Waffenruhe ausgelaufen: Russland und Ukraine schieĂen wieder
12.05.2026 - 15:04:58 | dpa.deNach dem Auslaufen einer dreitĂ€gigen Waffenruhe haben Russland und die Ukraine wieder mit gegenseitigen Drohnenangriffen begonnen. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj machte Russland fĂŒr das Wiederaufflammen der KĂ€mpfe verantwortlich. «Russland hat sich dafĂŒr entschieden, die teilweise Stille zu beenden, die mehrere Tage geherrscht hat», schrieb Selenskyj auf dem Portal X. «Ăber Nacht sind mehr als 200 Kampfdrohnen Richtung Ukraine gestartet worden.»Â
Die Ukraine habe angekĂŒndigt, dies mit Gleichem zu vergelten. «Russland muss diesen Krieg beenden, und es ist Russland, das Schritte zu einem dauerhaften Waffenstillstand machen muss», schrieb Selenskyj in Kiew. Die ukrainische Armee startete in den frĂŒhen Morgenstunden ebenfalls Drohnenangriffe auf den russischen RĂŒckraum. Unter anderem wurde ein Wohnhaus in Orenburg im SĂŒden des Urals beschĂ€digt. Von Samstag bis Montag hatte eine dreitĂ€gige Waffenruhe gegolten, die von den USA vermittelt worden war.
MilitÀr und Kreml in Moskau erklÀren Ende der Waffenruhe
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestĂ€tigte offiziell, dass die sogenannte militĂ€rische Spezialoperation seit Tagesanbruch fortgesetzt werde. MilitĂ€rische Spezialoperation ist in Russland die offizielle Bezeichnung fĂŒr den Krieg gegen das Nachbarland. Ukrainische zivile Stellen verzeichneten Angriffe auf Kiew, Saporischschja, Dnipro, Charkiw und Cherson. Die Gebiete Sumy im Norden und Mykolajiw im SĂŒden waren ebenfalls betroffen.
Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow erklÀrte in Moskau, die «humanitÀre Feuerpause» sei vorbei. Die militÀrische Spezialoperation gehe weiter, sagte er der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge.
Die Ukraine hofft seit langem auf eine lĂ€ngere Waffenruhe, in der ĂŒber einen Waffenstillstand und eine Friedenslösung verhandelt werden könnte. Moskau hat die Feuerpausen ĂŒber hohe Feiertage immer begrenzt. In diesem Fall ging es darum, mit einer MilitĂ€rparade am Samstag in Moskau ungestört das Andenken an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg feiern zu können.Â
US-PrĂ€sident Donald Trump hatte auf Moskauer Bitte die Waffenruhe vermittelt. Ein wichtiges Versprechen an die Ukraine, nĂ€mlich der Austausch von 1.000 Kriegsgefangenen je Seite, ist bislang nicht erfĂŒllt.
KorruptionsaffÀre: «Selenskyj kommt nicht in Ermittlungen vor»
Innenpolitisch spitzten sich fĂŒr die Ukraine die KorruptionsaffĂ€re bis ins engste Umfeld des PrĂ€sidenten zu. Das Nationale AntikorruptionsbĂŒro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) teilten mit, dass Selenskyjs frĂŒherer Stabschef Andrij Jermak offiziell der GeldwĂ€sche verdĂ€chtigt werde. Dem Vorwurf nach soll er zu einer organisierten Gruppe von sechs Personen gehört haben, die fĂŒr ein Luxusbauprojekt in der NĂ€he von Kiew 460 Millionen Hrywnja (knapp neun Millionen Euro) gewaschen habe.Â
Jermak lieĂ ĂŒber einen Anwalt den Vorwurf zurĂŒckweisen. Der SAP-Chef Olexander Klymenko sagte bei einer Pressekonferenz, die Staatsanwaltschaft fordere Untersuchungshaft fĂŒr Jermak oder 180 Millionen Hrywnja Kaution.
Bei dem geplanten Bau von LuxushĂ€usern stellt sich fĂŒr einige ukrainische Medien die Frage, ob nicht Selenskyj einer der BegĂŒnstigten hĂ€tte sein sollen. NABU-Direktor Semen Krywonos stellte aber klar: «Der PrĂ€sident kam und kommt im Rahmen der Ermittlungen nicht vor.»
Die ukrainischen Anti-Korruptionsbehörden hatten im Herbst 2025 ĂŒber mögliche Korruption in der FĂŒhrung berichtet. Deren FĂ€den liefen bei einem ehemaligen GeschĂ€ftspartner Selenskyjs zusammen. Die Ermittlungen gehen in mehrere Richtungen. Beim staatlichen Konzern Enerhoatom soll Geld veruntreut worden sein. Ein RĂŒstungskonzern, der Drohnen und Marschflugkörper baut, soll ĂŒberhöhte Preise verlangt haben. Jermak, der als rechte Hand des PrĂ€sidenten zweitmĂ€chtigster Mann der Ukraine war, gab im November sein Amt auf.
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