Studie zeigt: EuropÀische Firmen sind kaum auf Taiwan-Konflikt vorbereitet
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 14:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSEuropÀische Unternehmen sind einer neuen Studie zufolge nur unzureichend auf eine mögliche Eskalation zwischen China und Taiwan vorbereitet. Das berichten die beteiligten Institute mit dem Magazin Politico als Bezugsmedium.
Kaum konkrete Vorsorge
Lediglich zehn Prozent der befragten Firmen verfĂŒgen demnach ĂŒber konkrete Strategien fĂŒr ein solches Szenario. Sechs von zehn Unternehmen planen nicht, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. FĂŒr die European Business Survey wurden 228 Unternehmen in Europa befragt, 36 Prozent der Teilnehmer kamen aus Deutschland.
Risiken im TagesgeschÀft
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass das Bewusstsein fĂŒr wirtschaftliche Sicherheitsrisiken zwar wĂ€chst, konkrete VorsorgemaĂnahmen aber hĂ€ufig ausbleiben. So wird das Thema geopolitische Risiken lediglich bei einem Drittel der befragten Unternehmen regelmĂ€Ăig auf Managementebene behandelt.
Nur 24 Prozent planen MaĂnahmen, um ihre AbhĂ€ngigkeit von chinesischen Zulieferern zu verringern. Rund ein Drittel erwĂ€gt, strategische VorrĂ€te kritischer Rohstoffe anzulegen.
Belastungen durch Konflikte
Nach EinschÀtzung der Studienautoren hat der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine gezeigt, wie stark geopolitische Konflikte die Wirtschaft belasten können. 81 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sich der Krieg und die daraus resultierenden Sanktionen negativ auf ihre GeschÀftstÀtigkeit ausgewirkt hÀtten.
Auch der Konflikt zwischen den USA und China entwickelt sich der Umfrage zufolge zunehmend zum GeschĂ€ftsrisiko. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen spĂŒrt bereits negative Folgen der gegenseitigen Handels- und TechnologiebeschrĂ€nkungen. Unter den in China tĂ€tigen Firmen liegt der Anteil bei rund 50 Prozent.
Studienautor warnt vor PassivitÀt
Jacob Gunter vom China-Institut Merics, der die Studie mitverfasst hat, sagte, den Unternehmen sei inzwischen klar, dass geopolitische Konflikte ihre GeschÀfte unmittelbar beeintrÀchtigen können. Viel verÀndert habe dieses Bewusstsein bislang jedoch nicht.
Gunter sagte zudem, es sei besorgniserregend, dass Firmen ihre VorrÀte nicht stÀrker aufstockten und ihre Zulieferer nicht breiter diversifizierten, obwohl bereits heute absehbar sei, welche Produkte im Zentrum der anhaltenden Handels- und Technologiekonflikte stehen.
Die neue Studie ordnet ein Risiko ein, das fĂŒr viele europĂ€ische Unternehmen lĂ€ngst Teil der strategischen Planung sein mĂŒsste: eine Eskalation um Taiwan wĂŒrde nicht nur Lieferketten, sondern auch AbsatzmĂ€rkte, RohstoffzugĂ€nge und Investitionsentscheidungen treffen. Dass geopolitische Risiken inzwischen hĂ€ufiger auf Managementebene diskutiert werden, zeigt einen Bewusstseinswandel, ersetzt aber noch keine belastbaren VorsorgeplĂ€ne.
Besonders relevant ist der Befund, dass nur ein kleiner Teil der Firmen konkrete Strategien hat, obwohl der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits verdeutlicht hat, wie schnell Sanktionen, Transportprobleme und politische GegenmaĂnahmen die GeschĂ€ftslage verschlechtern können. FĂŒr Unternehmen mit engen Verflechtungen nach China oder Taiwan ist das ein Hinweis, dass operative Resilienz inzwischen zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor geworden ist.
Wachsende Risiken, langsame Anpassung
Der Konflikt zwischen den USA und China verschĂ€rft die Lage zusĂ€tzlich, weil Handels- und TechnologiebeschrĂ€nkungen bereits heute spĂŒrbare Folgen haben. FĂŒr europĂ€ische Firmen bedeutet das: Wer AbhĂ€ngigkeiten von einzelnen Zulieferern, MĂ€rkten oder kritischen Rohstoffen nicht systematisch reduziert, bleibt anfĂ€llig fĂŒr politische Schocks, die sich ĂŒber Wochen oder Monate in Umsatz, Produktion und Preisniveau niederschlagen können.
Bedeutung fĂŒr den Standort Europa
Die Studie verweist damit indirekt auf eine gröĂere wirtschaftspolitische Aufgabe. Europas Unternehmen bewegen sich in einer Phase, in der Globalisierung nicht verschwindet, aber politischer wird. Wer Lieferketten, Lagerhaltung und Beschaffung neu ordnet, reagiert nicht nur auf ein Taiwan-Szenario, sondern auf eine anhaltende Verschiebung zwischen Effizienz und Sicherheit.
