Geschlossene Gesellschaft: Wie lÀuft die Papstwahl ab?
28.04.2025 - 13:33:50Das Konklave, die Versammlung der KardinĂ€le zur Wahl eines neuen Papstes, ist eines der geheimnisvollsten und traditionsreichsten Rituale der katholischen Kirche. Wenn die PurpurtrĂ€ger sich auf einen neuen Papst einigen konnten und weiĂer Rauch ĂŒber der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, warten die auf dem Petersplatz versammelten Massen und Millionen vor den Bildschirmen sehnsĂŒchtig auf den erlösenden Satz: «Habemus papam». Ein Ăberblick:
Warum heiĂt es «Konklave»?
Das Wort kommt vom Lateinischen «cum clave», das heiĂt «mit SchlĂŒssel» - sprich eingeschlossen. Die KardinĂ€le kommen zur Papstwahl noch heute ohne Kontakt zur AuĂenwelt zusammen. Sie schwören zu Beginn Geheimhaltung. Wer dagegen verstöĂt, riskiert die Exkommunikation - den Ausschluss aus der Kirche. Auch Ărzte, Sicherheitsleute und ReinigungskrĂ€fte, die beim Konklave im Hintergrund dabei sind, mĂŒssen einen Eid ablegen.Â
Das strenge Prozedere hat seine Wurzeln im 13. Jahrhundert. Politische Einmischung ist erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts dezidiert verboten. Medien und Handys inklusive Internet und Kameras sind KardinÀlen in dieser Zeit nicht erlaubt, es gibt nur ein Notfall-Telefon. Störsender und die Suche nach Wanzen sollen Abhörversuche vereiteln. Denn eine undichte Stelle verriet 2005 die Wahl Joseph Ratzingers zum Papst Benedikt XVI. vor der offiziellen Bekanntgabe.
Wo wird gewÀhlt?
Die Sixtinische Kapelle nahe dem Petersdom ist das wohl schönste Wahllokal der Welt. Seit 1870, mit dem Ende des Kirchenstaats, ist der Bau aus dem 15. Jahrhundert der stĂ€ndige Ort fĂŒr das Konklave. Die WĂ€nde zieren unter anderem die berĂŒhmten Renaissance-Fresken Michelangelos, darunter das «JĂŒngste Gericht». Sonst drĂ€ngen sich in der Kapelle â als Teil der Vatikanischen Museen - mehr als sieben Millionen Touristen pro Jahr. Beim Konklave sind die Fenster verhĂ€ngt. Die Kapelle wird komplett umgebaut. Einfache HolzbĂ€nke weichen bequemen StĂŒhlen und Tischen.Â
Wie leben die KardinĂ€le?Â
FrĂŒher waren KardinĂ€le bei der Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle und NebengebĂ€uden eingeschlossen und nĂ€chtigten in spartanischen Kojen. Heute speisen und schlafen sie streng abgeschottet im GĂ€stehaus Santa Marta im Vatikan. Ihr Tag beginnt oft vor sechs Uhr frĂŒh. FĂŒr die Speisen gibt es Regeln: Sie sollen einfach sein, um die KardinĂ€le nicht abzulenken, aber nahrhaft, um ihnen die nötige Energie zu liefern.Â
Der deutsche Kardinal Rainer Maria Woelki sagt ĂŒber die Papstwahl: «Da mĂŒssen alle elektronischen GerĂ€te, alle Handys abgegeben werden. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich beim letzten Mal mein eigenes Zimmer bezogen habe: Die Fenster waren versiegelt, die FensterlĂ€den verschlossen. Ich hatte keine Möglichkeit, das Tageslicht zu sehen.»Â
Wie lĂ€uft die Wahl ab?Â
Theoretisch kann in geheimer Wahl jeder katholisch getaufte Mann gewĂ€hlt werden. In der Praxis haben seit dem Mittelalter nur KardinĂ€le realistische Chancen. Papst Franziskus ernannte viele KardinĂ€le aus nicht europĂ€ischen LĂ€ndern, zum Beispiel aus Afrika und Asien. Das erhöht nun die Vielfalt des Kollegiums aus mehr als 60 LĂ€ndern.Â
Aber es gibt es eine Altersgrenze: Wahlberechtigt sind nur KardinĂ€le, die beim Tod des Papstes unter 80 Jahre alt waren. Das sind im Moment mehr als 130. Jeder schreibt den Namen seines bevorzugten Kandidaten auf einen Stimmzettel und faltet ihn zweimal. Es ist erlaubt, die eigene Handschrift zu verstellen. Dann treten die KardinĂ€le an die Wahlurne. Nötig fĂŒr die Wahl zum Papst ist eine Zweidrittelmehrheit.Â
Feierlicher Dresscode
KardinĂ€le tragen wĂ€hrend des Konklaves eine scharlachrote Soutane. Auch liturgische GewĂ€nder wie die Mozetta, ein kurzer Umhang, ein quadratisches Birett und andere Kopfbedeckungen sind möglich. Der neu gewĂ€hlte Papst erhĂ€lt sofort neue GewĂ€nder, mit denen er spĂ€ter auch die Loggia des Petersdoms betritt. Seit einem wohlbeleibten Herrn werden sie vorab vorsichtshalber in drei GröĂen geschneidert.Â
Schnell oder langsam?
Im Mittelalter dauerte es bis zur Wahl Papst Gregors X. einmal fast drei Jahre. 1503 war bereits nach wenigen Stunden Papst Julius II. gewĂ€hlt. Allerdings soll dabei Bestechung die Abstimmung beschleunigt haben. Zuletzt brauchte das Konklave bis zu fĂŒnf Tagen fĂŒr seine Entscheidung. Am ersten Tag gibt es nur einen Wahlgang, danach in der Regel vier pro Tag. Pausen sind möglich. Sollte nach dem 33. Wahlgang noch kein Papst feststehen, kann es zur Stichwahl der Kandidaten mit den meisten Stimmen kommen.Â
Wann kommt Rauch aus dem Schornstein?
Seit dem 19. Jahrhundert werden Stimmzettel und Notizen bei einem Konklave stets in gusseisernen Ăfen verbrannt. Der Rauch aus einem Schornstein, mit Chemikalien gefĂ€rbt, ist ein Signal. Schwarz bedeutet: kein Ergebnis. Bei weiĂem Rauch ist ein neuer Papst gewĂ€hlt. Nimmt er die Wahl an und nennt seinen Papstnamen, lĂ€uten die Glocken des Petersdoms. SpĂ€ter treten die KardinĂ€le und der neue Papst auf seinen mittleren Balkon. Dann heiĂt es «Habemus papam» (Wir haben einen Papst) und die Welt erfĂ€hrt den Namen.







