Pornostar, Prozess

Pornostar schildert bei Prozess Details zu Sex mit Trump

08.05.2024 - 05:05:25

Ein heikler Tag im New Yorker Trump-Prozess: Die Aussage von Pornodarstellerin Daniels ist peinlich fĂŒr den Angeklagten - aber auch inhaltlich umstritten. Einen Erfolg erzielt er derweil in Miami.

Im Prozess gegen den ehemaligen US-PrĂ€sidenten Donald Trump im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels hat sich die Pornodarstellerin detailliert zum Sex mit dem heute 77-JĂ€hrigen geĂ€ußert. Im Beisein Trumps schilderte Daniels vor Gericht in New York wĂ€hrend einer sehr angespannten Befragung, dass sie damals im Jahr 2006 in Trumps Hotel-Suite am Lake Tahoe verwirrt gewesen sei und sich gefragt habe, wie sie dazu komme, mit Donald Trump zu schlafen.

Danach habe sie so gezittert, dass sie Probleme gehabt habe, sich wieder anzuziehen. Mehrere im Gerichtssaal anwesende Medienvertreter gaben die Aussagen Daniels ĂŒbereinstimmend wieder. Die Verteidigung scheiterte mit einem Antrag, der den Prozess wegen der Aussagen zum Platzen bringen sollte.

Einen juristischen Erfolg erzielte Trump am selben Tag in Miami: In der AffÀre um die Mitnahme geheimer Regierungsdokumente wurde der offizielle Beginn des Prozesses gegen ihn auf unbestimmte Zeit verschoben.

Prozess in New York: Trump drohen mehrere Jahre Haft

Die Anklage in New York wirft Trump vor, er habe seine Chancen auf einen Sieg bei der US-PrĂ€sidentenwahl 2016 mit der Zahlung von 130.000 Dollar Schweigegeld an Daniels verbessern wollen. Die Transaktion selbst war zwar nicht illegal, bei der RĂŒckerstattung des Geldes an seinen Anwalt Michael Cohen habe Trump jedoch GeschĂ€ftsunterlagen gefĂ€lscht, um den eigentlichen Zweck zu verschleiern. Es handelt sich um den ersten Strafprozess gegen einen Ex-PrĂ€sidenten in der US-Geschichte.

Trump drohen mehrere Jahre Haft, die auch zur BewĂ€hrung ausgesetzt werden könnten, oder eine Geldstrafe. Der Fall könnte den US-Wahlkampf beeinflussen. Trump will im November erneut zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt werden. Er hat auf nicht schuldig plĂ€diert - und wiederholt bestritten, ĂŒberhaupt Sex mit Daniels gehabt zu haben.

Daniels schilderte weiter, dass sie vor dem Sex das Hotelzimmer habe verlassen wollen, Trump sich ihr aber in den Weg gestellt habe. Er habe auf sie allerdings nicht bedrohlich gewirkt. Daniels beschrieb den Geschlechtsverkehr dann mehreren Medienberichten zufolge als etwas, das sie ĂŒber sich ergehen ließ und schnell vorbei gewesen sei. Trump habe kein Kondom benutzt. Sie habe deshalb nicht nein zu ihm gesagt, «weil ich ĂŒberhaupt nichts gesagt habe».

Ein Abendessen nach Golfturnier

Trump hatte Daniels 2006 bei einem Golfturnier in Lake Tahoe an der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada kennengelernt und sie zum Abendessen eingeladen. Bei diesem Essen fragte Daniels Trump eigenen Aussagen zufolge, ob er nicht eine Ehefrau habe. Trump habe darauf geantwortet, dass er und seine Frau nicht im selben Raum schliefen. Trump und seine Ehefrau Melania hatten im Jahr zuvor geheiratet. Der Aussage der Zeugin zufolge verglich Trump Daniels bei der Unterhaltung zudem mit seiner Tochter. Laut der «New York Times» dĂŒrfte es sich dabei um Ivanka Trump gehandelt haben.

Trump hörte den Medienberichten zufolge den intimen und teilweise unangenehm detaillierten Schilderungen mit wachsender Ungeduld zu. US-Kommentatoren beschrieben diesen Moment als besonders schwer zu ertragen fĂŒr Trump, der als milliardenschwerer GeschĂ€ftsmann und einflussreicher Politiker gewohnt sei, das Geschehen um ihn herum weitgehend kontrollieren zu können. Trumps AnwĂ€lte verlangten von Richter Juan Merchan wĂ€hrend der Vernehmung, das Verfahren wegen des expliziten und schĂ€dlichen Inhalts von Daniels' Aussage einzustellen.

Merchan - der selbst wĂ€hrend der Aussage verĂ€rgert gewirkt hatte - wies diesen Antrag zwar zurĂŒck, stimmte aber der Verteidigung zu, dass einige Dinge «besser ungesagt» geblieben wĂ€ren. Er bat die Staatsanwaltschaft, Daniels zu weniger ausladenden Aussagen anzuhalten. TatsĂ€chlich trat Daniels den Beobachtern im Gericht zufolge danach deutlich fokussierter auf, schweifte seltener ab und redete langsamer. US-Medien spekulierten darĂŒber, ob ihre Aussage eher Trump wegen peinlicher Details geschadet habe oder ob sich die Zeugin in den Augen der Geschworenen unglaubwĂŒrdiger gemacht habe.

Im Kreuzverhör versuchte Trumps AnwĂ€ltin Susan Necheles die Zeugin als Frau darzustellen, die vor allem auf Geld aus sei und Trump ausnutzen wolle. Daniels widersprach den Medienberichten zufolge sehr nachdrĂŒcklich und bekrĂ€ftigte immer wieder, dass ihre Geschichte wahr sei.

Ein Prozess gegen Trump bis auf Weiteres verschoben

In Miami, wo Trump im vergangenen Jahr angeklagt worden war, weil er höchst sensible Informationen gesetzeswidrig aufbewahrt haben soll, verkĂŒndete die zustĂ€ndige Richterin indes einen fĂŒr den Republikaner höchst willkommenen Entschluss. Aileen Cannon kĂŒndigte am Dienstag an, der bisher angepeilte Prozessbeginn am 20. Mai sei wegen offener Rechtsfragen hinfĂ€llig. Trump hatte Cannon in seiner Zeit als PrĂ€sident selbst ernannt. Kritiker werfen ihr vor, das Verfahren zu verschleppen und AntrĂ€ge Ă€ußerst langsam zu bearbeiten. Die jĂŒngste Entscheidung dĂŒrfte diese Kritik weiter befeuern, denn es gilt als unwahrscheinlich, dass der Dokumenten-Prozess nun noch vor der PrĂ€sidentenwahl im November beginnt.

Insgesamt ist Trump im Wahljahr mit vier strafrechtlichen Verfahren gegen ihn konfrontiert. Neben dem Schweigegeld-Fall in New York und dem Dokumenten-Prozess in Miami gibt es noch ein Wahlbetrugsverfahren auf Bundesebene und ein weiteres im US-Bundesstaat Georgia. Trumps AnwĂ€lte berufen sich unter anderem auf Trumps prĂ€sidiale ImmunitĂ€t vor Strafverfolgung, um Verfahren gegen ihn zu stoppen. Der Oberste Gerichtshof der USA befasst sich derzeit im Kontext des Wahlbetrugsverfahrens auf Bundesebene mit dieser zentralen Frage. Eine Entscheidung wird in einigen Wochen erwartet. Diese dĂŒrfte die meisten anderen Strafverfahren gegen Trump beeinflussen.

@ dpa.de