PlÀne, Umsetzung

Erste PlĂ€ne fĂŒr Umsetzung von Trumps Wahlkampf-Versprechen

07.11.2024 - 15:45:39

Donald Trump hat die Wahl mit einer klaren Mehrheit gewonnen. Nun beginnen Vorbereitungen fĂŒr die MachtĂŒbernahme. Die Demokraten hingegen beschĂ€ftigt die Frage, was schiefgelaufen ist.

  • Die Wahlverliererin Harris rief ihre AnhĂ€nger auf, nicht den Mut zu verlieren. - Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa

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  • Trump bereitet sich auf den Wiedereinzug ins Weiße Haus vor.  - Foto: Evan Vucci/AP

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Die Wahlverliererin Harris rief ihre AnhĂ€nger auf, nicht den Mut zu verlieren. - Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpaTrump bereitet sich auf den Wiedereinzug ins Weiße Haus vor.  - Foto: Evan Vucci/AP

Nach dem Sieg bei der US-PrĂ€sidentenwahl bereitet sich Donald Trump auf die MachtĂŒbernahme im Januar vor. Er hatte im Wahlkampf unter anderem angekĂŒndigt, schnell in großem Stil Migranten aus den USA zu deportieren und den Krieg in der Ukraine rasch zu beenden. Jetzt mĂŒssen schnell PlĂ€ne entworfen werden, wie das umgesetzt werden soll.

Frontverlauf in der Ukraine könnte eingefroren werden

FĂŒr Europa sind vor allem Trumps Ukraine-PlĂ€ne von großem Interesse. Wie er den Krieg beenden will, ließ der neugewĂ€hlte PrĂ€sident stets offen. Aber dem «Wall Street Journal» zufolge gibt es erste VorschlĂ€ge in seinem Umfeld. Eine der Ideen sei, dass die Ukraine versprechen solle, mindestens 20 Jahre lang nicht der Nato beizutreten. Im Gegenzug wĂŒrden die USA das Land weiterhin mit Waffen versorgen. Zu dem Plan gehöre auch eine entmilitarisierte Zone entlang des Frontverlaufs, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. 

Der Kreml zeigte sich derweil offen fĂŒr ein Telefonat des russischen Staatschefs Wladimir Putin mit Trump. Dies mĂŒsse aber von der US-Seite initiiert werden, hieß es.

PlĂ€ne fĂŒr Abschiebungen

Nach ersten PlÀnen will sich Trumps Team zunÀchst darauf konzentrieren, massenhaft strafrechtlich auffÀllige Migranten ohne Papiere aus den USA abzuschieben, wie der Nachrichtensender CNN berichtete. Eine offene Frage dabei sei der Umgang mit Einwanderern, die als Kinder in die USA gekommen seien und sich inzwischen ein Leben in dem Land aufgebaut hÀtten. 

FĂŒr die Einrichtung von Abschiebezentren, in denen die Menschen sich bis zum Verlassen der USA aufhalten sollen, wolle sich Trumps Regierung auf private Unternehmen verlassen, hieß es. Sollten Trumps PlĂ€ne Wirklichkeit werden, mĂŒsste der Kongress dafĂŒr aber zunĂ€chst die nötigen Mittel genehmigen. 

Verfahren gegen Trump laufen wohl ins Nichts 

Der 78-JĂ€hrige und seine VerbĂŒndeten im Kongress wollen durchregieren - also schnell möglichst viel seines teils radikalen Programms durchdrĂŒcken. Auch die Justiz dĂŒrfte Trump dabei kaum noch in die Quere kommen: Sonderermittler Jack Smith prĂŒfe die Einstellung zweier laufender Verfahren nach Bundesrecht gegen Trump, berichteten mehrere US-Medien ĂŒbereinstimmend. 

Zudem wollten Trumps AnwĂ€lte beantragen, die auf den 26. November angesetzte VerkĂŒndung des Strafmaßes in Trumps New Yorker Verfahren abzusagen. Der designierte PrĂ€sident wurde in dem Prozess bereits wegen der Verschleierung von Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin schuldig gesprochen.

Harris gesteht Niederlage ein 

Trumps demokratische Kontrahentin, VizeprĂ€sidentin Kamala Harris, gestand ihre Niederlage ein und versprach, eine geordnete MachtĂŒbergabe sicherzustellen. «Wir mĂŒssen das Ergebnis dieser Wahl akzeptieren», sagte die 60-JĂ€hrige in der Hauptstadt Washington am Tag nach der Wahl. Das sei ein Grundprinzip der US-Demokratie und mache den Unterschied zu einer Monarchie oder Tyrannei aus. Sie habe Trump angerufen und ihm zum Sieg gratuliert, berichtete sie. 

Zugleich betonte Harris: «WĂ€hrend ich die Niederlage bei dieser Wahl einrĂ€ume, gebe ich nicht den Kampf verloren, der diese Wahlkampagne befeuert hat.» Sie rief ihre AnhĂ€nger auf, nicht zu verzagen oder den Mut zu verlieren. «Ich weiß, dass viele Menschen das GefĂŒhl haben, dass wir in eine dunkle Zeit eintreten.» Doch nur im Dunkeln seien Sterne zu sehen. 

Neues Kabinett

Hinter den Kulissen sollen bereits SondierungsgesprĂ€che fĂŒr Trumps neue Regierungsmannschaft begonnen haben. Es kursieren diverse Namen von schrillen Trump-VerbĂŒndeten, die wichtige Posten ĂŒbernehmen könnten - darunter der Tech-MilliardĂ€r Elon Musk, der umstrittene Ex-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, sowie der Impfgegner und zeitweilige PrĂ€sidentschaftskandidat Robert F. Kennedy. Der republikanische Senator Marco Rubio soll als neuer Außenminister im GesprĂ€ch sein. Trumps loyaler frĂŒherer Chefdiplomat Mike Pompeo soll fĂŒr das Verteidigungsressort im GesprĂ€ch sein. 

Eine Einladung des demokratischen Amtsinhabers Joe Biden ins Weiße Haus nahm Trump an. Das Treffen werde «bald» stattfinden, teilte ein Sprecher Trumps nach einem Telefonat zwischen dem amtierenden und dem designierten PrĂ€sidenten mit. 

Klarer Wahlsieg Trumps

Trump setzte sich klar gegen Harris durch und holte erstmals auch eine deutliche Mehrheit der landesweit abgegebenen Stimmen: Laut US-Medien bekam der Republikaner nach dem bisherigen AuszĂ€hlungsstand mindestens knapp 73 Millionen Stimmen. Harris erhielt demnach fast fĂŒnf Millionen Stimmen weniger, rund 68 Millionen. 

Der Ex-PrĂ€sident punktete im Wahlkampf mit Versprechen wie einer Halbierung der Energiekosten angesichts hoher Lebenshaltungskosten, die viele Menschen in den USA belasten. Zudem schĂŒrte er die Angst vor einer angeblichen Invasion krimineller Migranten. 

Trumps treueste Basis sind vor allem weiße MĂ€nner ohne UniversitĂ€tsabschluss. Doch er schnitt im Vergleich zur Niederlage gegen Biden vor vier Jahren bei fast allen WĂ€hlergruppen besser ab, insbesondere auch bei der wichtigen Minderheit der Latinos, auf deren Stimmen die Demokraten traditionell zĂ€hlen konnten. Selbst bei Schwarzen sicherte er sich mehr Stimmen als noch vor vier Jahren. Insgesamt war Trump bei MĂ€nnern beliebter als bei Frauen.

Senatsmehrheit fĂŒr Trumps Republikaner

Die Republikaner konnten den Demokraten bei der Abstimmung am Dienstag auch die Mehrheit im US-Senat abnehmen. Sie halten bereits 52 der 100 Sitze - und es könnten noch ein paar mehr werden. In der anderen Parlamentskammer, dem ReprÀsentantenhaus, war zunÀchst weiter unklar, ob die Republikaner ihre Mehrheit dort verteidigen können. Die AuszÀhlung könnte noch mehrere Tage dauern. Falls ihnen dies gelingen sollte, wÀre Trump in einer noch machtvolleren Position, weil er dann quasi ungehindert durchregieren könnte. 

Der weitere Fahrplan

Die Ergebnisse der PrĂ€sidentschaftswahl mĂŒssen in den Bundesstaaten zunĂ€chst noch bis zur letzten Stimme ausgezĂ€hlt und zertifiziert werden. Bis zum 11. Dezember muss das offizielle Ergebnis feststehen. Am 17. Dezember kommen dann die Wahlleute in den Bundesstaaten zur Abstimmung zusammen. Am 3. Januar tagt der neu gewĂ€hlte Kongress zum ersten Mal.

Am 6. Januar kommen dann ReprĂ€sentantenhaus und Senat gemeinsam zusammen, um das Wahlergebnis formal zu bestĂ€tigen. Den Vorsitz in dieser Sitzung ĂŒbernimmt die amtierende VizeprĂ€sidentin, also Harris. Nach der Wahl 2020 war es bei dieser Sitzung zum Sturm auf das Kapitol durch Trumps AnhĂ€nger gekommen.

Am 20. Januar steht schließlich die offizielle MachtĂŒbergabe an: Der neue PrĂ€sident wird in einer feierlichen Zeremonie am Kapitol vereidigt. Die neue Regierung nimmt im Anschluss sofort ihre Arbeit auf.

@ dpa.de