Amnesty: Zahl der Hinrichtungen auf höchstem Stand seit 2015
29.05.2024 - 03:52:52 | dpa.de
Die Zahl der gerichtlichen Hinrichtungen ist laut Amnesty International im vergangenen Jahr mit mindestens 1153 auf den höchsten Wert seit 2015 gestiegen. Von den 16 LĂ€ndern, die Hinrichtungen vollzögen, seien nur wenige fĂŒr den extrem hohen Anstieg der Zahl verantwortlich, kritisiert die Menschenrechtsorganisation in ihrem Bericht zur weltweiten Anwendung der Todesstrafe.
So seien allein auf den Iran mit 853 fast drei Viertel aller registrierten Hinrichtungen entfallen - bei einem Anstieg um 48 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. FĂŒr 2022 hatte Amnesty insgesamt 883 Hinrichtungen in 20 LĂ€ndern registriert.Â
Auf Platz zwei nach dem Iran folgt in der Amnesty-Aufstellung fĂŒr 2023 Saudi-Arabien mit 172 Exekutionen (15 Prozent). Auch Somalia (38 Exekutionen) und die USA (24) hĂ€tten im vergangenen Jahr mehr Todesurteile vollstreckt, heiĂt es in dem Bericht. Die Zahl der weltweit neu verhĂ€ngten Todesurteile sei 2023 gegenĂŒber dem Vorjahr um 20 Prozent auf 2428 gestiegen.Â
Die Zahl der LĂ€nder, in denen Hinrichtungen durchgefĂŒhrt wurden, sank nach der Aufstellung auf den niedrigsten Stand, den die Organisation je verzeichnet habe. So seien in Belarus, Japan, Myanmar und SĂŒdsudan, die 2022 noch Todesurteile vollstreckt hĂ€tten, 2023 keine Hinrichtungen mehr erfasst worden. 144 LĂ€nder haben demnach die Todesstrafe per Gesetz (112 LĂ€nder) oder in der Praxis (32 LĂ€nder) abgeschafft.
Amnesty-GeneralsekretÀrin: Besorgniserregende Entwicklung
Die GeneralsekretĂ€rin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow, begrĂŒĂte es zwar, dass sich immer mehr LĂ€nder von der Todesstrafe verabschiedeten. Sehr besorgniserregend sei aber, dass ein paar wenige Staaten immer mehr Menschen hinrichten wĂŒrden. So hĂ€tten die iranischen Behörden 2023 eine grobe Missachtung menschlichen Lebens an den Tag gelegt.
Saudi-Arabien, das sich fĂŒr seine ReformbemĂŒhungen rĂŒhme, fĂ€lle Todesurteile teils aufgrund nichtiger Taten wie dem Absetzen von regierungskritischen Social-Media-Posts. Im Folgenden Amnesty-Erkenntnisse zu wichtigen LĂ€ndern:
Iran
Die Behörden im Iran hĂ€tten die Todesstrafe verstĂ€rkt eingesetzt, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und ihre Macht zu festigen. Die Zahl der Hinrichtungen sei gegenĂŒber 2022 (576) um 48 Prozent auf mindestens 853 gestiegen. UnverhĂ€ltnismĂ€Ăig oft hĂ€tten Hinrichtungen die ethnische Minderheit der Belutschen betroffen - auf sie entfielen demnach 20 Prozent der registrierten Hinrichtungen, obwohl sie nur etwa fĂŒnf Prozent der Bevölkerung ausmache.
Ăber 60 Prozent der dokumentierten Hinrichtungen im Iran seien fĂŒr Taten vollstreckt worden, die nach internationalem Recht nicht mit der Todesstrafe geahndet werden dĂŒrften, darunter vor allem Drogendelikte.Â
Saudi-Arabien
In Saudi-Arabien ist die Zahl der vollstreckten Todesurteile demnach um zwölf Prozent auf 172 gesunken. Darunter seien sechs Frauen gewesen. Das Land sei das einzige, das 2023 die Hinrichtungsmethode der Enthauptung angewendet habe. Todesurteile wĂŒrden nach unfairen Verfahren gefĂ€llt und «GestĂ€ndnisse» durch Folter erpresst. Im Juli sei Mohammad al-Ghamdi fĂŒr regierungskritische Social-Media-Posts zum Tode verurteilt worden.
USA
Amnesty-GeneralsekretĂ€rin Duchrow nannte es sehr bedenklich, dass sich einige US-Bundesstaaten zur Todesstrafe bekannten und «sogar eine neue grausame Hinrichtungsmethode» eingefĂŒhrt hĂ€tten. Dies setze sich fort: Im Januar sei Kenneth Smith im Bundesstaat Alabama durch die unerprobte Methode des Erstickens durch Stickstoffgas getötet worden, «14 Monate nachdem er einen verpfuschten Hinrichtungsversuch ĂŒberlebt hatte». Insgesamt sei die Zahl der Hinrichtungen von 18 auf 24 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. In den US-Bundesstaaten Idaho und Tennessee seien zudem GesetzentwĂŒrfe eingebracht worden, die Exekutionen durch ErschieĂungskommandos ermöglichen sollten.Â
Somalia und Subsahara-Afrika
In Somalia verzeichnet Amnesty mehr als eine Versechsfachung der Zahl der Hinrichtungen von 6 im Jahr 2022 auf 38 im vergangenen Jahr. In der Region Subsahara-Afrika registrierte die Menschenrechtsorganisation einen drastischen Anstieg der Todesurteile um 66 Prozent - von 298 FĂ€llen im Jahr 2022 auf 494 im vergangenen Jahr.
China
Amnesty International geht laut dem Bericht davon aus, dass China nach wie vor weltweit die meisten Menschen hinrichtet. Wegen der Geheimhaltung in dem Land enthalte der Bericht keine Angaben zu den laut Amnesty vermutlich Tausenden Menschen, die in China exekutiert worden seien.Â
Aus Ă€hnlichen GrĂŒnden könne man auch keine Zahlen zu Nordkorea und Vietnam vorlegen â bei beiden LĂ€ndern werde allerdings angenommen, dass sie in groĂem Umfang Menschen hinrichteten, heiĂt es weiter. Nordkorea habe ein neues Gesetz eingefĂŒhrt, das die Todesstrafe als mögliche Strafe fĂŒr jene vorsehe, die nicht Koreanisch verwenden wĂŒrden. Myanmar habe weiterhin in geheimen und unfairen Verfahren Todesurteile vor MilitĂ€rgerichten verhĂ€ngt.
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