US-Präsidenten, verlobt.

Diplomatische Posten unter besonderer Kontrolle

Der Fall berührt einen grundlegenden Konflikt amerikanischer Außenpolitik: Botschafter vertreten den Staat, bewegen sich aber zugleich in einem Umfeld aus Parteispenden, persönlichen Netzwerken und politischen Gefälligkeiten. Bei einer Senatsanhörung werden deshalb nicht nur fachliche Eignung und außenpolitische Erfahrung bewertet, sondern auch mögliche Interessenkonflikte.

Die vorgeworfene Verbindung von privater Geldforderung und angebotenem Zugang zu Regierungsstellen wäre politisch besonders heikel. Selbst wenn keine Zahlung geflossen sein sollte, könnte bereits der Eindruck entstehen, staatlicher Einfluss werde wie eine private Dienstleistung behandelt. Das erklärt, warum Forderungen nach einer Prüfung über die unmittelbaren Gegner der Regierung hinausreichen.

Relevanz für die US-Außenvertretung

Guilfoyles Botschafterposten fällt zudem in eine Phase intensiver US-Aktivitäten in Griechenland. Athen gewinnt als Energie- und Sicherheitsstandort an Bedeutung, unter anderem durch geplante Gasverbindungen und die engere Zusammenarbeit mit Washington. Dadurch steigt die politische Sichtbarkeit der Botschaft und damit auch der Anspruch an Transparenz.

Für das weitere Verfahren sind mehrere Ebenen entscheidend: das Außenministerium könnte intern prüfen, Kongressausschüsse könnten Unterlagen und Aussagen anfordern, und die Senatsdebatte könnte sich erneut mit Guilfoyles Eignung befassen. Politisch dürfte der Streit vor allem daran hängen, ob die Nachrichten echt sind, ob ein konkreter Zugang versprochen wurde und ob daraus ein dienstliches Handeln entstand.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Bericht: US-Botschafterin will Trump-Unterstützer ihre privaten Schulden zahlen lassen“ (10.10.2026)

Der Bericht schildere anhand umfangreicher Nachrichten, E-Mails und Briefe, Guilfoyle habe 100.000 Dollar zur Begleichung ihrer Kreditkartenschulden verlangt und Deters zugleich politische Hilfe in Aussicht gestellt. Er ergänze den Vorgang um weitere Kontakte zu Regierungsstellen und frühere Vorwürfe gegen die Botschafterin, während ihr Anwalt die Echtheit der Nachrichten bestreite.

Der Artikel bestätige damit den Kern der dpa-Meldung, setze den Schwerpunkt aber stärker auf die Vorgeschichte der Kontakte und weitere behauptete Gefälligkeiten. Offen bleibe auch dort, ob tatsächlich Geld geflossen oder ein dienstlicher Einfluss ausgeübt worden sei.

tagesschau: „Gespräche in Athen: Rubio umwirbt die Gas-Drehscheibe Griechenland“ (11.10.2026)

Der Bericht ordne Guilfoyles Rolle in die wachsende energiepolitische Zusammenarbeit zwischen den USA und Griechenland ein. Sie habe in der Region für Geschäfte amerikanischer Unternehmen geworben, während Experten über Nutzen, Kosten und mögliche neue Abhängigkeiten beim Ausbau der Gasinfrastruktur stritten.

Damit bestätige der Artikel Guilfoyles öffentliche Funktion und ihre politische Sichtbarkeit in Athen, behandle aber nicht die Bestechlichkeitsvorwürfe. Übereinstimmung bestehe in der Bedeutung ihres Amtes; offen bleibe, wie sich die Vorwürfe auf ihre Arbeit in diesem strategisch wichtigen Umfeld auswirkten.

Medienübergreifend werde Guilfoyle als politisch gut vernetzte Botschafterin mit hoher öffentlicher Sichtbarkeit beschrieben. Der konkrete Streit betreffe die Echtheit und Bedeutung der Nachrichten sowie die Frage, ob politische Zugänge gegen private Leistungen angeboten worden seien.

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