Iran, USA

USA erhöhen mit neuen Angriffen und Drohungen Druck auf Iran

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 02:33 Uhr, dpa.de

Eng getaktete Angriffe, Drohungen, blockierte Schiffe: Der Krieg gewinnt wieder an Fahrt und erfasst lÀngst die ganze Region. Doch der US-PrÀsident bescheinigt dem Iran auch eine Geste guten Willens.

  • Das US-MilitĂ€r hat erneut Angriffe gegen Ziele im Iran aufgenommen. (Archivfoto) - Bild: Kendall Torres CortĂ©s/dpa
    Das US-MilitÀr hat erneut Angriffe gegen Ziele im Iran aufgenommen. (Archivfoto) - Bild: Kendall Torres Cortés/dpa
  • Trump droht dem Iran mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur wie BrĂŒcken und Kraftwerke. - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    Trump droht dem Iran mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur wie BrĂŒcken und Kraftwerke. - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Das US-MilitĂ€r hat erneut Angriffe gegen Ziele im Iran aufgenommen. (Archivfoto) - Bild: Kendall Torres CortĂ©s/dpa Trump droht dem Iran mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur wie BrĂŒcken und Kraftwerke. - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Nach den neuen Angriffen und Drohungen der USA gegen den Iran scheint eine diplomatische Lösung erneut in weite Ferne gerĂŒckt zu sein. Das US-MilitĂ€r startete am Mittwoch gleich zwei Angriffswellen und attackierte zudem ein Schiff, das gegen die Blockade iranischer HĂ€fen verstoßen haben soll.

US-PrĂ€sident Donald Trump drohte erneut mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur, ehe er wenig spĂ€ter versöhnliche Töne anschlug. Der Iran habe einer Ende 2024 in Haft genommenen US-BĂŒrgerin erlaubt, das Land zu verlassen, teilte Trump auf Truth Social mit. «Die Vereinigten Staaten von Amerika wissen diese Geste des guten Willens seitens des Irans zu schĂ€tzen!» Details zu der Frau nannte Trump nicht, er schrieb bloß, dass sie sich außer Landes befinde und in Sicherheit sei.

Zwei Angriffswellen an einem Tag

Zuvor hatte das US-MilitĂ€r allein am Mittwoch zwei Angriffswellen gegen den Iran gestartet, die jĂŒngste begann um 15.00 US-OstkĂŒstenzeit (21.00 Uhr deutscher Zeit), wie das fĂŒr die Region zustĂ€ndige Kommando des US-MilitĂ€rs (Centcom) auf der Plattform X mitteilte. Mit den Angriffen solle die FĂ€higkeit des Irans eingeschrĂ€nkt werden, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen. Konkretere Angaben zum Ziel der Angriffe machten die StreitkrĂ€fte zunĂ€chst nicht.

Die regierungsnahe iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete von drei Explosionen in der Hafenstadt Tschabahar. Angriffe soll es demnach auch in Rask im Ă€ußersten SĂŒdosten des Landes sowie in der Umgebung von Bandar Abbas am Persischen Golf und in Ahwas im SĂŒdwesten gegeben haben. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete unter Berufung auf einen lokalen Behördenvertreter, vier Orte am Rande von Ahwas seien getroffen worden.

Sirenen heulen in Bahrain

Kurz nach Beginn der neuen Angriffswelle der USA auf Ziele im Iran waren in den mit den USA verbĂŒndeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain wieder Sirenen und ExplosionsgerĂ€usche zu hören. Die Flugabwehr sei wegen Drohnenattacken aktiviert worden, teilte die Armee des Emirats Kuwait auf der Plattform X mit. In Bahrain wurde die Bevölkerung aufgerufen, Ruhe zu bewahren und sich in Sicherheit zu bringen. Wie schon in den NĂ€chten zuvor wurde auch diesmal nichts NĂ€heres bekannt, aber beide LĂ€nder sind im Krieg immer wieder Ziel iranischer Vergeltungsangriffe.

In Kuwait fingen die StreitkrĂ€fte schon am Mittwoch nach eigenen Angaben vier Marschflugkörper und 21 Drohnen ab, die in den Luftraum des Landes eingedrungen waren. Das US-MilitĂ€r unterhĂ€lt dort wie auch in Bahrain und anderen arabischen Staaten der Region MilitĂ€rstĂŒtzpunkte.

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zeigte sich «zutiefst besorgt» von der anhaltenden militĂ€rischen Eskalation in der Region. Er rief alle Beteiligten auf, sofort Schritte zur Deeskalation zu unternehmen und zu Dialog und Diplomatie zurĂŒckzukehren. Sollten die Kampfhandlungen wieder in vollem Umfang aufgenommen werden, drohten «katastrophale Konsequenzen», warnte er. Zudem forderte Guterres erneut, dass der freie Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus sichergestellt werden mĂŒsse.

USA setzen Seeblockade durch - auch mit Angriff auf Tanker

Neben den gegenseitigen Angriffen sorgt auch die US-Seeblockade gegen iranische HĂ€fen fĂŒr Spannungen, die US-StreitkrĂ€fte nach einer zwischenzeitlichen Pause seit Dienstag wieder durchsetzen. Innerhalb der ersten 24 Stunden leiteten sie nach eigenen Angaben zwei Handelsschiffe um, die versucht hĂ€tten, die Blockade zu durchbrechen. 

Zudem griff das US-MilitĂ€r am Mittwoch laut Centcom einen unbeladenen Öltanker an, der demnach einen iranischen Hafen im Persischen Golf ansteuern wollte. Die Schiffsbesatzung habe verschiedene Warnungen ignoriert und versucht, gegen die Seeblockade zu verstoßen. Das Schiff sei in internationalen GewĂ€ssern in Richtung der fĂŒr Irans Ölindustrie wichtigen Insel Charg unterwegs gewesen. Man habe den Schornstein des unter der Flagge Curaçaos fahrenden Schiffes mit Raketen beschossen und es manövrierunfĂ€hig gemacht, teilte das US-MilitĂ€r mit. 

Die USA hatten wĂ€hrend des Iran-Kriegs bereits ab Mitte April eine Seeblockade gegen Schiffe durchgesetzt, die iranische HĂ€fen oder KĂŒstengebiete ansteuern oder von dort wegfahren. Diese wurde dann aber im Zuge des Rahmenabkommens mit Teheran Mitte Juni aufgehoben. WĂ€hrend dieser frĂŒheren Seeblockade hatte das US-MilitĂ€r nach eigenen Angaben mehr als 140 Schiffe umgeleitet und neun Schiffe manövrierunfĂ€hig gemacht, deren Besatzungen nicht kooperieren wollten. 

Was hat Trump vor?

Das «Wall Street Journal» berichtet unter Berufung auf US-Beamte, dass Trump zu einer Ausweitung des militĂ€rischen Vorgehens gegen den Iran tendiere, aber noch keine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber die nĂ€chsten Schritte getroffen habe. Optionen sind demnach, die Luftangriffe auszuweiten, Bodentruppen zur Eroberung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus einzusetzen sowie die Bombardierung einer iranischen Atomeinrichtung, die als «Pickaxe Mountain» bekannt ist. Trump hatte jĂŒngst mit einem Angriff auf den Komplex gedroht, der im Berg Kuh-e Kolang sĂŒdlich der Nuklearanlage Natans im Zentraliran liegt.

Der US-PrĂ€sident hatte dem Iran zudem einmal mehr mit Angriffen auf zivile Infrastruktur gedroht. Auf die Frage einer Journalistin, ob er dem Iran ein Ultimatum gebe, bevor das US-MilitĂ€r mit Bombenangriffen auf BrĂŒcken beginnen wĂŒrde, sagte Trump am Mittwoch: «Ich mag es nicht, Fristen zu setzen.»

Trump: Verhandeln oder die «Sache zu Ende bringen»

Am Dienstag hatte Trump einem Interview des US-Senders Fox News noch gesagt, nĂ€chste Woche wĂŒrden alle Kraftwerke und BrĂŒcken zerstört, «es sei denn, sie (die Iraner) kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln». Er kĂŒndigte zudem heftige Angriffe auch in den kommenden NĂ€chten an.

Am Mittwoch wiederholte Trump dann seine Behauptung, der Iran wolle «unbedingt» eine Vereinbarung zur Beilegung der KĂ€mpfe schließen. «Ihnen gefĂ€llt nicht, was wir tun, und sie wollen die Sache tatsĂ€chlich beilegen», teilte Trump mit. «Wir werden sehen, ob wir uns mit ihnen einigen oder ob wir die Sache einfach zu Ende bringen.»

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