Ex-PrÀsident, Duterte

Ex-PrĂ€sident Duterte an Weltstrafgericht ĂŒbergeben

12.03.2025 - 19:33:51

Duterte ging erbarmungslos gegen die DrogenkriminalitÀt auf den Philippinen vor. Tausende Menschen wurden getötet. Jetzt droht ihm der Prozess.

   Der philippinische Ex-PrĂ€sident Rodrigo Duterte ist dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ĂŒbergeben worden. Das Gericht will dem 79-JĂ€hrigen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit den Prozess machen. Ihm werden mindestens 43 Morde in der Zeit von 2011 bis 2019 zur Last gelegt, wĂ€hrend des staatlichen sogenannten «Kriegs gegen die Drogen».

Duterte war am Dienstag auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls des Strafgerichtshofs auf dem Flughafen der philippinischen Hauptstadt Manila festgenommen und mit einem Charterflugzeug ausgeflogen worden. Nach einem Zwischenstopp in Dubai kam er am spÀten Nachmittag am Flughafen Den Haag/ Rotterdam an. 

Tausende Tote

Duterte war von 2016 bis 2022 Staatschef und fĂŒhrte einen erbarmungslosen Kampf gegen DrogenkriminalitĂ€t. Nach Polizeiangaben wurden rund 6000 Menschen getötet. Doch Menschenrechtsorganisationen schĂ€tzen, dass es bis zu 30.000 waren. VerdĂ€chtige wurden demnach oft ohne Prozess regelrecht hingerichtet. 

Es gebe «vertretbare GrĂŒnde» anzunehmen, dass er individuell verantwortlich ist fĂŒr Morde, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gelten können, heißt es im Haftbefehl. Er soll zunĂ€chst als BĂŒrgermeister von Davao und spĂ€ter als PrĂ€sident die mutmaßlichen Tötungen verantwortet haben.

Die Verbrechen waren «Teil eines weit verbreiteten und systematischen Angriffs auf die zivile Bevölkerung», erklĂ€rte ChefanklĂ€ger Karim Khan. Die Ermittlungen sind Khan zufolge noch nicht abgeschlossen. Er nannte Dutertes Festnahme «einen wichtigen Moment fĂŒr die Opfer». 

ZunÀchst ins GefÀngnis

Vor den Toren des GefĂ€ngnisses im Nordseebad Scheveningen hatten Dutzende von AnhĂ€ngern auf Dutertes Ankunft gewartet. In dem GefĂ€ngnis verfĂŒgt das Gericht ĂŒber einen eigenen Zellenkomplex. Dort sollte er medizinisch untersucht werden. 

In den nĂ€chsten Tagen soll Duterte dem Richter vorgefĂŒhrt werden. In wenigen Monaten wird dann zunĂ€chst in einem Vorverfahren die Anklage geprĂŒft. 

Ermittlungen seit 2018 

Die Anklage ermittelt bereits seit 2018 zu den mutmaßlichen Verbrechen auf den Philippinen. Der Inselstaat hatte daraufhin den Austritt aus dem Grundlagenvertrag des Strafgerichtshofs verkĂŒndet. Doch es bleibt zustĂ€ndig fĂŒr die Verfolgung von Straftaten bis 2019, als der Austritt rechtskrĂ€ftig wurde. 

Duterte ist der zweite frĂŒhere Staatschef, den der Gerichtshof anklagt. Der Erste war der EX-PrĂ€sident der ElfenbeinkĂŒste, Laurent Gbagbo. Er war 2019 freigesprochen worden. 

Möglicher Hintergrund fĂŒr die schnelle Auslieferung könnte die aktuelle politische Lage in dem Inselstaat sein. Denn es gab einen Bruch zwischen dem heutigen PrĂ€sidenten Ferdinand Marcos Jr. und der Familie von Duterte. Dessen Tochter Sara ist VizeprĂ€sidentin, und gegen sie lĂ€uft ein Amtsenthebungsverfahren.

@ dpa.de