18 Tote bei Angriff auf UN-GebÀude in Gaza
12.09.2024 - 14:17:19Bei einem israelischen Luftangriff auf dem GelĂ€nde einer ehemaligen Schule in Nuseirat im Gazastreifen sind nach palĂ€stinensischen Angaben 18 Menschen getötet worden. Darunter waren nach UN-Angaben auch sechs Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Die Totenzahlen des Hamas-InformationsbĂŒros lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.Â
Das israelische MilitĂ€r teilte mit, der Angriff habe einem Kommando- und Kontrollposten der islamistischen Hamas gegolten. Zuvor seien eine Reihe von MaĂnahmen ergriffen worden, um die Gefahr fĂŒr Zivilisten zu mindern, hieĂ es.Â
Bei dem GebÀude und seiner Umgebung handelte es sich um eine Einrichtung des UN-PalÀstinenserhilfswerks (UNRWA). Das GelÀnde bot demnach etwa 12.000 Menschen Zuflucht, vor allem Frauen und Kindern.
UN-Sprecher StĂ©phane Dujarric sagte in New York, Liegenschaften der UN sollten niemals angegriffen oder von militĂ€rischen Gruppen genutzt werden. Auf die Frage, ob er ausschlieĂen könne, dass sich Hamas-Vertreter dort aufhielten, sagte er, er könne die Frage nicht beantworten. Israel wirft der Hamas vor, sich in solchen Einrichtungen und unter Zivilisten zu verstecken.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zeigte sich einmal mehr schockiert. «Was in Gaza passiert, ist absolut inakzeptabel», schrieb er zu dem Angriff auf X. «Diese dramatischen Verletzungen von internationalem humanitĂ€rem Recht mĂŒssen jetzt aufhören.»
Starker Beschuss aus dem Libanon
Auch EU-Chefdiplomat Josep Borrell Ă€uĂerte sich «empört» ĂŒber den Luftangriff. Er warf Israel vor, den Schutz von Zivilisten zu missachten. Borrell setzte seine Nahostreise im Libanon fort. In der Hauptstadt Beirut traf er den MinisterprĂ€sidenten Nadschib Mikati. Bei dem GesprĂ€ch sollte es neben der Lage im Libanon auch um den Konflikt der Schiitenmiliz Hisbollah mit Israel gehen.Â
Seit Beginn des Gaza-Kriegs kommt es nahezu tĂ€glich zu militĂ€rischen Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah im Libanon. Zehntausende sind wegen der KĂ€mpfe aus dem Grenzgebiet geflohen. KĂ€mpferische ĂuĂerungen israelischer Politiker hatten zuletzt Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts geschĂŒrt. Allein am Mittwoch waren nach Angaben der israelischen Armee mehr als 100 Geschosse aus dem Libanon auf Israel abgefeuert worden. Das MilitĂ€r beschoss seinerseits Ziele im SĂŒdlibanon. Die gegenseitigen Angriffe dauern an.Â
Israel will, dass sich die Hisbollah hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurĂŒckzieht - so wie es eine UN-Resolution vorsieht. Die Schiitenmiliz will mit dem Beschuss Israels aber erst aufhören, wenn es zu einem Waffenstillstand im Gaza-Krieg zwischen Israel und der mit ihr verbĂŒndeten Hamas kommt.Â
Die indirekten Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe und eine Freilassung der israelischen Geiseln aus der Gefangenschaft der islamistischen Hamas - in denen Ăgypten, die USA und der Golfstaat Katar die wichtigsten Vermittler sind - treten jedoch auf der Stelle. Am Mittwoch trafen sich Vertreter der Hamas in Doha mit Vertretern Katars und Ăgyptens zu weiteren GesprĂ€chen.
Vergleich mit Osama bin Laden
AnfĂŒhrer der Hamas ist Jihia al-Sinwar. Israels Verteidigungsminister Joav Galant bezeichnete diesen nun als den «neuen Osama bin Laden». In einem zum Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September 2001 in den USA veröffentlichten Video sagte er: «Er ist der Osama bin Laden von Gaza. Wir werden ihn finden und der Gerechtigkeit zufĂŒhren - tot oder im GefĂ€ngnis.»
Die Botschaft Galants auf der Plattform X kam einen Tag nach einem Interview des Finanzdienstes Bloomberg mit dem fĂŒr die Geiseln und Vermissten zustĂ€ndigen Brigadegeneral Gal Hirsch, in dem dieser von einem Angebot zur sicheren Ausreise fĂŒr al-Sinwar aus dem Gazastreifen gesprochen hatte. «Ich bin bereit, Sinwar, seiner Familie und jedem, der sich ihm anschlieĂen möchte, einen sicheren Korridor zu ermöglichen», sagte er.
Ein Hamas-ReprÀsentant sagte der Deutschen Presse-Agentur, seine Organisation habe das Angebot erhalten, Sinwar und seiner Familie die Ausreise zu ermöglichen, um ein Gaza-Abkommen zu erzielen. Die Hamas sei jedoch erst dann bereit, auf das Angebot zu reagieren, wenn es Teil einer umfassenden Einigung wÀre.
Sinwar gilt als einer der Drahtzieher des Terrorangriffs der Hamas und anderer extremistischer Gruppen vom 7. Oktober vergangenen Jahres. Dabei wurden mehr als 1.200 Menschen in Israel getötet und etwa 250 weitere als Geiseln nach Gaza verschleppt. Das beispiellose Massaker wurde zum Auslöser des Kriegs. Seit Kriegsbeginn ist die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser in Gaza nach Angaben der örtlichen Behörden auf 41.118 gestiegen. Die Zahl unterscheidet nicht zwischen KĂ€mpfern und Zivilisten und lĂ€sst sich kaum ĂŒberprĂŒfen.
Auch am Mittwochabend demonstrierten in Israel wieder mehrere hundert Menschen fĂŒr eine Waffenruhe und ein Abkommen ĂŒber die Freilassung der verbliebenen 101 Geiseln - unter ihnen auch Angehörige derer, die von der Hamas am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt worden waren.







