MilitÀrexperte sieht Gefahren in einer Waffenruhe
19.01.2025 - 17:00:37Im Falle einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg rechnet der ukrainische MilitĂ€rexperte und Analytiker Olexander Kowalenko mit einem massiven MilitĂ€raufbau Russlands. Innerhalb eines Jahres könnte Moskau sein militĂ€risches Potenzial ausweiten, wurde Kowalenko von der Agentur Unian zitiert. Damit drohe aber das klassische Szenario eines dritten Weltkriegs.Â
Russland könne innerhalb von zwölf Monaten alle Komponenten seiner StreitkrĂ€fte - vor allem Panzer, Artillerie und Raketen - unbehindert ausbauen. Zudem sei mit steigenden Zahlen von Infanterie zu rechnen - bis zu 1,2 Millionen Mann. Sollten Moskau und Pjöngjang weiterhin an ihrer Zusammenarbeit festhalten, wĂ€ren bis zu 50.000 Soldaten aus Nordkorea als VerstĂ€rkung zu erwarten, meinte er. «Diese AnhĂ€ufung wird um eine Vielfaches höher sein als das, was den russischen Besatzungstruppen am 24. Februar 2022 (zu Beginn der Offensive gegen die Ukraine) zur VerfĂŒgung stand.»Â
Warnung vor drittem Weltkrieg und Kritik am Westen
Kremlchef Wladimir Putin könnten sich damit Möglichkeiten zum VorstoĂ nach Europa eröffnen, etwa durch den sogenannten Suwalki-Korridor, das Grenzgebiet zwischen Polen und Litauen, nach Kaliningrad. «Wenige Menschen sprechen davon, aber dieser Plan der russischen MilitĂ€rfĂŒhrung existierte schon 2022», sagte Kowalenko. Zu den russischen PlĂ€nen zu Angriffsbeginn 2022 gehörte auch der VorstoĂ im SĂŒden der Ukraine ĂŒber die Hafenstadt Odessa in Richtung Moldau.Â
Nach Kowalenkos Meinung könnte Europa durch eine erzwungene Waffenruhe in der Ukraine den Dritten Weltkrieg nur nĂ€her bringen. «Auf merkwĂŒrdige Weise versagt die Voraussicht der westlichen FĂŒhrer, und niemand sieht, was nach einem Jahr des 'Schweigens der Waffen' passieren kann», sagte Kowalenko. «Jeder Frieden mit einem unbesiegten Feind fĂŒhrt zu einem noch gröĂeren Krieg.»Â
Ăhnlich argumentieren russische Experten gegen eine Waffenruhe. Sie warnen davor, dass der Westen mit seinen Waffenlieferungen und der Ausbildung ukrainischer Soldaten Kiew noch stĂ€rker machen könne, um Moskau dann eine strategische Niederlage zuzufĂŒgen. Sie verweisen darauf, dass der Westen die vor gut zehn Jahren geschlossenen Minsker Friedensvereinbarungen eben zu einer militĂ€rischen StĂ€rkung der Ukraine genutzt habe. Die Ukraine betonte mehrfach, dass Russland auf eine Weise besiegt werden mĂŒsse, damit es nie wieder ein anderes Land angreifen könne.


