Bericht, Folter

Bericht: Folter von PalÀstinensern in Israels GefÀngnissen

06.08.2024 - 13:49:51

Die VorwĂŒrfe lasten schwer: PalĂ€stinensische Ex-HĂ€ftlinge beschreiben Gewalt und DemĂŒtigungen in israelischen GefĂ€ngnissen. Eine Sprecherin weist dies zurĂŒck, bestĂ€tigt aber verschĂ€rfte Bedingungen.

  • Nach Informationen von Betselem wurden zuletzt mehr als 9600 PalĂ€stinenser festgehalten, etwa die HĂ€lfte davon ohne offizielle Anklage.  - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

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  • Insassen beschreiben nach Angaben des Berichts systematische Misshandlungen. - Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpa

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Nach Informationen von Betselem wurden zuletzt mehr als 9600 PalÀstinenser festgehalten, etwa die HÀlfte davon ohne offizielle Anklage.  - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaInsassen beschreiben nach Angaben des Berichts systematische Misshandlungen. - Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpa

Eine Menschenrechtsorganisation wirft Israel systematische Folter palÀstinensischer HÀftlinge in seinen GefÀngnissen vor. Die israelische Organisation Betselem hat in einem Bericht unter dem Titel «Willkommen in der Hölle» Zeugenaussagen von 55 palÀstinensischen Ex-HÀftlingen gesammelt. Diese beschreiben teilweise schwere Misshandlungen und Gewalt. Nach Informationen von Betselem wurden zuletzt mehr als 9600 PalÀstinenser in israelischen GefÀngnissen festgehalten, etwa die HÀlfte davon ohne offizielle Anklage. 

Das israelische MilitĂ€r ermittelt gegenwĂ€rtig zu VorwĂŒrfen wegen schwerer sexueller Misshandlung eines palĂ€stinensischen Terroristen durch Soldaten in dem MilitĂ€rlager Sde Teiman im SĂŒden Israels. Das UN-MenschenrechtsbĂŒro hatte zuletzt mitgeteilt, mindestens 53 Menschen seien in israelischem Gewahrsam ums Leben gekommen. 

«Die Zeugenaussagen zeigen die Ergebnisse der hastigen Umwandlung von mehr als einem Dutzend GefÀngniseinrichtungen - militÀrisch und zivil - in ein Netzwerk von Lagern, die dem gezielten Missbrauch von Insassen dienen», schrieb Betselem in dem Bericht. «Einrichtungen, in denen jeder Insasse absichtlich schwerem, unablÀssigem Schmerz und Leid ausgesetzt ist, funktionieren de facto als Folterlager.»

«Der Missbrauch, der in Zeugenaussagen von Dutzenden von Individuen ĂŒbereinstimmend beschrieben wird, die in verschiedenen Einrichtungen festgehalten wurden, war so systematisch, dass es sich zweifellos um eine organisierte, erklĂ€rte Politik der israelischen GefĂ€ngnisbehörde handelt», schrieb Betselem. Diese Politik sei unter Anweisung des rechtsextremen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir und mit voller UnterstĂŒtzung der israelischen Regierung und des MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu umgesetzt worden. 

Der beispiellose Terrorangriff der islamistischen Hamas und anderer palĂ€stinensischer Gruppierungen auf Israel am 7. Oktober habe die israelische Gesellschaft zutiefst traumatisiert und «tief sitzende Ängste und einen Racheinstinkt bei vielen geweckt», schrieb Betselem. Die rechtsreligiöse Regierung habe dies genutzt, um «ihre rassistische Ideologie stĂ€rker umzusetzen, indem sie die UnterdrĂŒckungsmechanismen einsetzten, die ihnen zur VerfĂŒgung stehen». 

Betselem ist eine ĂŒber Spenden finanzierte israelische Menschenrechtsgruppe, die sich gegen die Besatzung der palĂ€stinensischen Gebiete und fĂŒr gleiche Rechte fĂŒr Juden und PalĂ€stinenser einsetzt.

Ein israelischer Armeesprecher sagte, man prĂŒfe die VorwĂŒrfe. Eine Sprecherin der israelischen GefĂ€ngnisbehörde sagte, alle HĂ€ftlinge wĂŒrden in Übereinstimmung mit dem Gesetz festgehalten und ihre grundlegenden Rechte gewahrt. Die VorwĂŒrfe von Betselem seien der Behörde nicht offiziell ĂŒbermittelt worden, «und nach unserem Wissen entbehren sie jeglicher Basis». Sie erinnerte gleichzeitig daran, dass seit Beginn des Gaza-Kriegs vor zehn Monaten die Haftbedingungen sogenannter SicherheitshĂ€ftlinge auf Anweisung von Ben-Gvir verschĂ€rft worden seien. 

 

 

 

@ dpa.de