Fossiler, Ausstieg

Fossiler Ausstieg als gemeinsames Klima-Ziel?

11.12.2023 - 15:44:11 | dpa.de

Endet die UN-Klimakonferenz morgen? Angesichts der zÀhen Verhandlungen rechnen fast alle mit einer VerlÀngerung. Im Entwurf der AbschlusserklÀrung fehlt ein umstrittener Punkt.

Der UN-Klimagipfel in Dubai soll morgen zu Ende gehen - sollte er nicht verlÀngert werden. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
Der UN-Klimagipfel in Dubai soll morgen zu Ende gehen - sollte er nicht verlÀngert werden. - Foto: Hannes P. Albert/dpa

Ein neuer Entwurf fĂŒr den Abschlusstext der Weltklimakonferenz in Dubai sieht keinen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas mehr vor. In dem 21-Seiten-Papier ist nur noch von einer Reduzierung beim Verbrauch und der Produktion fossiler Brennstoffe die Rede. In einer vorherigen Version war der Ausstieg noch als eine von mehreren Optionen erwĂ€hnt worden. Umweltorganisationen reagierten enttĂ€uscht - ebenso wie Staaten, die besonders von der Klimakrise bedroht sind.

Man sei nicht nach Dubai gekommen, «um unser Todesurteil zu unterschreiben», sagte der Chef-Verhandler der vom steigenden Meerespiegel bedrohten Marshall-Inseln, John Silk. «Wir werden nicht stillschweigend in unsere wÀssrigen GrÀber gehen.»

Der geschĂ€ftsfĂŒhrende Vorstand von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, sagte, er sei «wirklich fassungslos», dass die PrĂ€sidentschaft der Vereinigten Arabischen Emirate einen Text vorlege, «der die WĂŒnsche und Interessen der Öl und Gasindustrie bedient, aber nicht der Menschen, die jetzt schon unter den Überschwemmungen und DĂŒrren am meisten leiden.» Gerade beim Ausstieg aus den fossilen EnergietrĂ€gern, die ĂŒber 100 Staaten eingefordert haben, sei der Entwurf sehr unverbindlich. «Er kann, wenn er so verabschiedet wird, diese Konferenz zum Scheitern bringen», warnte Kaiser. Jetzt liege es an Außenministerin Annalena Baerbock und ihren EU-Kollegen, gemeinsam mit den Inselstaaten und den am meisten verwundeten Staaten dafĂŒr zu sorgen, «dass diese Unverbindlichkeit aus dem Dokument wegkommt und wir einen verbindlichen Ausstieg bekommen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas.»

Paris-Ziel damit «aus dem Fenster geworfen»?

Jan Kowalzig, Experte der Organisation Oxfam, sprach von einer «sehr schwachen Formulierung» zur Abkehr von fossilen Energien. Und sogar die anderen angestrebten Ziele - eine Verdreifachung der erneuerbaren Energien und die Verdoppelung der Energieeffizienz - fĂ€nden sich nicht als Ziel wieder, sondern nur als eine mögliche Maßnahme. «So darf die COP28 nicht enden», warnte er.

Das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel werde mit diesem Entwurf «trotz gegenteiliger Beteuerungen an anderer Stelle im Text wohl aus dem Fenster geworfen». Kowalzig forderte, die EuropĂ€ische Union dĂŒrfe der ErklĂ€rung in keinem Fall zustimmen und mĂŒsse diesen Text mit ihren VerbĂŒndeten unter den EntwicklungslĂ€ndern lautstark ablehnen und erhebliche Nachbesserungen einfordern.

Der GrĂŒnen-EU-Abgeordente Michael Bloss sagte, die schlimmsten Erwartungen wĂŒrden bestĂ€tigt. «Die fossilen Interessen ersticken jede Hoffnung auf die Einhaltung von 1,5 Grad im Keim.» Die Aussicht, das fossile Zeitalter zu beenden, werde in Dubai gerade in den Sand gesetzt. Europa und seine Regierungen mĂŒssten ohne ein klares Bekenntnis zum Ende von Kohle, Öl und Gas diese Konferenz platzen lassen.

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