Israels, Armee

Israels Armee geht weiter gegen Hamas und Hisbollah vor

07.09.2024 - 04:40:01 | dpa.de

Erneut greift die israelische Armee in Gaza nach eigenen Angaben eine Kommandozentrale der Hamas an. Und auch an anderen Fronten geht die Gewalt weiter.

  • Die militĂ€rischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah gehen weiter. (Archivbild) - Foto: Taher Abu Hamdan/XinHua/dpa
    Die militÀrischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah gehen weiter. (Archivbild) - Foto: Taher Abu Hamdan/XinHua/dpa
  • Das Weiße Haus hat sich nach dem Tod der Aktivistin an Israel gewandt. (Archivbild) - Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa
    Das Weiße Haus hat sich nach dem Tod der Aktivistin an Israel gewandt. (Archivbild) - Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa
Die militĂ€rischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah gehen weiter. (Archivbild) - Foto: Taher Abu Hamdan/XinHua/dpa Das Weiße Haus hat sich nach dem Tod der Aktivistin an Israel gewandt. (Archivbild) - Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa

Genau elf Monate nach dem beispiellosen Massaker der islamistischen Hamas in Israel geht der jĂŒdische Staat an mehreren Fronten weiter energisch gegen seine Feinde vor. Im Gazastreifen flog die israelische Luftwaffe am Abend einen Angriff, der nach ihren Angaben einer Kommandozentrale der Hamas galt. Die Terroristen hĂ€tten sie in einem ehemaligen SchulgebĂ€ude errichtet, teilte die israelische Armee auf ihrem Telegram-Kanal mit. 

Israelische Kampfflugzeuge hĂ€tten zudem am selben Abend mehr als 15 Abschussrampen und militĂ€rische Infrastruktur der mit der Hamas verbĂŒndeten Hisbollah-Miliz im SĂŒden des Libanon attackiert, hieß es weiter. Laut der israelischen Armee waren einige der Abschussanlagen fĂŒr bevorstehende Raketenangriffe auf Israel vorbereitet. Ein Ende der Feindseligkeiten ist auch nach nunmehr fast einem Jahr seit Beginn des Krieges im Gazastreifen nicht in Sicht.

Israels Armee: Kommandozentrale der Hamas attackiert

In der zurĂŒckliegenden Woche seien in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen mehr als 40 terroristische Einrichtungen zerstört worden, teilte die Armee am frĂŒhen Abend in einer Wochenbilanz mit. Dazu zĂ€hlten «als Schulen, Hochschulen und humanitĂ€re Gebiete getarnte Kommando- und Kontrollzentren». Außerdem seien in dem Zeitraum mehr als 100 Terroristen «eliminiert» und mehrere TunnelschĂ€chte entdeckt worden. 

Am spĂ€ten Abend teilte die israelische Armee dann mit, die Terroristen hĂ€tten das im Norden Gazas angegriffene frĂŒhere SchulgebĂ€ude zur Planung und AusfĂŒhrung von TerroranschlĂ€gen auf Israels Truppen und den Staat Israel benutzt. Vor dem Angriff mit PrĂ€zisionsmunition seien zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden, um das Risiko verringern, dass Zivilisten zu Schaden kommen, hieß es. Angaben zu möglichen Opfern machte das MilitĂ€r nicht. Die Darstellung ließ sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen.

Dutzende Tote im Westjordanland

WĂ€hrend des großangelegten Armeeeinsatzes gegen islamistische Extremisten in Dschenin, Tulkarm und Fara im Westjordanland seien in den vergangenen Tagen etwa 35 Terroristen «eliminiert» und rund 45 weitere Personen festgenommen worden, teilte das MilitĂ€r in seiner Wochenbilanz mit. Zudem seien Dutzende Waffen sowie Sprengstoff beschlagnahmt und drei Sprengstofflabors zerstört worden. Der zehntĂ€gige Einsatz in der Stadt Dschenin, die als Hochburg militanter PalĂ€stinenser gilt, ist einem palĂ€stinensischen Medienbericht zufolge inzwischen beendet.

Das Weiße Haus hat unterdessen nach dem Tod einer US-amerikanischen Aktivistin im Westjordanland von Israel eine Untersuchung des Falls gefordert. «Wir haben uns an die israelische Regierung gewandt, um mehr Informationen und eine Untersuchung des Vorfalls zu ersuchen», sagte die Sprecherin von US-PrĂ€sident Joe Biden, Karine Jean-Pierre. «Lassen Sie uns zunĂ€chst einmal herausfinden, was genau passiert ist, und wir werden daraus die notwendigen SchlĂŒsse und Konsequenzen ziehen», sagte US-Außenminister Antony Blinken. 

USA fordern nach Tod einer Amerikanerin Untersuchung

Nach palĂ€stinensischen Angaben war die Amerikanerin tĂŒrkischer Herkunft bei einem Protest gegen einen Siedlungsaußenposten durch SchĂŒsse israelischer Soldaten getötet worden. Israels Armee wollte dies nach eigenen Angaben prĂŒfen. Es habe in der Gegend eine «gewalttĂ€tige AktivitĂ€t» gegeben, woraufhin israelische EinsatzkrĂ€fte auf die Person gefeuert hĂ€tten, die diese hauptsĂ€chlich angestiftet habe. Die Person habe Steine geworfen und Israels SicherheitskrĂ€fte bedroht, hieß es. Ob es sich dabei um die Amerikanerin handelte, blieb zunĂ€chst offen.

Israel konzentriert sich auf Kampf gegen die Hisbollah

Bei den Auseinandersetzungen mit der proiranischen Hisbollah im Libanon zerstörte Israels Armee nach eigenen Angaben in der zurĂŒckliegenden Woche Dutzende Raketenwerfer, die auf Gemeinden im Norden Israels gerichtet gewesen seien. Es habe etwa 50 Angriffe auf GebĂ€ude, Infrastruktur und Waffenlager im Nachbarland gegeben, teilte das MilitĂ€r am Abend mit. Israels StreitkrĂ€fte seien derzeit «sehr auf den Kampf gegen die Hisbollah konzentriert», sagte Generalstabschef Herzi Halevi bei einer Lagebesprechung.

Das Nordkommando der israelischen Armee treffe «einen Großteil der Hisbollah-KapazitĂ€ten im Libanon, bevor sie uns angreifen kann», wurde Halevi in einer Mitteilung der Armee zitiert. Gleichzeitig bereite man sich auf «Offensivmaßnahmen» vor.

Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen zwischen Israel und der Hamas kommt es im Grenzgebiet zum Libanon nahezu tÀglich zu militÀrischen Konfrontationen mit der Hisbollah-Miliz. Auf beiden Seiten gab es bereits Tote - die meisten von ihnen waren Mitglieder der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz handelt nach eigenen Angaben aus SolidaritÀt mit der Hamas im Gazastreifen.

Auslöser des Gaza-Krieges war der Terrorangriff der Hamas und anderer islamistischer Gruppen am 7. Oktober vergangenen Jahres im israelischen Grenzgebiet. Dabei waren mehr als 1.200 Menschen getötet und etwa 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden. Israel reagierte mit Luftangriffen und einer Bodenoffensive in Gaza. 

Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seither mehr als 40.800 PalĂ€stinenser in dem abgeriegelten Gebiet getötet und mehr als 94.400 weitere verletzt. Die Zahlen unterscheiden nicht zwischen KĂ€mpfern und Zivilisten und lassen sich unabhĂ€ngig kaum ĂŒberprĂŒfen. Nach UN-Angaben ist die humanitĂ€re Lage im schwer verwĂŒsteten Gazastreifen, der flĂ€chenmĂ€ĂŸig etwa so groß ist wie MĂŒnchen, «mehr als katastrophal». Die Partner der UN verfĂŒgten nicht ĂŒber ausreichende NahrungsmittelvorrĂ€te zur Versorgung der Menschen dort. 

Gaza-Verhandlungen sollen weitergehen

Nach israelischer ZĂ€hlung befinden sich noch 101 Menschen in der Gewalt der Hamas, wobei unklar ist, wie viele von ihnen noch leben. Die indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas, bei denen die USA, Katar und Ägypten vermitteln, um eine Waffenruhe und eine Freilassung der Geiseln zu erreichen, kommen seit Monaten nicht voran. Der «Times of Israel» zufolge deutete US-Außenminister Blinken an, dass die Vermittler Israel und der Hamas in den nĂ€chsten Tagen einen neuen Vorschlag fĂŒr ein Abkommen vorlegen wollen.

US-Medien hatten bereits kĂŒrzlich ĂŒber einen geplanten letzten Vorschlag berichtet. Sollten beide Seiten auch diesen wieder nicht akzeptieren, könnte es das Ende der Verhandlungen bedeuten, hieß es. Die US-Regierung hatte am Mittwoch mitgeteilt, 90 Prozent eines Abkommens ĂŒber eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln im Austausch gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen seien bereits vereinbart. Keine Einigung bestehe ĂŒber die Zahl sowie IdentitĂ€t derer, die in einer ersten sechswöchigen Phase freikommen sollen, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf US-Beamte.

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