Europa, EU

Von der Leyen wieder mit Misstrauensvotum konfrontiert

14.01.2026 - 17:18:05

Drei Mal hat Ursula von der Leyens Kommission bereits Attacken durch MisstrauensantrÀge standgehalten. Die Misstrauensvoten drohen zur Routine zu werden.

Die EU-Kommission unter FĂŒhrung von Ursula von der Leyen muss sich erneut einem Misstrauensvotum im EuropĂ€ischen Parlament stellen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unterrichtete ParlamentsprĂ€sidentin Roberta Metsola darĂŒber die Fraktionsvorsitzenden. Die Debatte und Abstimmung wird demnach bei der Parlamentssitzung in der kommenden Woche in Straßburg stattfinden. Es ist der vierte Misstrauensantrag gegen von der Leyen und ihr Team innerhalb von rund einem halben Jahr. Davor hatte es zuletzt 2014 einen Misstrauensantrag gegen die Kommission gegeben. 

Eingereicht hatte den Antrag die rechte «Patrioten fĂŒr Europa»-Fraktion (PfE), die von der Leyen und ihr Team vor allem fĂŒr das Handelsabkommen mit den sĂŒdamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay kritisiert. Zu ihr gehören unter anderem die Abgeordneten der französischen Partei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen sowie die der Partei des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban.

Vorherige MisstrauensantrÀge scheiterten deutlich

Damit ein Misstrauensantrag im EU-Parlament debattiert und zur Abstimmung gestellt wird, muss ihn mindestens ein Zehntel der aktuell 719 Abgeordneten unterstĂŒtzen. FĂŒr die Annahme brĂ€uchte es allerdings eine Zweidrittelmehrheit, die aller Voraussicht nach nicht zustande kommen wird. 

Der vorherige PfE-Antrag scheiterte bei der Abstimmung im Oktober deutlich: 378 Abgeordnete stimmten dagegen, 179 dafĂŒr. Allerdings votierten dabei auch erstmals Abgeordnete der christdemokratischen EVP, zu deren Parteienfamilie von der Leyen als CDU-Politikerin gehört, gegen sie und ihr Gremium.

Rechte bemÀngeln Missachtung von Parlamenten

Die PfE kritisierte in einer Mitteilung zu dem Antrag die «eklatante Missachtung des EuropĂ€ischen Parlaments, der nationalen Parlamente und von Millionen europĂ€ischer Landwirte» beim Abschluss des Mercosur-Abkommens. Das Abkommen stelle einen direkten Angriff auf die europĂ€ische ErnĂ€hrungssicherheit und -souverĂ€nitĂ€t dar. Es öffne MĂ€rkte fĂŒr Produkte, die europĂ€ische Standards nicht erfĂŒllten, hieß es. Die von der Kommission vorgeschlagenen Schutzklauseln böten keinen echten Schutz, bemĂ€ngelte die Fraktion. Bereits im September hatte sie einen Misstrauensantrag gegen die EU-Kommission gestellt und Ă€hnlich lautende Kritik geĂŒbt.

Zumindest die Unterzeichnung des Abkommens wird das Misstrauensvotum allerdings nicht mehr verhindern. Sie soll bereits an diesem Samstag in Paraguay erfolgen. Von der Leyen und EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa reisen dazu in das sĂŒdamerikanische Land. 

Abgeordnete im EU-Parlament hatten befĂŒrchtet, dass das Abkommen in Kraft treten könnte, bevor das Parlament darĂŒber abstimmt - was noch aussteht. Diese Sorge wehrte ein Kommissionssprecher ab. Er betonte, dass keine Entscheidung ĂŒber eine vorlĂ€ufige Anwendung des Abkommens getroffen worden sei.

MisstrauensantrÀge nur gegen gesamte Kommission

MisstrauensantrĂ€ge können nur gegen die gesamte Kommission gestellt werden. Im Erfolgsfall mĂŒsste sie geschlossen zurĂŒcktreten. Die Kommission ĂŒberstand im Oktober auch einen Misstrauensantrag der Linkenfraktion, unter anderem wegen des US-Zollabkommens der EU und dem Umgang mit der humanitĂ€ren Katastrophe im Gazastreifen. Auch ein erstes Misstrauensvotum im Juli gegen sie scheiterte.

Die MisstrauensantrĂ€ge von rechts hatten die Abgeordneten des RN initiiert. Deren Vorsitzender Jordan Bardella, der gleichzeitig die PfE-Fraktion anfĂŒhrt, gilt als politischer Ziehsohn von Marine Le Pen und hat Aussichten, der nĂ€chste französische PrĂ€sident oder Premierminister zu werden. Der EVP-Vorsitzende Manfred Weber (CSU) warf Bardella im Oktober vor, mit dem Misstrauensantrag eine Kampagne fĂŒr den französischen Wahlkampf zu fĂŒhren.

Auch Misstrauensvotum gegen französische Regierung

Der rechtsnationale RN initiierte wegen des Mercosur-Abkommens auch ein Misstrauensvotum gegen die Regierung in Frankreich, das diese ĂŒberstand. Bardella hatte kritisiert, dass die Interessen Frankreichs nicht ausreichend vertreten worden seien - ungeachtet der Tatsache, dass Frankreich bei der EU-Abstimmung gegen den Deal gestimmt hatte.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

VW und Stellantis: «Made in Europe» soll Branche stĂ€rken Mehr Jobs, mehr Innovation: VW und Stellantis wollen mit einem EU-Label die Autoindustrie fit fĂŒr die Zukunft machen. (Wirtschaft, 05.02.2026 - 00:10) weiterlesen...

EU-Kommission nimmt chinesische Windkraftfirma ins Visier BrĂŒssel prĂŒft den chinesischen Hersteller Goldwind: Haben Subventionen aus China den Wettbewerb in der EU bei Windturbinen verzerrt? (Wirtschaft, 03.02.2026 - 12:04) weiterlesen...

EU-Kommissar will «Made in Europe» etablieren. Wer öffentliche Gelder will, muss zur europÀischen Produktion beitragen, so die Forderung. Wie das in der Wirtschaft ankommt. Die EuropÀische Union will strategische Industrien stÀrken. (Wirtschaft, 02.02.2026 - 12:43) weiterlesen...

EVP-Chef Weber macht Druck fĂŒr europĂ€ischen Atomschirm. Die Resonanz war lange sehr zurĂŒckhaltend. Jetzt könnte das Projekt aber Fahrt aufnehmen. Der französische PrĂ€sident hat schon 2020 einen europĂ€ischen nuklearen Schutzschirm vorgeschlagen. (Ausland, 31.01.2026 - 15:00) weiterlesen...

Weber fordert GesprĂ€che ĂŒber europĂ€ischen Atomschirm. Jetzt könnte das Projekt Fahrt aufnehmen. Der französische PrĂ€sident hat schon 2020 einen europĂ€ischen nuklearen Schutzschirm vorgeschlagen. (Ausland, 31.01.2026 - 13:37) weiterlesen...

EU-Kommissar: «Migrationsdiplomatie» und Visa-Hebel nutzen Gegen den ArbeitskrÀftemangel und die irregulÀre Migration: EU-Migrationskommissar Brunner verspricht sich viel von seinem Ansatz - langfristig auch eine Abkehr Deutschlands von den Grenzkontrollen. (Ausland, 31.01.2026 - 04:30) weiterlesen...