Idol, Linken

Idol der Linken: Uruguays Ex-PrÀsident Mujica gestorben

13.05.2025 - 21:54:48 | dpa.de

Er wohnte auf einem bescheidenen Bauernhof und fuhr einen klapprigen VW KĂ€fer. Den grĂ¶ĂŸten Teil seines Gehaltes spendete er, galt als «Àrmster PrĂ€sident der Welt». Das brachte ihm viel Sympathie ein.

  • Der frĂŒhere PrĂ€sident zĂŒchtete auf seiner Farm in der NĂ€he von Montevideo Blumen. (Archivbild) - Foto: Matilde Campodonico/AP/dpa
    Der frĂŒhere PrĂ€sident zĂŒchtete auf seiner Farm in der NĂ€he von Montevideo Blumen. (Archivbild) - Foto: Matilde Campodonico/AP/dpa
  • Mujica starb an der Seite seiner Frau Lucia Topolansky auf seinem Bauernhof vor den Toren von Montevideo. - Foto: Esteban Felix/AP/dpa
    Mujica starb an der Seite seiner Frau Lucia Topolansky auf seinem Bauernhof vor den Toren von Montevideo. - Foto: Esteban Felix/AP/dpa
  • Zahlreiche linke PrĂ€sidenten der Region wie Chiles Staatschef Boric kondolierten. - Foto: Matilde Campodonico/AP/dpa
    Zahlreiche linke PrÀsidenten der Region wie Chiles Staatschef Boric kondolierten. - Foto: Matilde Campodonico/AP/dpa
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Als Guerillero kĂ€mpfte er mit Waffengewalt gegen den Staat, als PrĂ€sident mit politischen Mitteln gegen die Armut. Nach dem Ende seiner Amtszeit widmete sich JosĂ© «Pepe» Mujica der Blumenzucht. Jetzt ist der frĂŒhere uruguayische Staatschef (2010-2015) im Alter von 89 Jahren auf seinem kleinen Bauernhof vor den Toren von Montevideo gestorben. 

«Wir werden dich sehr vermissen, lieber alter Mann. Wir danken dir fĂŒr alles, was du uns gegeben hast, und fĂŒr deine tiefe Liebe zu deinem Volk», schrieb der amtierende PrĂ€sident YamandĂș Orsi auf der Plattform X. Die Regierung des sĂŒdamerikanischen Landes ordnete eine dreitĂ€gige Staatstrauer an. 

Mujica galt als «Àrmster PrÀsident der Welt»

Mit seiner bescheidenen und nahbaren Art wurde Mujica zu einem Idol der lateinamerikanischen Linken. Auch als PrĂ€sident wohnte er in einem einfachen Bauernhaus in der NĂ€he der Hauptstadt Montevideo mit nur drei Zimmern und einem Kohleofen. Er fuhr einen alten VW KĂ€fer und spendete einen Großteil seines Gehalts, weshalb er als «Àrmster PrĂ€sident der Welt» galt.

Seine Kritik galt vor allem der Konsumgesellschaft. «Wenn wir die BedĂŒrfnisse vervielfachen, verbringen wir unsere Lebenszeit nur noch damit, diese BedĂŒrfnisse zu befriedigen. Der Markt beherrscht uns und nimmt uns unsere Lebenszeit», sagte er wĂ€hrend seiner Krebsbehandlung in einem Interview. «Wir mĂŒssen fĂŒr das menschliche GlĂŒck kĂ€mpfen, nicht fĂŒr Reichtum.» 

Kolumbiens PrĂ€sident Gustavo Petro, ebenfalls ein ehemaliger Guerrillero, wĂŒrdigte Mujica als «großen RevolutionĂ€r». Die mexikanische Staatschefin Claudia Sheinbaum bezeichnete ihn als «ein Vorbild fĂŒr Lateinamerika und die ganze Welt wegen seiner Weisheit, seines Denkens und seiner Demut.» Chiles linker PrĂ€sident Gabriel Boric schrieb auf X: «Wenn du uns etwas hinterlassen hast, dann ist es die unauslöschliche Hoffnung, dass es möglich ist, die Dinge besser zu machen.» 

Fast 15 Jahre in Haft

JosĂ© Alberto Mujica Cordano wurde am 20. Mai 1935 in Montevideo geboren. Schon seine Eltern betrieben die Blumenzucht, die Mujica spĂ€ter ĂŒbernahm. In den 1960er Jahren schloss er sich der Guerilla-Gruppe Tupamaros an und beteiligte sich an ÜberfĂ€llen, EntfĂŒhrungen und Bankrauben. Er wurde schließlich festgenommen und blieb bis zum Ende der MilitĂ€rdiktatur (1973-1985) insgesamt fast 15 Jahre in Haft, davon rund 13 Jahre in Einzelhaft. 

Nach der RĂŒckkehr zur Demokratie schwor Mujica dem bewaffneten Kampf ab und ging in die Politik. Er war Abgeordneter im ReprĂ€sentantenhaus und spĂ€ter im Senat, bevor er 2005 das Amt des Landwirtschaftsministers ĂŒbernahm. Im Alter von 74 Jahren gewann er 2009 als Kandidat der linken Koalition Frente Amplio schließlich die PrĂ€sidentenwahl.

WĂ€hrend seiner Amtszeit wuchs die Wirtschaft, die Armut ging zurĂŒck. Er entkriminalisierte Abtreibungen, erlaubte gleichgeschlechtliche Ehen, gewĂ€hrte aus GuantĂĄnamo entlassenen US-HĂ€ftlingen Asyl und leitete die Legalisierung von Cannabis ein. Nach dem Ende seiner fĂŒnfjĂ€hrigen PrĂ€sidentschaft wurde er erneut in den Senat gewĂ€hlt. WĂ€hrend der Corona-Pandemie gab er seinen Sitz aus Angst vor einer Infektion schließlich auf.

Lebensabend auf bescheidenem Bauernhof

Seine letzten Jahre verbrachte Mujica mit seiner Frau, der Ex-Guerillera und frĂŒheren Abgeordneten LucĂ­a Topolansky, auf ihrer bescheidenen Farm. Hin und wieder Ă€ußerte er sich noch zu politischen Themen, beispielsweise zu einer von BetrugsvorwĂŒrfen ĂŒberschatteten PrĂ€sidentenwahl in Venezuela. Nachdem bei ihm Speiseröhrenkrebs diagnostiziert wurde, unterzog er sich einer Strahlentherapie.

Wie sich die Menschen an ihn erinnern sollen, wurde er in einem Interview gefragt, als er bereits schwer krank war. Seine Antwort: «So wie ich bin: ein alter VerrĂŒckter.»

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