Großbritannien, KriminalitĂ€t

IrrtĂŒmlich freigelassener HĂ€ftling in London wieder gefasst

07.11.2025 - 13:57:08

Erneut wurde ein Mann fÀlschlicherweise aus einem GefÀngnis entlassen, lange wird nach ihm gefahndet. Die erneute Panne verdeutlicht die maroden ZustÀnde in britischen GefÀngnissen.

Der in Großbritannien irrtĂŒmlich aus dem GefĂ€ngnis entlassene StraftĂ€ter ist gefasst worden. Der Mann sei von einem Passanten im Londoner Stadtteil Islington entdeckt worden, teilte die Metropolitan Police mit. «Die Beamten reagierten sofort und nahmen ihn fest.» Der 24-JĂ€hrige war seit dem 29. Oktober auf freiem Fuß.

Der Fall - der dritte innerhalb weniger Tage - sorgt im Vereinigten Königreich seit Tagen fĂŒr Aufregung und Kritik an den Behörden sowie Justizminister David Lammy. Zuletzt war sogar nötig geworden, dass Premierminister Keir Starmer seinem Parteikollegen UnterstĂŒtzung zusicherte. Die Panne verdeutlicht die großen Probleme der britischen GefĂ€ngnisse.

Wer ist der StraftÀter?

Der Mann stammt aus Algerien. Der BBC zufolge soll er 2019 legal mit einem Visum nach Großbritannien eingereist sein und sich in der Anfangsphase eines Abschiebungsverfahrens befinden. Im GefĂ€ngnis sitzt er (wieder) wegen Hausfriedensbruchs. 2024 war er wegen Exhibitionismus zu einer BewĂ€hrungsstrafe mit gemeinnĂŒtziger Auflage verurteilt und fĂŒr fĂŒnf Jahre in das Register fĂŒr SexualstraftĂ€ter eingetragen worden.

Der Eintrag in das Register und die NationalitĂ€t des Gefangenen sind die HauptgrĂŒnde, warum der Fall so viel Aufmerksamkeit bekommt. Das Vereinigte Königreich erlebt seit Monaten einen Rechtsruck. WĂŒrde jetzt (statt 2029) ein neues Parlament gewĂ€hlt werden, hĂ€tte die rechtspopulistische Partei Reform UK von Brexit-VorkĂ€mpfer Nigel Farage gute Chancen, die Regierung zu stellen

Nur wenige Tage zuvor war bekanntgeworden, dass ein anderer SexualstraftĂ€ter ebenso versehentlich aus dem GefĂ€ngnis entlassen wurde, statt abgeschoben zu werden. Der 38 Jahre alte Mann aus Äthiopien wurde letztlich ebenfalls gefasst und hat Großbritannien verlassen mĂŒssen. Die Tat des Mannes - der sexuelle Übergriff auf eine 14-JĂ€hrige - hatte fĂŒr wochenlange, teils gewalttĂ€tige Proteste vor AsylbewerberunterkĂŒnften gefĂŒhrt.

Was sagen die FĂ€lle ĂŒber das britische Justizsystem?

Wieder wurde deutlich, wie die ZustĂ€nde in den teils hoffnungslos ĂŒberfĂŒllten GefĂ€ngnissen in Großbritannien sind. Der 24-JĂ€hrige war irrtĂŒmlich aus dem berĂŒchtigten HMP Wandsworth entlassen worden, in dem einst schon Schriftsteller Oscar Wilde einsaß. Auch der frĂŒhere Tennisstar Boris Becker war anfĂ€nglich in Wandsworth - er hatte in Großbritannien eine Haftstrafe absitzen mĂŒssen, nachdem er in einem Insolvenzverfahren Vermögenswerte nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ angegeben hatte. In einem Buch berichtete er ĂŒber die Zeit in einer schimmeligen Zelle.

Die britische Regierung hatte vor einem Jahr den Kurs verkĂŒndet, Tausende HĂ€ftlinge vorĂŒbergehend frĂŒher zu entlassen, um Platz zu schaffen. Ende Oktober berichtete die BBC, von September 2024 bis Juni 2025 seien knapp 40.000 Menschen in England und Wales vorzeitig entlassen worden. In den vergangenen Tagen berichteten Gewerkschaften von demnach unertrĂ€glichen ZustĂ€nden sowohl in den GefĂ€ngnissen als auch in der Verwaltung.

IrrtĂŒmliche Entlassungen sind dabei keine Seltenheit. Wie die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Behördenangaben berichtet hatte, wurden allein in England und Wales in den zwölf Monaten bis MĂ€rz dieses Jahres 262 HĂ€ftlinge irrtĂŒmlich auf freien Fuß gesetzt - mehr als doppelt so viele wie in den zwölf Monaten zuvor. Ein am Montag ebenfalls fĂ€lschlicherweise entlassener Mann hatte am Donnerstag sich selbst gestellt. Er wurde wegen Betrugs verhaftet.

@ dpa.de