Anschlag, Tel Aviv

PalÀstinenser fÀhrt in Menschenmenge in Tel Aviv: Verletzte

04.07.2023 - 15:08:08

Ein PalĂ€stinenser fĂ€hrt in Tel Aviv mitten am Tag in eine Gruppe von Menschen. Der Anschlag soll mit der jĂŒngsten MilitĂ€roffensive Israels im Westjordanland zusammenhĂ€ngen.

  • Israelische SicherheitskrĂ€fte sind am Ort des mutmaßlichen Anschlags in Tel Aviv im Einsatz. - Foto: Oded Balilty/AP/dpa

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  • Israelische SicherheitskrĂ€fte sind am Ort des mutmalichen Anschlags in Tel Aviv im Einsatz. - Foto: Oded Balilty/AP/dpa

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  • Benjamin Netanjahu, Premierminister von Israel, trifft zu einer Besprechung in der NĂ€he des MilitĂ€rpostens Salem zwischen Israel und dem Westjordanland ein. - Foto: Shir Torem/POOL FLASH 90/AP/dpa

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Israelische SicherheitskrĂ€fte sind am Ort des mutmaßlichen Anschlags in Tel Aviv im Einsatz. - Foto: Oded Balilty/AP/dpaIsraelische SicherheitskrĂ€fte sind am Ort des mutmalichen Anschlags in Tel Aviv im Einsatz. - Foto: Oded Balilty/AP/dpaBenjamin Netanjahu, Premierminister von Israel, trifft zu einer Besprechung in der NĂ€he des MilitĂ€rpostens Salem zwischen Israel und dem Westjordanland ein. - Foto: Shir Torem/POOL FLASH 90/AP/dpa

Ein palÀstinensischer Angreifer ist am Dienstag mit seinem Auto in eine Menschenmenge in Tel Aviv gefahren und hat mindestens sieben Menschen teils lebensgefÀhrlich verletzt. Mehrere militante PalÀstinensergruppen nannten den Anschlag eine Reaktion auf einen am Tag zuvor gestartete MilitÀroffensive im nördlichen Westjordanland. Am Abend deutete sich jedoch ein baldiges Ende des Einsatzes an.

Der Angreifer in Tel Aviv wurde nach Angaben der Polizei vor Ort von einem Zivilisten erschossen. Er war demnach zunĂ€chst an einer Bushaltestelle in eine Gruppe von FußgĂ€ngern gerast und hatte anschließend mit einem spitzen Gegenstand auf sie eingestochen. FĂŒnf Menschen wurden laut israelischem Rettungsdienst nach dem Angriff in umliegende KrankenhĂ€user gebracht. Eine 46-JĂ€hrige schwebte demnach am Nachmittag weiter in Lebensgefahr.

Hamas: Reaktion auf MilitÀreinsatz in Dschenin

Aus israelischen Sicherheitskreisen hieß es, der 20-JĂ€hrige aus einem Dorf nahe Hebron sei ohne Genehmigung nach Israel eingereist. Nach Angaben der im Gazastreifen herrschenden Hamas handelte es sich um ein Mitglied der PalĂ€stinenserorganisation. Der Angriff sei eine «erste Reaktion» auf einen großangelegten MilitĂ€reinsatz Israels im Westjordanland, teilte ein Hamas-Sprecher mit. Er sei ein Zeichen dafĂŒr, dass die «Besatzung den Preis fĂŒr die Verbrechen in Dschenin zahlen wird». Auch weitere militante palĂ€stinensische Gruppierungen sprachen von einem Zusammenhang mit den Geschehnissen in Dschenin.

Israels Armee hatte in der Nacht zum Montag eine der grĂ¶ĂŸten MilitĂ€roperationen im Westjordanland seit Jahrzehnten begonnen. Die Armee rĂŒckte nach mehreren LuftschlĂ€gen mit rund Tausend Soldaten in die palĂ€stinensische Stadt Dschenin ein. Dort lieferten sie sich seither mehrere Feuergefechte mit bewaffneten Anwohnern. Mindestens zwölf Menschen wurden getötet, mehr als 100 weitere verletzt.

Israel will dort laut Armeeangaben «terroristische Infrastruktur» zerschlagen. Am Abend deutete sich jedoch ein Abzug der israelischen Truppen an. Auf Videos war zu sehen, wie eine Kolonne an MilitĂ€rfahrzeugen am Abend die Stadt verließ. WĂ€hrenddessen kam es zu weiteren Konfrontationen mit bewaffneten Anwohnern. Berichten zufolge zeigten sich die PalĂ€stinenser vor Ort skeptisch, ob nicht neue Truppen geschickt wĂŒrden. Netanjahu hatte zuvor ein Abschluss der Mission angekĂŒndigt. Gleichwohl machte er deutlich, die Aktion sei «kein einmaliger Vorgang, wir werden so lange wie nötig weitermachen».

Keimzelle militanter PalÀstinenser

Die Region um Dschenin und das dazugehörende örtliche FlĂŒchtlingslager mit rund 17.000 Einwohnern gelten seit Jahren als Keimzelle fĂŒr militante PalĂ€stinenser. Neben der im Gazastreifen herrschenden Hamas haben auch der Islamische Dschihad sowie weitere lose Gruppierungen an Einfluss gewonnen. Finanziert werden sie grĂ¶ĂŸtenteils vom Iran, Israels Erzfeind.

Eigentlich ist die palĂ€stinensische Autonomiebehörde fĂŒr die Stadt zustĂ€ndig. Das israelische MilitĂ€r wirft ihr jedoch vor, die Kontrolle verloren zu haben. Sie gehe nicht ausreichend gegen terroristische AktivitĂ€ten vor.

Zuletzt kam es vor gut 20 Jahren wÀhrend des zweiten PalÀstinenseraufstandes zu einem vergleichbaren Einsatz. Im Jahr 2002 lieferten sich israelische Soldaten und militante PalÀstinenser in den engen Gassen des Lagers tagelange Gefechte. Mehr als 50 PalÀstinenser und 23 israelische Soldaten wurden damals getötet.

Israels Polizei ruft zu Wachsamkeit auf

Israels Polizeichef Kobi Schabtai rief nach dem Anschlag in Tel Aviv zu erhöhter Wachsamkeit auf. Die Motivation fĂŒr AnschlĂ€ge habe sich aufgrund des MilitĂ€reinsatzes in Dschenin weiter erhöht.

In der palĂ€stinensischen Stadt, die keine 80 Kilometer von Jerusalem entfernt liegt, setzten israelische Soldatinnen und Soldaten unterdessen ihre MilitĂ€roffensive fort. Am frĂŒhen Morgen seien mehrere Waffen sowie militĂ€rische AusrĂŒstung beschlagnahmt worden, teilte die Armee mit. DarĂŒber hinaus wurden den Angaben nach ein unterirdischer Schacht zur Lagerung von Sprengkörpern sowie «RĂ€umlichkeiten terroristischer Organisationen» zerstört.

PalĂ€stinensischen Berichten zufolge wurden Tausende Menschen in der Nacht aus dem FlĂŒchtlingslager evakuiert und in nahe gelegene NotunterkĂŒnfte gebracht. Mehrere Menschenrechtsorganisationen Ă€ußerten sich besorgt ĂŒber die Lage vor Ort fĂŒr die Zivilbevölkerung.

Sicherheitslage extrem angespannt

Tel Aviv wurde in diesem Jahr bereits mehrfach Ziel von AnschlĂ€gen. Die Sicherheitslage in Israel und im Westjordanland mit rund drei Millionen Einwohnern ist seit langem angespannt, zuletzt nahm die Gewalt nochmal zu. Seit Beginn des Jahres kamen mehr als zwei Dutzend Menschen bei AnschlĂ€gen von PalĂ€stinensern ums Leben. Im gleichen Zeitraum wurden rund 150 PalĂ€stinenser bei gewaltsamen ZusammenstĂ¶ĂŸen, israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen oder nach eigenen AnschlĂ€gen getötet.

Israel hatte das Westjordanland und Ost-Jerusalem wĂ€hrend des Sechstagekrieges 1967 erobert. Die PalĂ€stinenser beanspruchen die Gebiete als Teil eines eigenen Staats. Eine Zweistaatenlösung fĂŒr den seit Jahrzehnten wĂ€hrenden Nahost-Konflikt scheint jedoch in weiter Ferne. Verhandlungen zwischen Israel und den PalĂ€stinensern liegen seit 2014 brach.

@ dpa.de