Ukraine, Russland

EU beschließt neue Russland-Sanktionen - Kredit fĂŒr Ukraine

23.04.2026 - 14:41:38 | dpa.de

Eigentlich hĂ€tten bereits im Februar neue EU-Sanktionen gegen Russland in Kraft treten sollen. Mit VerspĂ€tung ist es nun so weit - und fĂŒr die Ukraine gibt es weitere gute Nachrichten.

  • Russland versucht mit Hilfe einer sogenannten Schattenflotte, BeschrĂ€nkungen fĂŒr seine Ölexporte zu umgehen - die EU will das nun weiter erschweren. (Archivbild) - Foto: Johan Nilsson/TT News Agency via AP/dpa
    Russland versucht mit Hilfe einer sogenannten Schattenflotte, BeschrĂ€nkungen fĂŒr seine Ölexporte zu umgehen - die EU will das nun weiter erschweren. (Archivbild) - Foto: Johan Nilsson/TT News Agency via AP/dpa
  • Ungarns MinisterprĂ€sident Viktor Orban (l) und der slowakische MinisterprĂ€sident Robert Fico blockierten gemeinsam die neuen EU-Sanktionen gegen Russland. (Archivbild) - Foto: Omar Havana/AP/dpa
    Ungarns MinisterprÀsident Viktor Orban (l) und der slowakische MinisterprÀsident Robert Fico blockierten gemeinsam die neuen EU-Sanktionen gegen Russland. (Archivbild) - Foto: Omar Havana/AP/dpa
Russland versucht mit Hilfe einer sogenannten Schattenflotte, BeschrĂ€nkungen fĂŒr seine Ölexporte zu umgehen - die EU will das nun weiter erschweren. (Archivbild) - Foto: Johan Nilsson/TT News Agency via AP/dpa Ungarns MinisterprĂ€sident Viktor Orban (l) und der slowakische MinisterprĂ€sident Robert Fico blockierten gemeinsam die neuen EU-Sanktionen gegen Russland. (Archivbild) - Foto: Omar Havana/AP/dpa

Die EU hat neue Russland-Sanktionen beschlossen und den Weg fĂŒr ein 90 Milliarden Euro schweres UnterstĂŒtzungsdarlehen fĂŒr die Ukraine freigemacht. Einen Tag nach Ende der Blockade des ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban gab die zyprische EU-RatsprĂ€sidentschaft den erfolgreichen Abschluss der formellen Entscheidungsverfahren fĂŒr die beiden Projekte bekannt. Damit sind die neuen Sanktionen in Kraft gesetzt und die Auszahlung der ersten DarlehensbetrĂ€ge an die Ukraine kann geplant werden.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte nach Abschluss der Entscheidungsverfahren, man werde der Ukraine alles geben, was sie brauche, um standzuhalten - bis Kremlchef Wladimir Putin begreife, dass sein Krieg ins Leere laufe. Russlands Kriegswirtschaft gerate zunehmend unter Druck, wĂ€hrend die Ukraine deutliche UnterstĂŒtzung erhalte. 

EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen begrĂŒĂŸten die Entscheidung ebenfalls. «WĂ€hrend Russland seine Aggression weiter verstĂ€rkt, verstĂ€rken wir unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr die tapfere ukrainische Nation», schrieb von der Leyen in den sozialen Medien. Nach einem Treffen mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj und Costa stellte die deutsche Politikerin die ersten Zahlungen noch in diesem Quartal in Aussicht. 

Selenskyj war fĂŒr einen informellen Gipfel der europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs nach Zypern gereist. Er sprach nach dem Austausch mit den EU-Spitzen von einem «tollen Tag». Das Darlehen werde dabei helfen, die ukrainischen StreitkrĂ€fte zu verstĂ€rken und die Produktion im Bereich der Luftverteidigung anzukurbeln. 

Ungarn und die Slowakei blockierten Sanktionen lange 

FĂŒr die Ukraine ist vor allem das Geld wichtig. Es soll dem Land die Fortsetzung seines Abwehrkampfes gegen die russischen Invasionstruppen ermöglichen und es vor einer Staatspleite bewahren. Das neue Sanktionspaket zielt unterdessen besonders darauf ab, Russlands Einnahmen aus dem Verkauf von Gas und Öl weiter zu reduzieren. Zudem werden weitere Finanzinstitute vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten und zusĂ€tzliche HandelsbeschrĂ€nkungen erlassen. Das Paket war von Ungarn sowie der Slowakei blockiert worden.

Um Orban und den slowakischen Regierungschef Robert Fico zur Aufgabe ihrer Vetos zu bewegen, hatte die Ukraine am Dienstag die Wiederaufnahme des Betriebs der Druschba-Pipeline ermöglicht. Über diese wird russisches Öl ĂŒber das ukrainische Staatsgebiet nach Ungarn und in die Slowakei geliefert. 

Orban hatte der Ukraine vorgeworfen, russische Öllieferungen durch die Pipeline aus politischen GrĂŒnden zu verhindern und seine Zustimmung zu neuen EU-Hilfen fĂŒr das Land an die Wiederinbetriebnahme der Pipeline geknĂŒpft. Die Regierung in Kiew wies die VorwĂŒrfe zurĂŒck und betonte, die Pipeline mĂŒsse nach russischen Luftangriffen im Januar repariert werden.

Sanktionen sollen Russlands Einnahmen verringern

Das jetzt auf den Weg gebrachte Sanktionspaket hÀtte eigentlich bereits im Februar zum vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine in Kraft treten sollen. Es sieht im Energiebereich vor, EU-Unternehmen die Beteiligung an der Reparatur von russischen Raffinerien zu verbieten, die durch ukrainische Angriffe beschÀdigt wurden. 

Außerdem werden Transaktionen mit Hafenterminals in Russland und Drittstaaten sowie LNG-Terminaldienste und Wartungsleistungen fĂŒr russische LNG-Tanker und Eisbrecher untersagt. Zugleich fĂ€llt eine bisherige Ausnahme fĂŒr Erdgaskondensate beim Importverbot fĂŒr russisches Rohöl weg. 

Weitere Maßnahmen gegen Schattenflotte 

Im Kampf gegen den Versuch, Energiesanktionen zu umgehen, listet die EU kĂŒnftig weitere 46 Schiffe, die Teil der sogenannten russischen Schattenflotte sind. Sie sollen kĂŒnftig nicht mehr in HĂ€fen von EU-Staaten einlaufen dĂŒrfen. KĂŒnftig sind damit 632 Schiffe von den Strafmaßnahmen betroffen, wie die EU-Kommission mitteilte. Zudem soll eine spezielle Klausel beim Verkauf von Tankern aus der EU verhindern, dass diese am Ende durch Russland genutzt werden.

Im Finanzbereich sollen weitere Banken vom Finanzkommunikationssystem Swift abgekoppelt werden. Zudem werden Banken aus Drittstaaten ins Visier genommen, die Russlands Kriegswirtschaft unterstĂŒtzen. Geplant sind auch Verbote fĂŒr GeschĂ€fte mit KryptowĂ€hrungen sowie mit dezentralen Krypto-Plattformen. Die Ukraine soll im Gegenzug fĂŒr den Erhalt der EU-Mittel die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit garantieren und Fortschritte bei der KorruptionsbekĂ€mpfung erzielen.

DarĂŒber hinaus sollen russische und auslĂ€ndische Unternehmen sanktioniert werden, die den russischen militĂ€risch-industriellen Komplex unterstĂŒtzen. Um Russlands Einnahmen zu verringern, sind zudem Importverbote fĂŒr weitere Metalle, Chemikalien und kritische Rohstoffe vorgesehen. Nach EU-Angaben könnten die Einnahmen des Landes dadurch um 570 Millionen Euro pro Jahr sinken.

Diskussion um maritime Dienstleistungen geht weiter

Keine endgĂŒltige Einigung gab es darauf, ein umfassendes Verbot aller maritimen Dienstleistungen zu erlassen, die mit dem Transport von russischem Rohöl zusammenhĂ€ngen. Grund waren vor allem Bedenken von LĂ€ndern wie Griechenland, die um die WettbewerbsfĂ€higkeit ihrer Reedereien fĂŒrchten, da diese solche Dienstleistungen anbieten. Sie wollten das Verbot laut EU-Diplomaten daher nur mittragen, wenn auch die G7-LĂ€nder es gemeinsam umsetzen. Hier kĂ€me es also auf die Mitwirkung von Kanada, Großbritannien, Japan, insbesondere aber auch den Vereinigten Staaten an. 

Bislang ist die Erbringung maritimer Dienstleistungen nur fĂŒr Schiffe und Unternehmen untersagt, die sich nicht an einen westlichen Preisdeckel fĂŒr Öl halten. Zu Dienstleistungen gehören etwa Versicherungen, Charterschiffe und technische Dienste wie Wartung und Reparatur.

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