Putsch, Ecowas

Niger: Ecowas-Staaten stellen Eingreiftruppe zusammen

10.08.2023 - 18:51:42

Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas stellt eine Eingreiftruppe fĂŒr einen Einsatz gegen die Putschisten im Niger zusammen. Viele Menschen in dem Land sorgen sich um die Lebensmittelknappheit.

Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hat ihre MilitĂ€rchefs angewiesen, «sofort» eine Eingreiftruppe fĂŒr einen möglichen Einsatz im Niger zusammenzustellen. Es gehe nach dem MilitĂ€rputsch in dem Land um die Wiederherstellung der verfassungsmĂ€ĂŸigen Ordnung, sagte Omar Touray, der PrĂ€sident der Ecowas-Kommission, nach einem Gipfel der Staatschefs in Nigerias Hauptstadt Abuja.

Die Staatengemeinschaft halte sich «alle Optionen» offen. Es habe aber PrioritĂ€t, die verfassungsmĂ€ĂŸige Ordnung mit friedlichen Mitteln wiederherzustellen, sagte er weiter.

Zuvor hatte auch der PrĂ€sident des regionalen Schwergewichts Nigeria, Bola Tinubu, in seiner Abschlussrede bei dem Gipfel erneut fĂŒr eine friedliche Lösung des Konflikts mit der MilitĂ€rjunta geworben. Gleichzeitig betonte er: «Keine Option wird vom Tisch genommen. Das gilt auch fĂŒr die Anwendung von Gewalt. Als letztes Mittel.»

Im Niger hatte das MilitĂ€r am 26. Juli die Macht ĂŒbernommen, die Verfassung ausgesetzt und den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum festgesetzt. Ecowas hatte am 30. Juli gegen den Niger Sanktionen verhĂ€ngt, von den Putschisten die Wiederherstellung der Verfassung gefordert und andernfalls mit Gewalt gedroht.

MilitÀrjunta beruft neues Ministerkabinett

Indessen hat die Junta im Niger eine Regierung aus MilitÀrs und Zivilisten gebildet. Das teilte ein Sprecher der neuen Machthaber im Nationalen Fernsehen mit. Demnach wurden 21 Ministerposten neu besetzt, die Bereiche Verteidigung und Sicherheit blieben dabei in militÀrischer Hand.

Neuer Verteidigungsminister ist laut der Mitteilung General Salifou Mody. Mody gilt als Nummer zwei im Niger nach De-facto-PrĂ€sident Tiani. Mody war bis 2019 MilitĂ€rattachĂ© an der nigrischen Botschaft in Berlin. Bereits in der Nacht zum Dienstag hatte die Junta den Ökonomen Ali Mahaman Lamine Zeine zum neuen Premierminister des Landes erklĂ€rt.

Hungerkrise im Niger verschÀrft sich

Gut zwei Wochen nach dem MilitĂ€rputsch nahm die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger ihre humanitĂ€re Hilfe im Niger wieder auf. «Die UnterernĂ€hrung von Kindern nimmt dramatisch zu», sagte Helene Mutschler, die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Aktion gegen den Hunger. Mehr als vier Millionen Menschen seien auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen, die meisten davon Frauen und Kinder. «Umso wichtiger ist es, dass unsere Teams im Niger die Hilfsmaßnahmen wieder vollstĂ€ndig aufnehmen können», so Mutschler.

Zuvor hatte der Leiter der Welthungerhilfe im Niger, Jameson Gadzirai, vor einer Lebensmittelkrise im dem westafrikanischen Land gewarnt. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Gadzirai am Donnerstag, die Preise fĂŒr einen 50-Kilogramm-Sack Reis seien infolge des Konflikts um fast 50 Prozent gestiegen, der Preis fĂŒr Öl um 20 Prozent.

@ dpa.de