Trump auf der Anklagebank: Ex-PrÀsident beteuert Unschuld
04.08.2023 - 08:14:15 | dpa.deNach einer beispiellosen Anklage rund um versuchten Wahlbetrug hat der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump vor Gericht seine Unschuld beteuert. Der republikanische PrĂ€sidentschaftsbewerber plĂ€dierte am Donnerstag (Ortszeit) bei der formalen Vorstellung der Anklage vor einer Richterin in Washington auf «nicht schuldig». Trump wertete die Strafverfolgung gegen ihn einmal mehr als politisch motiviertes Manöver.
Der 77-JĂ€hrige ist der erste Ex-PrĂ€sident in der US-Geschichte, der sich wegen mutmaĂlicher Straftaten vor Gericht verantworten muss. Die Anschuldigungen um Trumps Rolle nach der Wahl 2020 sind die schwersten gegen ihn. Im Fall einer Verurteilung könnte ihm eine jahrzehntelange Haftstrafe drohen. Experten zufolge wĂŒrde eine Verurteilung Trump rechtlich nicht davon abhalten, bei der Wahl im November 2024 anzutreten, zumal es höchst fraglich ist, ob bis dahin ĂŒberhaupt ein rechtskrĂ€ftiges Urteil vorliegen wird. Auch in zwei anderen FĂ€llen wurde er bereits angeklagt.
In der 45-seitigen Anklageschrift werden Trump vier formale Anklagepunkte zur Last gelegt, darunter Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten. Erstmals geht es um mutmaĂliche Straftaten wĂ€hrend seiner Amtszeit im WeiĂen Haus. Im Zentrum stehen dabei seine Versuche, die eigene Niederlage bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 gegen den Demokraten Joe Biden nachtrĂ€glich umzukehren. Trumps Kampagne gegen das Wahlergebnis gipfelte in einem nie dagewesenen Angriff seiner AnhĂ€nger auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021.
NĂ€chster Termin Ende August
In unmittelbarer NĂ€he des damaligen Tatorts, nur wenige Hundert Meter vom Kapitol entfernt, wurde Trump am Donnerstag in Washington vor Gericht mit den rechtlichen VorwĂŒrfen gegen ihn konfrontiert. Bereits Ende August soll der nĂ€chste Termin in dem Fall folgen. Die Richterin setzte die erste Anhörung nach der Anklageverlesung fĂŒr den 28. August an. Trumps Anwesenheit sei dafĂŒr nicht notwendig, hieĂ es. Dort soll ĂŒber das weitere Prozedere entschieden werden, und damit möglicherweise auch ĂŒber den Termin fĂŒr einen Prozessauftakt.
Die neue Anklage ist bereits die zweite auf Bundesebene gegen Trump und insgesamt die dritte. In den anderen FĂ€llen geht es um Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar vor der Wahl 2016 und die unrechtmĂ€Ăige Aufbewahrung streng geheimer Regierungsdokumente nach dem Ende seiner Amtszeit. Eine vierte Anklage könnte Trump demnĂ€chst womöglich im Bundesstaat Georgia drohen, ebenfalls wegen seiner Rolle nach der PrĂ€sidentenwahl 2020.
Unmittelbar nach der Gerichtssitzung am Donnerstag, die nicht einmal eine halbe Stunde dauerte, reiste Trump wieder aus Washington ab, nach Bedminster im Bundesstaat New Jersey, zu einem seiner Golfclubs. Er beklagte sich einmal mehr bitterlich ĂŒber die Strafverfolgung gegen ihn. «Das ist die Verfolgung eines politischen Gegners», sagte er kurz vor seiner Abreise.
Trump in Umfragen unter Republikanern an der Spitze
«Das hĂ€tte in Amerika nie passieren dĂŒrfen», so Trump. Aus seiner Sicht wird er nur deswegen strafrechtlich verfolgt, weil er im Feld der republikanischen PrĂ€sidentschaftsbewerber weit vorne liegt. In Umfragen rangiert der Republikaner im Rennen mit parteiinternen Konkurrenten klar an der Spitze. Trump wertet generell jedes juristische Vorgehen gegen ihn als Versuch seiner Gegner, ihn an einem Wiedereinzug ins WeiĂe Haus zu hindern.
Der zustĂ€ndige Sonderermittler Jack Smith hatte die denkwĂŒrdige Anklage gegen den ehemaligen PrĂ€sidenten am Dienstag bekanntgegeben. Trump wird beschuldigt, eine Verschwörung orchestriert zu haben, um die Vereinigten Staaten zu betrĂŒgen, WĂ€hlern ihr Wahlrecht zu entziehen und ein offizielles Verfahren zu behindern. In der Anklageschrift wird Trump vorgeworfen, er habe trotz besseren Wissens falsche Behauptungen ĂŒber die Wahl verbreitet und dafĂŒr auch Personen im Justizministerium instrumentalisiert. Trump habe dabei sehr wohl gewusst, dass seine Betrugsbehauptungen nicht wahr seien.
In der Anklageschrift sind sechs Komplizen aufgefĂŒhrt, wenn auch nicht namentlich genannt. Sie sollen an der Verschwörung beteiligt gewesen sein. Es handelt sich um vier AnwĂ€lte, einen Mitarbeiter der Justiz und einen politischen Berater.
Trump hatte die PrĂ€sidentenwahl 2020 gegen Biden verloren. Er gestand seine Niederlage aber nie ein, sondern verbreitet seitdem unbeirrt falsche Behauptungen, er sei durch Wahlbetrug um einen Sieg gebracht worden. Trump und sein Umfeld versuchten damals auf diversen Wegen, das Ergebnis nachtrĂ€glich zu kippen - unter anderem durch Druck auf Politiker im Bund und in mehreren Bundesstaaten. Vor Gericht wurden Trumps Behauptungen dutzendfach zurĂŒckgewiesen.
Der Feldzug gegen den Wahlausgang fand seinen Höhepunkt schlieĂlich am 6. Januar 2021 in einem Gewaltausbruch. An jenem Tag erstĂŒrmten AnhĂ€nger Trumps den Sitz des US-Kongresses, wo Bidens Wahlsieg formal bestĂ€tigt werden sollte. Trump hatte seine UnterstĂŒtzer in einer Rede kurz zuvor einmal mehr mit der Behauptung angestachelt, dass er durch massiven Wahlbetrug um einen Sieg gebracht worden sei. Mehrere Menschen starben als Folge der Krawalle.
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