UN-Woche startet mit Entwicklungsgipfel, Unruhe durch Moskau
18.09.2023 - 05:44:51Kurz vor dem Start der hochkarĂ€tig besetzten UN-Generaldebatte sorgt der Brief einer Staatengruppe um Russland fĂŒr Unruhe. In dem Schreiben vom gestrigen Sonntag kĂŒndigen die elf LĂ€nder eine Blockade mehrerer ErklĂ€rungen an, die von der Weltgemeinschaft wĂ€hrend der UN-Generaldebatte in dieser Woche angenommen werden sollten.
Dazu zÀhlt ein Text, mit dem heute die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bekrÀftigt werden sollten. UN-GeneralsekretÀr António Guterres hatte von einem «Quantensprung» zur Wiederbelebung der stark in Verzug geratenen Entwicklungsziele gesprochen.
Den der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief unterzeichneten neben Russland auch Belarus, Bolivien, Kuba, Nordkorea, Eritrea, der Iran, Nicaragua, Syrien, Venezuela und Simbabwe. Die LĂ€nder beklagen in dem Schreiben Sanktionen, denen Staaten unterlĂ€gen und deren Entwicklung schadeten. Bei den Verhandlungen zu den vier ErklĂ€rungen - die auch die Themen Pandemie-Vorsorge, Gesundheitsversorgung und den Kampf gegen Tuberkulose betreffen - seien «die berechtigten Anliegen einer groĂen Zahl von EntwicklungslĂ€ndern ignoriert» worden. Russland war wegen seines Einmarsches in die Ukraine mit einer Reihe von StrafmaĂnahmen belegt worden.
Selenskyj in New York erwartet
ZunĂ€chst blieb unklar, wie die anderen LĂ€nder auf den Brief reagieren werden und ob eine Annahme der ErklĂ€rungen in Gefahr ist. Bei dem Gipfel zu den UN-Nachhaltigkeitszielen wird heute auch Bundeskanzler Olaf Scholz sprechen. Der SPD-Politiker nimmt im zweiten Jahr in Folge an der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York teil, die am Dienstag startet und eine Woche dauert. Mit Spannung wird auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj erwartet, der ebenfalls heute in Manhattan ankommen dĂŒrfte.
Im Jahr 2015 hatten sich die Staaten der Welt mit den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen (SDG) zentrale VorsĂ€tze fĂŒr die globale Entwicklung gegeben, mit denen etwa Bildung verbessert oder Hunger und extreme Armut bis 2030 beendet werden sollen.
Doch die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und eine Schuldenkrise in armen LĂ€ndern haben das Erreichen der Ziele extrem zurĂŒckgeworfen: Wenn es so weitergeht wie bisher, werden im Jahr 2030 laut UN noch immer 575 Millionen Menschen in groĂer Armut und mehr als 600 Millionen in Hunger leben. Nur 15 Prozent aller formulierten VorsĂ€tze sind den UN zufolge auf Kurs.
Reform der globalen Finanzstruktur im Mittelpunkt
Der Nachhaltigkeitsgipfel ist auch die Halbzeitbilanz der SDG. Es wird erwartet, dass UN-Chef Guterres erneut einen Plan zu ihrer Rettung fordern wird. Im Zentrum steht die Reform der internationalen Finanzstruktur, so dass arme LĂ€nder an gĂŒnstigere Kredite und Zugang zu mehr Geld unter anderem von der Weltbank kommen können.
Die UN fordern einen SDG-Stimulus von mindestens 500 Milliarden US-Dollar jÀhrlich und eine Schuldenstruktur, die Zahlungsaussetzungen, lÀngere Kreditlaufzeiten und niedrigere Zinsen erlaubt. ZugestÀndnisse der Industrienationen scheinen vor dem Hintergrund möglich, dass der Westen mit China und Russland zunehmend um die Gunst der EntwicklungslÀnder buhlt.
Sicherheitsratssitzung am Mittwoch
Der Gipfel geht dem offiziellen Start der Generaldebatte der UN-Vollversammlung voraus, bei der von Dienstag an ĂŒber eine Woche lang mehr als 140 Staats- und Regierungschefs sprechen werden. PrĂ€sident Selenskyj dĂŒrfte die gröĂte Aufmerksamkeit auf sich ziehen - mit Spannung wird eine hochrangig besetzte Sicherheitsratssitzung am Mittwoch erwartet, wo er erstmals seit Kriegsbeginn auf den russischen AuĂenminister Sergej Lawrow treffen könnte. Selenskyj hatte vor dem Krieg im Jahr 2019 erstmals an einer UN-Generalversammlung in New York teilgenommen. Auch US-PrĂ€sident Joe Biden wird bei der Generaldebatte dabei sein.
Zehntausende fordern in New York Abkehr von fossilen Brennstoffen
Kurz vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen verlangten Zehntausende Menschen in New York eine schnelle Abkehr von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Ăl und Erdgas. Demonstranten forderten Biden gestern (Ortszeit) auf, mehr fĂŒr den Klimaschutz zu tun und den Klimanotstand auszurufen. Sie wiesen auf die groĂen BrĂ€nde, Ăberschwemmungen, StĂŒrme und Hitzewellen der letzten Monate hin. Ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr Biden hĂ€nge auch von stĂ€rkeren MaĂnahmen fĂŒr den Klimaschutz ab, erklĂ€rten Aktivisten.
Bidens Regierung hat ein ambitioniertes Klimagesetz durchgesetzt und arbeitet an der Umstellung des Landes auf Windkraft, Solarenergie und andere erneuerbare Energien. Aber sie erteilte auch Genehmigungen fĂŒr neue Ăl- und Gasbohrungen - was auch AnhĂ€nger verĂ€rgerte, die fordern, dass jedwede Förderung fossiler Brennstoffe blockiert wird.
Deutschland mit JubilÀum
Heute feiert Deutschland zudem sein JubilÀum bei den Vereinten Nationen. Vor genau 50 Jahren wurden die Bundesrepublik Deutschland und die DDR Teil der Weltorganisation. Zu diesem Anlass ist am Abend (Ortszeit) ein festlicher Empfang mit Hunderten GÀsten in der UN-Zentrale am East River geplant.
UN-GeneralsekretĂ€r Guterres hatte Deutschland zum Jahrestag als «Verfechter der Charta der Vereinten Nationen» gelobt. Er erklĂ€rte: «Wir zĂ€hlen auf Deutschland als wichtigen Partner bei unseren weltweiten BemĂŒhungen, eine gerechtere und friedlichere Zukunft fĂŒr die gesamte Menschheit aufzubauen.»







