Steht Biden-RĂŒckzug bevor? Druck auf PrĂ€sidenten immens
19.07.2024 - 16:19:12Im US-Wahlkampf mehren sich die Anzeichen, dass der demokratische PrĂ€sident Joe Biden womöglich aus dem Rennen um eine zweite Amtszeit aussteigen könnte. Angesichts von enormem Druck aus der eigenen Partei schlieĂt der 81-JĂ€hrige einen RĂŒckzug Medienberichten zufolge nicht mehr kategorisch aus. Auch die allererste Reihe der Demokraten soll mittlerweile versucht haben, Biden zum RĂŒckzug zu bewegen. Als möglicher Ersatz ist in den vergangenen Wochen Bidens Stellvertreterin Kamala Harris mehr und mehr in den Fokus gerĂŒckt.Â
Biden hat sich nach einer Infektion mit dem Coronavirus in sein Privathaus in Rehoboth Delaware zurĂŒckgezogen. Er nimmt derzeit keine öffentlichen Termine wahr. Ăffentlich hat er die RĂŒckzugsforderungen bislang entschieden zurĂŒckgewiesen. Auch sein Wahlkampfteam betont beharrlich, er habe nicht vor, hinzuschmeiĂen.Â
Medien: Biden-Umfeld hĂ€lt dessen RĂŒckzug fĂŒr möglich
Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf mehrere Personen aus dem nahen Umfeld des Demokraten, der 81-JĂ€hrige scheine allmĂ€hlich zu akzeptieren, dass er seinen Wahlkampf womöglich aufgeben mĂŒsse. Er habe jedoch noch keine Entscheidung getroffen.
Eine der Personen sagte dem Bericht zufolge, es wĂ€re keine Ăberraschung, wenn er statt seiner selbst die Stellvertreterin Kamala Harris als PrĂ€sidentschaftskandidatin fĂŒr die Wahl im November vorschlagen wĂŒrde. Ăhnliche Stimmen zitierte auch «The Hill». In diesem Bericht hieĂ es auĂerdem, gut vernetzte Kenner der Demokratischen Partei gingen davon aus, dass Biden zeitnah eine AnkĂŒndigung zu seiner politischen Zukunft machen könnte.Â
Der Sender NBC News berichtete, Mitglieder aus Bidens Familie hĂ€tten darĂŒber beraten, wie ein mögliches Ausstiegsszenario im Falle einer RĂŒckzugentscheidung aussehen könnte. Der Sender berief sich dabei auf zwei anonyme mit den GesprĂ€chen vertraute Quellen. Ăberlegungen zu den Auswirkungen auf den Wahlkampf, auf Bidens Gesundheit, die Familie und die StabilitĂ€t des Landes stĂŒnden bei den Diskussionen im Vordergrund, hieĂ es dort.
Nach dem Attentat auf den republikanischen PrĂ€sidentschaftskandidaten Donald Trump war die Debatte ĂŒber Bidens Fitness fĂŒr eine zweite Amtszeit kurzzeitig in den Hintergrund getreten - sie kam aber im Laufe der Woche mit voller Wucht zurĂŒck. Die Corona-Infektion des PrĂ€sidenten kam dann noch hinzu. Sie dĂŒrfte Biden, der eine Wahlkampfreise abbrechen musste, Zeit zum Nachdenken geben.Â
Vize Kamala Harris im Fokus
Als die Diskussionen um einen möglichen Biden-Ersatz entbrannte, fiel der Name von Bidens VizeprĂ€sidentin, die im Amt auffĂ€llig blass geblieben war, nicht als Erstes. Doch in den vergangenen Tagen richteten sich die Augen der Demokraten zunehmend auf Harris. Einige ihrer Parteikollegen begannen, die Leistung der 59-JĂ€hrigen öffentlich zu loben.Â
Biden selbst pries die Verdienste seiner Stellvertreterin bei einer Wahlkampfrede vor schwarzen WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern auffallend offensiv an. Er sagte: «Sie ist nicht nur eine groĂartige VizeprĂ€sidentin, sie könnte auch PrĂ€sidentin der Vereinigten Staaten sein.» Mehrfach betonte er, was Harris und er gemeinsam fĂŒr das Land erreicht hĂ€tten.Â
Harris ist die erste Schwarze, die den Eid als US-VizeprĂ€sidentin abgelegt hat. Ihr Vater wanderte einst aus Jamaika ein, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter - eine Krebsforscherin und BĂŒrgerrechtlerin - kam aus Indien. Als Vize gilt Harris als natĂŒrliche Nachfolgerin Bidens. Die Demokraten brĂ€uchten gute GrĂŒnde, die erste schwarze VizeprĂ€sidentin einfach zu ĂŒbergehen.Â
Auch Trump und seine Republikaner haben sich im Wahlkampf bereits auf Harris eingeschossen. «Die Demokraten beginnen, sich hinter Kamala Harris zu versammeln, da es nicht mehr zu leugnen ist, dass Joe Biden ungeeignet fĂŒr das Amt ist», hieĂ es in einer bereits vor mehr als zwei Wochen verschickten Werbemail fĂŒr Trump.Â
Bedenken von ganz oben in der Partei
Dass nichtöffentliche Wortmeldungen der einflussreichsten Demokraten im Land in den vergangenen Tagen quasi parallel nach auĂen drangen, dĂŒrfte kein Zufall sein.Â
Die «Washington Post» berichtete, der frĂŒhere PrĂ€sident Barack Obama, dessen Vize Biden damals war, habe vertrauten Personen gesagt, dass Bidens Chancen auf einen Wahlsieg stark gesunken seien und dieser sein Festhalten an der Kandidatur ĂŒberdenken solle.
CNN berichtete, die Spitzenpolitikerin und enge Vertraute Bidens, Nancy Pelosi habe dem PrĂ€sidenten in einem persönlichen GesprĂ€ch gesagt, er könne Trump im Rennen ums WeiĂe Haus nicht schlagen. Sie hat sich öffentlich bislang zwar nicht offen gegen ihn gestellt, ihm aber auch nicht den RĂŒcken gestĂ€rkt.Â
Im Vertrauen sollen neben Pelosi und Obama auch andere Spitzen-Demokraten den Daumen ĂŒber Biden gesenkt haben. Die beiden fĂŒhrenden Demokraten im US-Kongress, Hakeem Jeffries und Chuck Schumer, warnten Biden ĂŒbereinstimmenden Medienberichten zufolge davor, an seiner PrĂ€sidentschaftsbewerbung festzuhalten.Â
Kontrastprogramm bei den RepublikanernÂ
Bidens republikanischer Kontrahent Trump lieĂ sich am Donnerstagabend (Ortszeit) mit einem groĂen Spektakel auf dem Parteitag in Milwaukee feiern und prĂ€sentierte sich nach dem Attentat auf ihn stĂ€rker denn je. In seiner mit Spannung erwarteten Rede nahm der 78-JĂ€hrige unter groĂem Jubel die Nominierung zum PrĂ€sidentschaftskandidaten seiner Partei an. Trump sprach auch ĂŒber die Schreckmomente des Attentates. «Ich stehe hier vor euch, in dieser Arena, nur durch die Gnade des allmĂ€chtigen Gottes», sagt er.Â
Dann driftete er ab in seine ĂŒbliche Wahlkampfrhetorik, hetzte unter anderem minutenlang gegen Migranten und benutzte in diesem Kontext entmenschlichende Sprache. Bidens Wahlkampfteam warnte nach Trumps Rede vor einer erneuten PrĂ€sidentschaft des Republikaners, der eine «noch extremere Vision fĂŒr das Land» verfolge.Â





