NachbarlÀnder: Eingreifen im Niger wÀre «KriegserklÀrung»
01.08.2023 - 01:51:13Nach dem Putsch im Niger haben die MilitÀrregierungen der beiden NachbarlÀnder Burkina Faso und Mali die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas vor einem Eingreifen gewarnt.
Jede militĂ€rische Intervention gegen Niger komme einer KriegserklĂ€rung gegen Burkina Faso und Mali gleich, hieĂ es in einer am Montag veröffentlichten gemeinsamen Mitteilung der beiden Ăbergangsregierungen. Ein militĂ€risches Eingreifen könnte katastrophale Folgen haben, die die gesamte Region destabilisieren könnten. Burkina Faso und Mali sind selbst Ecowas-Mitglieder, seit MilitĂ€rputschen in ihren LĂ€ndern jedoch aktuell suspendiert.
Frankreich will unterdessen seine BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bald aus dem Niger evakulieren. Die Aktion solle noch am Dienstag beginnen, hieĂe es aus dem französischen AuĂenministerium. Auch andere EuropĂ€er, die das Land verlassen wollten, könnten mitkommen.
Putschisten unter Druck
Ecowas hatte den Putschisten im Niger am Sonntag ein Ultimatum gestellt. Sollte der festgesetzte PrĂ€sident Mohamed Bazoum nicht binnen einer Woche freigelassen und wieder eingesetzt werden, werde Ecowas MaĂnahmen ergreifen, die den Einsatz von Gewalt beinhalten könnten, hieĂ es. Ecowas stellte sich damit auf die Seite des Westens und setze die Putschisten unter wachsenden Druck. Am Mittwoch hatten Offiziere von General Omar Tchianis Eliteeinheit den demokratisch gewĂ€hlten Bazoum fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Tchiani ernannte sich am Freitag selbst zum neuen Machthaber.
Auch in Mali und Burkina Faso hatte sich das MilitĂ€r an die Macht geputscht. Der Niger war das letzte der drei NachbarlĂ€nder in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewĂ€hlten Regierung gefĂŒhrt wurde. Erst Ende 2022 hatte die EU eine MilitĂ€rmission im Niger beschlossen, um den Terrorismus in der Region zu bekĂ€mpfen. Die Bundeswehr stellt fĂŒr diese EU-Mission bisher nur einige wenige Soldaten, die in Niamey sind.
Frankreich bereitet Evakuierung vor
Nach Angaben des französischen AuĂenministeriums befinden sich aktuell etwa 500 bis 600 französische StaatsbĂŒrger im Niger. Am Wochenende hatte es in der nigrischen Hauptstadt Niamey Pro-Putsch-Proteste gegeben. Berichten zufolge versammelten sich Demonstranten auch vor der französischen Botschaft. Einige sollen die Botschaftsplakette abgerissen, mit FĂŒĂen getreten und durch nigrische und russische Flaggen ersetzt haben. Paris hatte die Gewalt verurteilt.
In Berlin sollte um 13.00 Uhr erneut der Krisenstab der Bundesregierung ĂŒber die Lage im Niger beraten und eine aktuelle Bewertung der Sicherheitslage fĂŒr die knapp 100 deutschen Zivilisten in dem Land vornehmen. Erwartet wurde, dass ĂŒber das Angebot der Franzosen zur Mitnahme anderer StaatsbĂŒrger gesprochen wird. Frankreich kann mit Zustimmung der nigrischen Behörden mit mehreren Maschinen landen, obwohl der Flugbetrieb auf dem Flughafen Niamey bis Freitag untersagt ist. Deutschland hatte am Dienstag weiterhin keine eigenen PlĂ€ne fĂŒr eine Evakuierung aktiviert.
AuĂenministerin Annalena Baerbock dankte ihrer französischen Amtskollegin dafĂŒr, dass die Regierung in Paris auch deutsche Staatsangehörige aus Niger ausfliegen will. «Oberstes Gebot ist in dieser Stunde fĂŒr die Bundesregierung natĂŒrlich die Sicherheit der deutschen Staatsangehörigen im Land. Wie bereits bei vorherigen Krisen koordinieren wir uns dabei eng mit Frankreich und unseren anderen europĂ€ischen Partnern», hieĂ es in einer ErklĂ€rung von Baerbock, die am Dienstag vom AuswĂ€rtige Amt verbreitet wurde. Ein Sprecher erklĂ€rte weiter, das AuswĂ€rtige Amt rate grundsĂ€tzlich allen deutschen Staatsangehörigen in Niamey, das Angebot anzunehmen.
Konfliktregion Sahelzone
In der Mitteilung der Ăbergangsregierungen von Burkina Faso und Mali hieĂ es weiter, dass ein militĂ€risches Eingreifen der Ecowas den Austritt der beiden Staaten aus der Gemeinschaft nach sich ziehen wĂŒrde. DarĂŒber hinaus wĂŒrden «SelbstverteidigungsmaĂnahmen» zur UnterstĂŒtzung der nigrischen StreitkrĂ€fte und des nigrischen Volkes eingeleitet.
Die Sahelzone zieht sich vom Senegal im Westen bis nach Dschibuti im Osten. Sie leidet seit Jahren unter einer sich stĂ€ndig verschlechternden Sicherheitslage. Viele Milizen, die zum Teil dem Islamischen Staat (IS) oder der Terrororganisation Al-Kaida die Treue geschworen haben, verĂŒben regelmĂ€Ăig AnschlĂ€ge.


