Appell, Polen-Wahl

Appell nach Polen-Wahl: Regierungsbildung nicht hinauszögern

17.10.2023 - 17:01:25

Ein BĂŒndnis aus drei Oppositionsparteien könnte nach der Wahl Polens eine neue Regierung stellen. Doch an wen vergibt PrĂ€sident Duda nun den Auftrag zur Regierungsbildung?

Nach der Parlamentswahl in Polen hat die Opposition an PrĂ€sident Andrzej Duda appelliert, einen Machtwechsel nicht hinauszuzögern und den Auftrag zur Regierungsbildung zĂŒgig zu vergeben. Bei der Wahl am Sonntag hatten drei europafreundliche Oppositionsparteien eine Mehrheit im Parlament errungen.

Die seit 2015 regierende nationalkonservative PiS - aus deren Lager auch Duda stammt - behielt zwar ihren Status als stĂ€rkste Fraktion, verlor aber die absolute Mehrheit und hat keinen passenden Koalitionspartner. Die Ablösung der PiS von der Macht könnte positive Konsequenzen fĂŒr die polnische Außenpolitik haben und das VerhĂ€ltnis Warschaus zu Deutschland und der EU deutlich verbessern.

Appell an Polens PrÀsidenten

«Ich wende mich mit einem dringenden Appell an den PrĂ€sidenten: Die Menschen warten auf die ersten Entscheidungen, die eine Konsequenz aus dieser Wahl sind», sagte OppositionsfĂŒhrer Donald Tusk von der liberalkonservativen BĂŒrgerkoalition (KO) am Dienstag in einer per Facebook verbreiteten Videobotschaft. Die als Sieger aus der Wahl hervorgegangenen Parteien seien «in stĂ€ndigem Kontakt und jederzeit bereit, die Regierung zu ĂŒbernehmen», betonte der ehemalige EU-RatsprĂ€sident, der schon von 2007 bis 2014 Polens Regierungschef gewesen war.

Ähnlich Ă€ußerte sich Szymon Holownia von der christlich-konservativen Partei Dritter Weg, die mit Tusks Partei und dem LinksbĂŒndnis Lewica eine Koalition bilden könnte. Er hoffe auf Dudas Verantwortungsbewusstsein, sagte Holownia. «Warten Sie nicht, zögern Sie nicht und zeigen Sie nicht Ihr Gewicht. Hören Sie einfach, was 74 Prozent der Polen sagen», so Holownia in Anspielung auf die hohe Wahlbeteiligung.

Mehrheit im Senat

Nach dem amtlichen Endergebnis wurde Tusks BĂŒrgerkoalition mit 30,7 Prozent der Stimmen zweitstĂ€rkste Kraft im neuen Parlament. Ein DreierbĂŒndnis der KO mit dem Dritten Weg (14,4 Prozent) und dem LinksbĂŒndnis Lewica (8,6 Prozent) kĂ€me auf 248 der insgesamt 460 Sitze und hĂ€tte damit eine ausreichende Mehrheit zum Regieren.

Die PiS bekam laut Wahlkommission 35,4 Prozent der Stimmen und bleibt mit nun 194 Abgeordneten stĂ€rkste Kraft im neuen Parlament. Sie wĂ€re aber fĂŒr eine Regierungsmehrheit auf einen Koalitionspartner angewiesen, wofĂŒr nur die ultrarechte Konfederacja infrage kĂ€me. Doch die brachte es nur auf 7,2 Prozent und 18 Sitze - das reicht nicht zur Mehrheit.

Auch im Senat, der weniger bedeutenden zweiten Kammer des Parlaments, gewann die Opposition die Mehrheit der Sitze. Das BĂŒndnis «Senats-Pakt», zu dem neben der KO, dem Dritten Weg und dem LinksbĂŒndnis Lewica auch unabhĂ€ngige Kandidaten gehören, holte 66 Sitze, auf die PiS entfallen die restlichen 34.

PrĂ€sident Duda muss nun innerhalb von 30 Tagen nach der Wahl die konstituierende Sitzung des Parlaments einberufen und den Auftrag zur Regierungsbildung vergeben. In Polen ist es politische Gepflogenheit, aber kein Muss, dass zunĂ€chst ein Politiker aus der stĂ€rksten Fraktion diesen Auftrag erhĂ€lt. Bekommt dessen Vorschlag fĂŒr ein Kabinett im Parlament keine Mehrheit, wĂ€ren die ĂŒbrigen Fraktionen am Zug.

Der Politologe Antoni Dudek hĂ€lt es fĂŒr wahrscheinlich, dass Duda zunĂ€chst einen PiS-Politiker mit der Regierungsbildung beauftragen dĂŒrfte, um den Machtwechsel zu verzögern. «Warum sollte die PiS auf ein oder zwei zusĂ€tzliche Monate an der Macht verzichten? Das gibt ihren Vertretern Zeit, um bestimmte Dinge aufzurĂ€umen,(...) zu vernichten oder zu verstecken», sagte Dudek der polnischen Online-Ausgabe von «Newsweek». Zu befĂŒrchten ist, dass ein langer Prozess der Regierungsbildung fĂŒr Polen Wochen der InstabilitĂ€t bringen könnte.

@ dpa.de