Donald Trump, Anklage

Trump erneut angeklagt: Wahleinmischung in Georgia

15.08.2023 - 15:18:08

Donald Trump hat mit einer Anklage nach der anderen zu kĂ€mpfen. In schwindelerregendem Tempo wird der Berg juristischer Probleme fĂŒr den Republikaner grĂ¶ĂŸer.

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump ist mit einer neuen umfangreichen Anklage im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug konfrontiert. Die Anklage im US-Bundesstaat Georgia ist die insgesamt vierte gegen den Republikaner wegen einer Straftat.

Trump werden mehrere Anklagepunkte zur Last gelegt. Darunter ist ein Tatbestand, der ĂŒblicherweise bei FĂ€llen organisierter KriminalitĂ€t oder Mafia-Prozessen zum Einsatz kommt. Besonders heikel ist die Anklage auch, weil Trump sich nicht selbst begnadigen könnte, sollte er noch einmal PrĂ€sident werden. Neben ihm mĂŒssen sich 18 weitere Personen vor Gericht verantworten - dazu gehören Trumps ehemaliger Anwalt Rudy Giuliani und Mark Meadows, sein frĂŒherer Stabschef im Weißen Haus.

Die neue Anklageschrift

Ein Geschworenengremium entschied am Montagabend (Ortszeit) in Atlanta, dass sich Trump vor Gericht verantworten soll wegen seiner Versuche, den Ausgang der PrÀsidentenwahl 2020 in Georgia zu beeinflussen. Die zustÀndige StaatsanwÀltin Fani Willis hat Trump und den anderen Beschuldigten eine Frist bis zum 25. August gesetzt, sich beim Gericht zu melden.

Die neue fast hundert Seiten lange Anklageschrift enthĂ€lt umfangreiche Anschuldigungen gegen den Ex-PrĂ€sidenten. Im Detail wird Trump und Komplizen vorgeworfen, öffentliche AmtstrĂ€ger gedrĂ€ngt zu haben, ihren Amtseid zu verletzen. Dem Republikaner werden außerdem Falschaussagen und die Einreichung falscher Unterlagen vorgeworfen. Insgesamt listet die Anklageschrift 19 Anklagepunkte in 41 FĂ€llen gegen die 19 Beschuldigten.

Trump kĂŒndigt Pressekonferenz an

Trump kĂŒndigte nach der Anklage eine Pressekonferenz fĂŒr kommende Woche an. Bei der Veranstaltung in seinem Golfclub in Bedminster am Montag um 11.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MESZ) wolle er einen «großen, komplexen, detaillierten, aber unwiderlegbaren Bericht ĂŒber den Wahlbetrug» in Georgia vorstellen. Das teilte er auf der von ihm mitgegrĂŒndeten Plattform Truth Social mit. Basierend auf den Ergebnissen dieses Berichts «sollten alle Anklagen gegen mich und andere fallen gelassen werden». Der Bericht werde ihn entlasten.

Besonders heikel ist ein Straftatbestand aus dem sogenannten Rico-Gesetz. Damit ist es der Anklage möglich, gegen mehrere Angeklagte gleichzeitig als Teil einer kriminellen Vereinigung vorzugehen. Das Gesetz wurde ursprĂŒnglich erlassen, um gegen Schutzgelderpressung der Mafia vorzugehen. Es drohen lange Haftstrafen. In der Anklageschrift werden auch weitere Personen erwĂ€hnt, die sich an dem Komplott beteiligt haben sollen.

Die zustĂ€ndige StaatsanwĂ€ltin Fani Willis sagte, all deren BemĂŒhungen hĂ€tten das «illegale Ziel» gehabt, Trump zu helfen, eine weitere Amtszeit als PrĂ€sident an sich zu reißen. Der frĂŒhere PrĂ€sident und die weiteren Angeklagten hĂ€tten sich «wissentlich und vorsĂ€tzlich an einer Verschwörung zur rechtswidrigen Änderung des Wahlergebnisses zugunsten von Trump» beteiligt.

Der Fall in Georgia wird nicht auf Bundes-, sondern auf Bundesstaaten-Ebene verhandelt. Wichtig ist das, weil Trump sich bei einer Verurteilung auch im Falle eines Wahlsiegs nicht selbst begnadigen könnte. In den FÀllen nach Bundesrecht könnte dies möglich sein.

Trump weist VorwĂŒrfe von sich

Zuvor war Trump bereits auf Bundesebene wegen seines Feldzuges gegen die eigene Niederlage bei der Wahl 2020 angeklagt worden. Dass ein Ex-PrĂ€sident wegen einer Straftat vor Gericht kommt, hat es in der Geschichte der USA vor Trump noch nie gegeben. Der Republikaner, der bei der PrĂ€sidentenwahl 2024 erneut antreten will, weist alle VorwĂŒrfe zurĂŒck und wertet jede Strafverfolgung gegen ihn als Versuch seiner Gegner, ihn an einem Wiedereinzug ins Weiße Haus zu hindern.

Trump wies auch die neuen VorwĂŒrfe als «Hexenjagd» zurĂŒck. Trumps AnwĂ€lte nannten die Anklageschrift «fehlerhaft und verfassungswidrig». UnterstĂŒtzung bekommt der 77-JĂ€hrige aus seiner Partei. «Die Amerikaner durchschauen diesen verzweifelten Schwindel», erklĂ€rte der Vorsitzende des US-ReprĂ€sentantenhauses, Kevin McCarthy. Die Abgeordnete Elise Stefanik aus dem FĂŒhrungszirkel der Partei warf der Justiz vor, sich in den Wahlkampf einzumischen.

Eine unerwartete Reaktion gab es auch von Hillary Clinton. Die Demokratin verlor bei der PrĂ€sidentenwahl 2016 gegen Trump - die beiden gelten als Intimfeinde. Clinton war am Montagabend, als die Anklage bekannt wurde, zu Gast in einer TV-Show. «Es ist ein schrecklicher Moment fĂŒr unser Land, dass ein ehemaliger PrĂ€sident wegen dieser schrecklichen Verbrechen angeklagt wird», sagte sie.

Der Feldzug gegen den Wahlausgang

Trump hatte die PrĂ€sidentenwahl 2020 gegen den Demokraten Joe Biden verloren. Er weigert sich aber, seine Niederlage einzugestehen. Der 77-JĂ€hrige behauptet unbeirrt, er sei durch massiven Wahlbetrug um einen Sieg gebracht worden. Weder Trump noch seine AnwĂ€lte haben Beweise fĂŒr diese Behauptungen vorgelegt. Trumps Kampagne gegen den Wahlausgang gipfelte am 6. Januar 2021 in einem Sturm seiner AnhĂ€nger auf das Kapitol in Washington. Der Mob versuchte mit dem Gewaltausbruch, die formale BestĂ€tigung von Bidens Wahlsieg im Parlament zu verhindern. Mehrere Menschen kamen ums Leben.

Georgia hatte zu den Bundesstaaten gehört, die fĂŒr den Wahlausgang 2020 eine SchlĂŒsselrolle spielten. Biden gewann in dem Bundesstaat damals nur ganz knapp mit etwa 12.000 Stimmen Vorsprung. Trump bemĂŒhte sich, seine Wahlniederlage dort - wie auch in anderen Bundesstaaten - nachtrĂ€glich noch Ă€ndern zu lassen. Unter anderem rief Trump damals in einem einstĂŒndigen Telefonat den obersten Wahlaufseher Georgias, seinen republikanischen Parteikollegen Brad Raffensperger, unverblĂŒmt dazu auf, genĂŒgend Stimmen fĂŒr ihn «zu finden», um das Ergebnis «nachzuberechnen» und zu drehen. Von dem berĂŒchtigten TelefongesprĂ€ch gelangte spĂ€ter ein Mitschnitt an die Öffentlichkeit.

Die Serie an Prozessen fĂŒr Trump

Wegen dieser und anderer Einflussversuche, die publik wurden, hatte StaatsanwÀltin Willis in Fulton County in Georgia 2021 Ermittlungen eingeleitet. Trump wird in den kommenden Monaten - mitten im Wahlkampf - gleich vier Prozesse zu bestreiten haben. In den vergangenen Monaten war bereits in drei anderen FÀllen in New York, Miami und Washington Anklage gegen den Republikaner erhoben worden. Der New Yorker Fall steht im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen. Der Fall in Miami dreht sich um die Aufbewahrung von streng geheimen Regierungsunterlagen in Trumps Privatanwesen. In Washington wiederum geht es ebenfalls um die Wahl 2020 - um versuchten Wahlbetrug und den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021.

Keiner dieser FĂ€lle und keine mögliche Verurteilung schließt aus, dass Trump 2024 als PrĂ€sidentschaftskandidat antritt oder PrĂ€sident wird. Der Fall in Georgia wird aber nicht auf Bundes-, sondern auf Bundesstaaten-Ebene verhandelt, damit könnte er sich bei einer Verurteilung auch im Falle eines Wahlsiegs nicht selbst begnadigen. In den FĂ€llen nach Bundesrecht könnte dies möglich sein. Auch mit einem Sieg in Georgia hĂ€tte Trump die Wahl 2020 zwar nicht gewonnen. Allerdings bemĂŒhte er sich damals zeitgleich in mehreren Bundesstaaten darum, die dortigen Ergebnisse zu kippen - und so in Summe genĂŒgend Stimmen fĂŒr den Einzug ins Weiße Haus zu sammeln.

@ dpa.de