Kuba, USA

USA verschÀrfen Druck auf Kuba mit Klage gegen Ex-Staatschef

21.05.2026 - 02:33:59 | dpa.de

Donald Trumps Regierung lĂ€sst Kubas Ex-PrĂ€sidenten in die USA zitieren - freiwillig oder «auf andere Weise». Havanna wittert hinter der Anklage gegen RaĂșl Castro einen Vorwand.

  • Der amtierende US-Justizminister Blanche stellte die Klage gegen Kubas Ex-Staatschef vor.  - Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpa
    Der amtierende US-Justizminister Blanche stellte die Klage gegen Kubas Ex-Staatschef vor. - Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpa
  • RaĂșl Castro war Verteidigungsminister, als Flugzeuge einer exilkubanischen Organisation abgeschossen wurden. (Archivbild) - Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa
    RaĂșl Castro war Verteidigungsminister, als Flugzeuge einer exilkubanischen Organisation abgeschossen wurden. (Archivbild) - Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa
Der amtierende US-Justizminister Blanche stellte die Klage gegen Kubas Ex-Staatschef vor.  - Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpa RaĂșl Castro war Verteidigungsminister, als Flugzeuge einer exilkubanischen Organisation abgeschossen wurden. (Archivbild) - Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa

Die USA erhöhen mit einer Klage gegen den ehemaligen kubanischen Staatschef RaĂșl Castro den Druck auf den sozialistisch regierten Karibikstaat. Der amtierende US-Justizminister Todd Blanche stellte am Mittwoch eine Anklage gegen den 94-JĂ€hrigen vor. Darin wird Castro vorgeworfen, maßgeblich in den Abschuss mehrerer Kleinflugzeuge durch Kubas Luftwaffe im Jahr 1996 verwickelt gewesen zu sein, bei dem auch drei US-Amerikaner starben. Die Regierung in Havanna verurteilte die US-Klage aufs SchĂ€rfte und sprach von einer illegalen, politisch motivierten Aktion. Sie sieht darin einen Vorwand fĂŒr mögliche militĂ€rische Maßnahmen gegen Kuba. 

Die Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump setzt Kuba seit Monaten stark unter Druck, verhĂ€ngte Sanktionen und drohte sogar mit einer Übernahme des Inselstaats. Nun dĂŒrften sich die Spannungen zwischen Washington und Havanna noch einmal erheblich verschĂ€rfen.

Was RaĂșl Castro vorgeworfen wird

RaĂșl Castro werden in der Klage unter anderem vier Morde zur Last gelegt sowie die Zerstörung mehrerer Flugzeuge. Blanche zufolge soll er vor 30 Jahren als damaliger Verteidigungsminister fĂŒr eine Befehlskette verantwortlich gewesen sein, die dazu fĂŒhrte, dass kubanische Kampfflugzeuge ĂŒber internationalen GewĂ€ssern auf die beiden zivilen Cessna-Maschinen schossen.

Neben RaĂșl Castro sind noch fĂŒnf weitere Personen wegen verschiedener Vergehen angeklagt, die laut der Anklageschrift damals kubanische MilitĂ€rpiloten waren. ZustĂ€ndig fĂŒr den Fall ist ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Florida.

Blanche betonte, dass RaĂșl Castro fĂŒr seinen Prozess in die USA kommen solle - egal wie. «Wir erwarten, dass er sich entweder freiwillig oder auf andere Weise hier einfinden wird», sagte er in Miami. NĂ€here Angaben dazu machte er nicht. 

Erinnerungen an Umgang mit Maduro

Die US-Klage gegen Castro weckt Erinnerungen an das Vorgehen der Vereinigten Staaten gegen Venezuelas - inzwischen entmachteten - Staatschef NicolĂĄs Maduro. Trumps Regierung rechtfertigte den MilitĂ€reinsatz in dem sĂŒdamerikanischen Land und die Gefangennahme Maduros durch US-Spezialeinheiten Anfang des Jahres unter anderem mit einer Anklage gegen den Autokraten. Ihm soll in New York wegen angeblicher Verwicklung in DrogengeschĂ€fte der Prozess gemacht werden. Maduro bestreitet die VorwĂŒrfe.

In US-Medien kamen allerdings verschiedene Experten zu Wort, die einen Ă€hnlichen Angriff des US-MilitĂ€rs wie in Venezuela im Falle Kubas fĂŒr unwahrscheinlich hielten. Sie werteten die Anklage als starkes Signal und psychologisches Druckmittel, um Angst im kubanischen Machtapparat zu schĂŒren.

Denn obwohl RaĂșl Castro 2018 das PrĂ€sidentenamt und 2021 den Vorsitz der Kommunistischen Partei abgab, ist er als jĂŒngerer Bruder des in Kuba legendĂ€ren RevolutionsfĂŒhrers Fidel Castro und einer der letzten Vertreter der Generation der RevolutionĂ€re immer noch einflussreich. Er gilt als hinter den Kulissen agierende SchlĂŒsselfigur in der kommunistischen Regierung von PrĂ€sident Miguel DĂ­az-Canel und ist als Ex-Verteidigungsminister bestens vernetzt im mĂ€chtigen MilitĂ€r.

Kubas PrÀsident Díaz-Canel: «Politische Aktion»

Díaz-Canel reagierte mit Kritik und einem Gegenvorwurf auf die US-Klage: «Es handelt sich um eine politische Aktion ohne jegliche rechtliche Grundlage, die lediglich darauf abzielt, einen Vorwand zu schaffen, um den Irrsinn einer militÀrischen Aggression gegen Kuba zu rechtfertigen», schrieb er auf der Plattform X. 

Der Fall, um den es geht

Die kubanische Luftwaffe hatte 1996 zwei Flugzeuge der damals noch aktiven, in Miami ansĂ€ssigen exilkubanischen Organisation «Hermanos al Rescate» (BrĂŒder zur Rettung) bei einem Flug vor Kubas KĂŒste abgeschossen. Dabei starben vier Menschen, drei davon US-BĂŒrger. 

Nach Darstellung der Regierung in Havanna waren die Flugzeuge damals in den kubanischen Luftraum eingedrungen. Die Internationale Organisation fĂŒr Zivilluftfahrt kam hingegen zu dem Schluss, dass sie sich ĂŒber internationalen GewĂ€ssern befanden. In einer Mitteilung aus Havanna hieß es nun, die USA hĂ€tten weder die LegitimitĂ€t noch die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr eine Anklage. 

Vor dem Vorfall 1996 will sich Kuba mehrmals formell ĂŒber mindestens 25 Verletzungen seines Luftraums innerhalb von zwei Jahren durch die Organisation beschwert haben. Die US-Regierung habe jedoch nichts dagegen unternommen. Diese UntĂ€tigkeit habe ihre «Komplizenschaft bei der Planung und DurchfĂŒhrung gewalttĂ€tiger, illegaler und terroristischer Aktionen» gegen Kuba deutlich gemacht. 

Die Kuba-Politik von Trump und Rubio

Die Beziehungen zwischen beiden LĂ€ndern sind seit der kubanischen Revolution 1959 angespannt. Mit dem Beginn der zweiten Amtszeit Trumps hat sich die Lage nochmals verschĂ€rft: Seine Regierung erhöht seit Monaten den Druck, um in Kuba einen wirtschaftlichen und politischen Wandel im Interesse der USA zu erzwingen. Trump brachte dabei mehrfach auch eine Übernahme Kubas ins Spiel. Auch sein Außenminister Marco Rubio, Sohn kubanischer Einwanderer, hofft seit langem auf einen Machtwechsel in Kuba.

Auf die Frage einer Journalistin, was mit Blick auf Kuba als NĂ€chstes komme, ging Trump am Mittwoch nicht konkret ein. Er sagte: «Wir befreien Kuba», betonte auf Nachfrage aber auch, dass es keine Eskalation geben werde. «Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Sehen Sie, der Ort fĂ€llt auseinander. Es ist ein Chaos», sagte der US-PrĂ€sident. «Sie haben wirklich die Kontrolle ĂŒber Kuba verloren.»

Zwischen Washington und Havanna laufen seit einigen Monaten GesprĂ€che, ĂŒber deren Inhalt bislang nichts nach außen gedrungen ist. Medienberichten zufolge soll ein Enkel von RaĂșl Castro dabei eine zentrale Rolle spielen. RaĂșl Guillermo RodrĂ­guez Castro gilt als der engste Vertraute seines Großvaters.

Kuba leidet unter der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. VerschĂ€rft wird die Lage durch massive Energieknappheit, weil die US-Regierung seit Januar eine Ölblockade gegen den Inselstaat verhĂ€ngt hat. Immer wieder fĂ€llt dort stundenlang und mitunter auch landesweit der Strom aus, es mangelt an Treibstoff, Lebensmitteln und vielen anderen Dingen des tĂ€glichen Bedarfs.

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