Putin traf Prigoschin - Wagner bleibt Russland treu
10.07.2023 - 17:05:50Nach der weltweit beachteten Revolte der Wagner-Söldner hat Russlands PrÀsident Wladimir Putin deren Chef Jewgeni Prigoschin zu einem klÀrenden GesprÀch im Kreml empfangen.
«In der Tat hatte der PrĂ€sident ein solches Treffen, er hat dazu 35 Leute eingeladen - alle Kommandeure von Einheiten und die FĂŒhrung des Unternehmens, darunter Prigoschin selbst», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Putin hatte die Wagner-AufstĂ€ndischen zuvor öffentlich als «VerrĂ€ter» beschimpft. Details des Treffens nannte Peskow nicht. Er sagte aber, dass die Wagner-Armee weiter fĂŒr Russland kĂ€mpfen wolle.
Zuvor hatten Medien ĂŒber das Treffen Putins mit Prigoschin berichtet. Seit Tagen hatten Experten international spekuliert ĂŒber die Zukunft Prigoschins und seiner Wagner-Truppe, die fĂŒr den Kreml etwa auch in Afrika und im Nahen Osten wichtig ist. Immerhin hat Putin seinem Ex-Vertrauten Prigoschin und dessen mit Panzern und Flugzeugen voll ausgestatteter Armee auch in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine erhebliche Gebietsgewinne zu verdanken. Die Wagner-Armee hatte etwa die ostukrainische Stadt Bachmut im Gebiet Donezk eingenommen, um die aber weiter gekĂ€mpft wird.
Treffen mehrere Tage nach Revolte
Nach Darstellung Peskows dauerte die Aussprache drei Stunden. Zu dem Treffen kam es demnach am 29. Juni - also mehrere Tage nach der am 24. Juni plötzlich beendeten Revolte Prigoschins gegen die MilitĂ€rfĂŒhrung. WĂ€hrend des GesprĂ€chs habe Putin seine EinschĂ€tzung sowohl bezĂŒglich der AktivitĂ€ten von Wagner auf dem Schlachtfeld in der Ukraine gegeben als auch zum Aufstand, der am 23. Juni begonnen hatte. Der Kremlchef habe sich aber auch die Version der Wagner-Offiziere zu dem Aufstand angehört, sagte Peskow.
Prigoschin hatte wenige Tage nach der Rebellion dementiert, einen Machtwechsel in Moskau angestrebt zu haben. «Wir sind losgegangen, um Protest zu demonstrieren, nicht um die Obrigkeit im Land zu stĂŒrzen», beteuerte der 62-JĂ€hrige vor zwei Wochen in einer öffentlichen Stellungnahme. Einmal mehr wiederholte er da auch seinen Vorwurf gegen das russische Verteidigungsministerium, MilitĂ€rlager der Söldner beschossen zu haben. Dabei wurden seinen Angaben nach 30 Wagner-KĂ€mpfer getötet.
Dies sei zusĂ€tzlich zur vom Ministerium angestrebten Auflösung der Wagner-Truppe der Auslöser fĂŒr den Marsch Richtung Moskau gewesen, sagte Prigoschin. Er hatte, nachdem er Verteidigungsminister Sergej Schoigu den Angriff auf das MilitĂ€rlager seiner Privatarmee vorgeworfen hatte, die sĂŒdrussische Stadt Rostow am Don von seinen Einheiten besetzen lassen. Bei ihrem Vormarsch auf die russische Hauptstadt schossen die Wagner-Truppen mehrere Hubschrauber und ein Flugzeug ab; mehrere Besatzungsmitglieder starben.
Prigoschin hatte stets betont, er habe sich lediglich bei Putin Gehör verschaffen wollen. Er hatte Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow immer wieder FĂŒhrungsschwĂ€che im Krieg gegen die Ukraine und Missmanagement vorgeworfen. Die Kritik prallte allerdings an den Kremlmauern ab.
Ăndert Putin auf Druck Prigoschins die KriegsfĂŒhrung?
Am Tag des Aufstandes schaltete sich letztlich in Belarus Machthaber Alexander Lukaschenko nach Kremlangaben ein, um in dem Konflikt zu vermitteln. Lukaschenko hatte danach auch erklÀrt, dass alle Seiten ihren Anteil hÀtten an der Eskalation in dem Machtkampf zwischen dem Verteidigungsministerium und der Wagner-Truppe. Lukaschenko meinte, dass der Streit hÀtte geklÀrt werden können, wenn sich alle - Putin, Prigoschin und Vertreter des Ministeriums - an einen Tisch gesetzt hÀtten. Prigoschin hatte es abgelehnt, seine Truppen der Befehlsgewalt von Minister Schoigu zu unterstellen.
Zwar veröffentlichte das Verteidigungsministerium in Moskau erstmals seit dem Aufstand wieder ein Video mit Gerassimow - wie zuvor auch von Schoigu. Unklar ist aber weiter, ob Putin auf Druck Prigoschins die KriegsfĂŒhrung nun Ă€ndert. Der Wagner-Chef hĂ€lt sich nach EinschĂ€tzung russischer MilitĂ€rblogger weiter in Russland auf. Dabei hatte Putin erklĂ€rt, dass die AufstĂ€ndischen entweder einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium unterzeichnen, nach Hause zurĂŒckkehren oder nach Belarus ĂŒbersiedeln sollten.
Lukaschenko hatte vorige Woche gesagt, dass alles hergerichtet sei fĂŒr die Wagner-Armee, allerdings hĂ€tten sich weder Prigoschin noch die Söldner dort niedergelassen. Das löste Spekulationen aus, dass im Hintergrund GesprĂ€che laufen könnten zwischen dem Machtapparat in Moskau und der Wagner-Armee. Putin kann nach Meinung von Beobachtern kein Interesse daran haben, seinen frĂŒheren Vertrauten Prigoschin, der viel ĂŒber den Kremlchef weiĂ, dauerhaft zu seinem Gegner zu machen.
Wagner-Armee eine «potenzielle Gefahr» fĂŒr «Putins Regime»
Am Wochenende hatte auch Experten des US-Instituts fĂŒr Kriegsstudien ISW darauf hingewiesen, dass die Wagner-Armee eine «potenzielle Gefahr» fĂŒr «Putins Regime» darstelle. Putin habe entweder ein bemerkenswertes Vertrauen in die beteuerte LoyalitĂ€t Prigoschins, oder er sei unfĂ€hig, gegen die Wagner-Truppen vorzugehen, meinten die ISW-Experten. Sie gehen davon aus, dass derzeit hinter den Kulissen die Zukunft der Söldner-Armee ausgehandelt wird.
FĂŒr den Kreml gelten die etwa in Afrika und im Nahen Osten agierenden Söldner als wichtige EinflussgröĂe in internationalen Konflikten. Vor allem aber war die Wagner-Armee in der Ukraine lange Russlands effektivste Kampfeinheit. Angesichts der laufenden Gegenoffensive der Ukraine zur Befreiung ihrer Gebiete von der russischen Besatzung und der ersten Erfolge Kiews dĂŒrfte Putin mehr denn je auf Prigoschins Dienste angewiesen sein.


