Umstrittener PrÀsident El Salvadors bei Wahl weit vorne
05.02.2024 - 06:29:58El Salvadors umstrittener PrÀsident Nayib Bukele steht vor einem klaren Sieg bei der PrÀsidenten- und Parlamentswahl in dem mittelamerikanischen Land - obwohl ihm eine zweite Amtszeit gemÀà Verfassung gar nicht gestattet wÀre.
Nach AuszĂ€hlung von knapp einem Drittel der Stimmen kam der konservative Staatschef auf einen Stimmenanteil von knapp 83 Prozent, wie das Oberste Wahlgericht am spĂ€ten Sonntagabend mitteilte. Bukele ist fĂŒr sein hartes Vorgehen gegen die KriminalitĂ€t und seinen autoritĂ€ren Kurs bekannt.
Noch wÀhrend die Stimmen ausgezÀhlt wurden, hatte sich der 42-JÀhrige zum Sieger der Wahlen erklÀrt. Seine Partei Nuevas Ideas (Neue Ideen) habe zudem mindestens 58 der 60 Sitze im Parlament errungen, schrieb er auf der Online-Plattform X, vormals Twitter.
Tausende jubelnde AnhĂ€nger versammelten sich kurz darauf zum Feiern vor dem Nationalpalast in der Hauptstadt San Salvador. Zur Stimmabgabe waren rund 6,2 Millionen BĂŒrger aufgerufen gewesen, darunter 741.000 Salvadorianer im Ausland.
Kampf gegen kriminelle Banden
In einer Pressekonferenz wies Bukele den Vorwurf zurĂŒck, er regiere sein Land autokratisch und lasse unschuldige Menschen massenhaft inhaftieren. «El Salvador war die Mordhauptstadt der Welt», sagte der frĂŒhere Werbefachmann. Jetzt sei es das sicherste Land des amerikanischen Kontinents. Das Wahlergebnis werde den Willen der Salvadorianer deutlich zum Ausdruck bringen.
Deutschland mahnt Bukele die Wahrung der BĂŒrgerrechte an. Auch bei einem entschlossenen Kampf gegen die KriminalitĂ€t mĂŒssten Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit beachtet werden, sagte eine Sprecherin des AuswĂ€rtigen Amtes.
Eigentlich untersagt die Verfassung El Salvadors die direkte Wiederwahl des PrĂ€sidenten. Regierungstreue Verfassungsrichter lieĂen aber eine Kandidatur Bukeles fĂŒr eine zweite, fĂŒnfjĂ€hrige Amtszeit zu. Um das Verbot zu umgehen, lieĂ sich der Staatschef am 1. Dezember fĂŒr sechs Monate beurlauben - bis zum Tag der geplanten AmtseinfĂŒhrung am 1. Juni. Eine loyale Beamtin ĂŒbernahm wĂ€hrenddessen formell das politische TagesgeschĂ€ft, Bukeles Einfluss blieb dadurch faktisch unbeschnitten.
Der frĂŒhere BĂŒrgermeister der Hauptstadt San Salvador ist seit 2019 PrĂ€sident und hat unter anderem die DigitalwĂ€hrung Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador eingefĂŒhrt. Im Kampf gegen die kriminellen Banden im Land, die sogenannten Maras, lieĂ er im MĂ€rz 2022 den Ausnahmezustand erklĂ€ren. Dadurch wurden Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit eingeschrĂ€nkt. Mehr als 75.000 mutmaĂliche Bandenmitglieder wurden seither festgenommen. Kritiker warnen vor einer weiteren SchwĂ€chung der Gewaltenteilung und demokratischen Kontrolle unter Bukeles Ăgide im kleinsten Land Mittelamerikas.


