Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha eskaliert
24.07.2025 - 06:21:01Ein erbitterter Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha ist dramatisch eskaliert. In der Grenzregion gab es beiden LÀndern zufolge am Morgen (Ortszeit) heftige Schusswechsel. WÀhrend die thailÀndische Armee betonte, kambodschanische Soldaten hÀtten das Feuer auf eine MilitÀrbasis in der nordöstlichen Provinz Surin eröffnet, warf Kambodscha dem Nachbarland vor, zuerst geschossen zu haben.
Die kambodschanische Zeitung «Phnom Penh Post» sprach von einem «eklatanten Akt militĂ€rischer Aggression, der den Frieden und die StabilitĂ€t in SĂŒdostasien bedroht» und betonte, es handele sich um einen «unprovozierten Angriff auf kambodschanische Truppen.» Die Zeitung «Bangkok Post» berichtete hingegen, kambodschanische Soldaten seien verantwortlich und hĂ€tten auch mit Raketenwerfern auf Thailand gezielt.
Worum geht es bei dem Streit?
Seit der Kolonialzeit schwelt ein Streit ĂŒber den genauen Verlauf der mehr als 800 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden sĂŒdostasiatischen LĂ€ndern. Es geht dabei vor allem um den Tempel Prasat Preah Vihear aus dem 10. bis 12. Jahrhundert. Das Weltkulturerbe sowie das umliegende Gebiet werden von beiden LĂ€ndern beansprucht.
Thailand soll derweil als Reaktion auf die morgendlichen Gefechte Kampfjets gegen kambodschanische MilitÀrziele entlang der Grenze eingesetzt haben. Dabei sollen nach Angaben des örtlichen MilitÀrkommandos zwei kambodschanische regionale MilitÀrhauptquartiere getroffen worden sein. Eine BestÀtigung aus Kambodscha gab es zunÀchst nicht.
Bevölkerung sucht Schutz in Bunkern
Thailands Armee teilte mit, es habe sich zuvor um «gewalttÀtige und unmenschliche Taten der kambodschanischen Seite» gehandelt, die Raketen des Typs BM-21 auf ein Gemeindegebiet abgefeuert hÀtten. Dabei habe es drei Verletzte gegeben.
Berichten zufolge sollen sich Menschen in der Region teilweise in Bunkern in Sicherheit gebracht haben, nachdem lautes Artilleriefeuer zu hören gewesen sei. Auf im Internet verbreiteten Videos waren Explosionen zu sehen und laute SchussgerĂ€usche zu hören. Laut der Zeitung «Khaosod» soll es zu VorfĂ€llen an sechs verschiedenen Orten gekommen sein. Einer ereignete sich demnach nahe der Ruinen des bekannten Khmer-Tempels Prasat Ta Muen Thom, weitere an anderen SchlĂŒsselpunkten des Konflikts.
Kambodschas MinisterprĂ€sident Hun Manet schrieb auf Facebook: «Kambodscha hat sich stets fĂŒr eine friedliche Lösung von Problemen eingesetzt, doch in diesem Fall haben wir keine andere Wahl, als mit bewaffneten StreitkrĂ€ften auf bewaffnete Aggressionen zu reagieren.»
Erst kurz zuvor hatten beide LĂ€nder erklĂ€rt, ihre diplomatischen Beziehungen herabzustufen. Thailand rief seinen Botschafter aus Phnom Penh zurĂŒck und wies gleichzeitig den kambodschanischen Botschafter aus. Thailands Botschaft in Kambodscha empfahl thailĂ€ndischen Staatsangehörigen, die sich dauerhaft oder vorĂŒbergehend in Kambodscha aufhalten und deren Aufenthalt nicht zwingend erforderlich ist, das Land so schnell wie möglich zu verlassen â «soweit dies sicher möglich ist».
Landminen explodiert
Zuletzt war der Disput eskaliert, nachdem es bereits Ende Mai zu einem Schusswechsel zwischen Soldaten beider LĂ€nder gekommen war. Dabei war ein kambodschanischer Soldat getötet worden. Ende Juni hatte Thailand die GrenzĂŒbergĂ€nge in sechs Provinzen geschlossen.
Erst am Mittwoch waren mehrere thailĂ€ndische Soldaten durch die Explosion von Landminen in der umstrittenen Region verletzt worden. Einer verlor der Armee zufolge ein Bein. Thailand wirft dem Nachbarland vor, die Minen erst kĂŒrzlich verlegt zu haben.









