Empörung, USA

Empörung in USA: GefĂ€ngniswĂ€rter prĂŒgeln HĂ€ftling zu Tode

28.12.2024 - 05:02:38

Ein brutaler Gewaltexzess in einer New Yorker Haftanstalt kostet einen StrÀfling das Leben - und 13 Strafvollzugsbeamte den Job. Videoaufnahmen der verstörenden Szenen lösen Entsetzen aus.

  • GeneralstaatsanwĂ€ltin Letitia James ließ die verstörenden Videoaufnahmen ins Netz stellen. (Archivbild) - Foto: Bebeto Matthews/AP/dpa

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  • Gouverneurin Kathy Hochul Ă€ußerte sich «entsetzt und schockiert» ĂŒber die «sinnlose Tötung» des HĂ€ftlings. (Archivbild) - Foto: Jeenah Moon/AP/dpa

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GeneralstaatsanwĂ€ltin Letitia James ließ die verstörenden Videoaufnahmen ins Netz stellen. (Archivbild) - Foto: Bebeto Matthews/AP/dpaGouverneurin Kathy Hochul Ă€ußerte sich «entsetzt und schockiert» ĂŒber die «sinnlose Tötung» des HĂ€ftlings. (Archivbild) - Foto: Jeenah Moon/AP/dpa

Die brutale Misshandlung eines schwarzen HĂ€ftlings durch weiße GefĂ€ngniswĂ€rter im US-Bundesstaat New York befeuert die Debatte ĂŒber Gewaltexzesse und Rassismus im amerikanischen Strafvollzugssystem. Robert Brooks war vor knapp drei Wochen von Strafvollzugsbeamten mit roher Gewalt traktiert und tags darauf fĂŒr tot erklĂ€rt worden. Videoaufnahmen des Vorfalls wurden erst jetzt von New Yorks GeneralstaatsanwĂ€ltin Letitia James veröffentlicht und lösten breite Empörung aus. 

Gouverneurin Kathy Hochul teilte in einer Stellungnahme mit, sie sei «entsetzt und schockiert» von der «sinnlosen Tötung» des HÀftlings - und habe die Entlassung von 13 JVA-Beamten und einer medizinischen Pflegekraft angeordnet.

Die verstörenden Gewaltszenen wurden am 9. Dezember von Körperkameras der beteiligten Strafvollzugsbeamten festgehalten. An diesem Abend wurde Brooks - laut Medienberichten 2017 wegen eines tÀtlichen Angriffs auf seine Ex-Partnerin zu zwölf Jahren Haft verurteilt - von einem anderen GefÀngnis in die nahegelegene Justizvollzugsanstalt Marcy im Oneida County verlegt. Die Bodycams waren zum Zeitpunkt des Vorfalls laut den Ermittlungsbehörden im Standby-Modus und zeichneten das Geschehen deshalb ohne Ton auf.

FaustschlĂ€ge, WĂŒrgegriff und ein lachender Beamter

Die Videoaufnahmen mit einer Gesamtdauer von etwa zwei Stunden zeigen, wie Brooks in einen Untersuchungsraum der Haftanstalt getragen wird, wo ihn mehrere Beamte auf eine Liege drĂŒcken. Zu diesem Zeitpunkt trĂ€gt er Handschellen, die HĂ€nde hinter dem RĂŒcken fixiert, ist seinen Peinigern faktisch ausgeliefert. 

Zu sehen ist unter anderem, wie der 43-JĂ€hrige von einem Uniformierten mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen wird und benommen liegen bleibt; ein anderer zerrt ihn im WĂŒrgegriff wieder in die Höhe, ein Dritter drischt ebenfalls mit der Faust und einem Schuh auf ihn ein. An einer Stelle stemmt einer der massigen WĂ€rter seinen Stiefel erst in den Unterleib, dann gegen den Oberkörper des Mannes, obendrein hagelt es weitere SchlĂ€ge.

Weitere Szenen zeigen noch mehr solcher GewaltauswĂŒchse, wobei die Uniformierten, die auf Brooks einprĂŒgeln, alle weiß zu sein scheinen. Kein Umstehender schreitet ein, mindestens ein lachender Beamter scheint mit einem Kollegen zu feixen. Was gesagt wird, ist nicht zu hören, aber Brooks leistet offenkundig zumindest keinen Widerstand, auch Provokationen sind nicht zu erkennen. 

Stellenweise ist der Blick auf den misshandelten HĂ€ftling verdeckt, dann sieht man sein blutverschmiertes Gesicht, spĂ€ter liegt er regungslos und nur noch in Unterhose auf dem RĂŒcken, wĂ€hrend ihn eine Pflegekraft zu behandeln scheint.

Brooks wurde am nĂ€chsten Morgen in einem Krankenhaus fĂŒr tot erklĂ€rt. Das offizielle Obduktionsergebnis steht den Ermittlungsbehörden zufolge noch aus. Erste Untersuchungen hĂ€tten jedoch ergeben, dass Brooks vermutlich infolge von Hals- und Nackenverletzungen sowie «Gewalteinwirkung von außen» gestorben sei, hieß es. Mutmaßliche Todesursache: Er sei wohl erstickt.

BĂŒrgerrechtler prangern «Kultur der Gewalt» an

Eine AnwĂ€ltin der Hinterbliebenen prangerte an, Brooks sei «gewaltsam zu Tode geprĂŒgelt worden von Beamten, deren Job es war, seine Sicherheit zu gewĂ€hrleisten». FĂŒr seine Angehörigen seien die Aufnahmen schwer zu ertragen, aber nun könne sich die Öffentlichkeit wenigstens ein eigenes Bild machen.

Die Gewerkschaft der Strafvollzugsbediensteten zeigte sich «fassungslos» ob der dokumentierten Gewalt, die zustĂ€ndige Aufsichtsbehörde kĂŒndigte «institutionelle Reformen» an. BĂŒrgerrechtsgruppen wie die American Civil Liberties Union (ACLU) forderten energische Schritte gegen die «Kultur der Gewalt» und Verantwortungslosigkeit in New Yorker GefĂ€ngnissen - in der Haftanstalt Marcy seien die MissstĂ€nde seit Jahren bekannt.

TatsĂ€chlich hielt ein unabhĂ€ngiger Untersuchungsbericht der Correctional Association of New York (CANY) im Oktober 2022 fest, dass Misshandlungen durch GefĂ€ngniswĂ€rter und rassistische Diskriminierung in Marcy laut Schilderungen von Insassen an der Tagesordnung seien. Der «New York Times» zufolge sind die meisten HĂ€ftlinge Schwarze und Latinos, mehr als 90 Prozent der Bediensteten aber weiß.

CANY-Direktorin Jennifer Scaife sagte nach Ansicht der Videoaufnahmen, es sei «einfach nur abstoßend», dass einige Beteiligte auch noch amĂŒsiert wirkten, wĂ€hrend Brooks vor ihren Augen zu Tode geprĂŒgelt werde.

@ dpa.de