Ausgangssperre und Trump-Newsom-Duell - Die Lage in LA
11.06.2025 - 05:37:03Angesichts tagelanger Demonstrationen gegen die Migrationspolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump in Los Angeles hat die Stadt eine nĂ€chtliche Ausgangssperre fĂŒr ein kleines Gebiet im Zentrum verhĂ€ngt. Die Regelung gelte zunĂ€chst fĂŒr die Nacht auf Mittwoch (Ortszeit), teilte die BĂŒrgermeisterin von LA, Karen Bass, mit. Sie rechne aber damit, dass die nĂ€chtliche Ausgangssperre ĂŒber mehrere Tage aufrechterhalten werde. Im politischen Machtkampf rund um die Demonstrationen verschĂ€rft sich derweil der Ton zwischen Trump und Kaliforniens Gouverneur, Gavin Newsom.Â
Der US-PrĂ€sident beschuldigte Newsom und Bass der Komplizenschaft mit radikalen Demonstranten in LA. Die beiden hĂ€tten «Unruhestifter, Aufwiegler und AufrĂŒhrer bezahlt», behauptete Trump ohne jeden Beleg. Newsom wiederum teilte in einer ĂŒberraschenden Ansprache an die BĂŒrger gegen Trump aus, bezeichnete ihn als Diktator und sein Vorgehen in LA und dem ganzen Land als Angriff auf die amerikanische Demokratie.Â
Trumps Machtdemonstration
In Los Angeles demonstrieren seit Tagen Menschen gegen Trumps harten Migrationskurs und Abschieberazzien. Die US-Regierung hat deshalb 4.000 Soldaten der Nationalgarde und 700 Marineinfanteristen der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte fĂŒr den Einsatz in Los Angeles mobilisiert - gegen Newsoms Willen. Die Soldaten treffen nach und nach ein und sollen nach Trumps Willen so lange in der Stadt bleiben, bis es keine Gefahr mehr gebe. Bisher ist ein Einsatz fĂŒr maximal 60 Tage anberaumt.Â
Trumps Entscheidung, Mitglieder der Nationalgarde und der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte gegen den Willen des zustĂ€ndigen Gouverneurs nach LA zu schicken, ist eine bedeutsame Eskalation und Machtdemonstration des PrĂ€sidenten. Sein Vorgehen ist höchst ungewöhnlich und umstritten.Â
Erneute Proteste
In LA kam es erneut zu Protesten und Festnahmen, allerdings weiter in ĂŒberschaubarem AusmaĂ. Auch am Dienstagnachmittag Ortszeit versammelten sich an verschiedenen Orten der WestkĂŒstenmetropole wieder Hunderte Menschen, um gegen Trumps Abschiebepolitik zu protestieren. Ihnen steht eine wachsende Zahl an Polizisten gegenĂŒber - und Soldaten, die BundesgebĂ€ude in der Stadt beschĂŒtzen.Â
Am Abend Ortszeit kurz vor Beginn der Ausgangssperre, die zunĂ€chst von Dienstagabend 20.00 Uhr bis Mittwochmorgen 6.00 Uhr (Ortszeit) gilt, waren allerdings nur noch wenige Protestierende im Zentrum von Los Angeles unterwegs. Die PolizeiprĂ€senz blieb zunĂ€chst aber sichtbar hoch. 25 Menschen seien wegen möglichen VerstoĂes gegen die geltende Ausgangssperre festgenommen worden, berichtete die «Los Angeles Times» unter Berufung auf einen Polizeisprecher.Â
Bass beklagte, in der Innenstadt sei es zu PlĂŒnderungen gekommen und zu SachbeschĂ€digungen durch Graffiti. Dem wolle man durch die Ausgangssperre entgegenwirken. Bass warnte, wer sich nicht an die Vorgaben halte, werde festgenommen. Sie betonte zugleich, lediglich ein Bruchteil des gesamten Stadtgebietes sei von der AusgangsbeschrĂ€nkung betroffen. «Einige Bilder von den Protesten und der Gewalt erwecken den Anschein, als handele es sich um eine stadtweite Krise», sagte Bass. Das sei nicht der Fall.Â
Auch in anderen StĂ€dten, wie New York oder Chicago, kam es zu Protesten gegen die Migrationspolitik Trumps. Der Republikaner hatte im Wahlkampf versprochen, das gröĂte Abschiebeprogramm der US-Geschichte zu starten.Â
Trumps Verschwörungstheorie
Trump bezeichnete die Proteste gegen seine Migrationspolitik als «voll entfalteten Angriff auf den Frieden, die öffentliche Ordnung und unsere nationale SouverĂ€nitĂ€t». Bei einer Rede auf dem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt Fort Bragg im Bundesstaat North Carolina versprach er, notfalls weitere Soldaten und Ressourcen nach Los Angeles zu schicken, um dort Recht und Ordnung wiederherzustellen. Die Demonstranten dort seien «Tiere».Â
Der US-PrĂ€sident behauptete dabei einfach, Gouverneur Newsom und BĂŒrgermeisterin Bass hĂ€tten die Unruhestifter engagiert. «Sie sind an diesem vorsĂ€tzlichen Versuch beteiligt, das Bundesgesetz auĂer Kraft zu setzen und die Besetzung der Stadt durch kriminelle Eindringlinge zu unterstĂŒtzen.»Â
Bass wies Trumps Anschuldigung in einem Interview des Fernsehsenders CNN als «vollkommen absurd» zurĂŒck. Trump hat bereits mehrfach öffentlich behauptet, dass die Demonstranten in LA bezahlt wĂŒrden. Wie oft bei derlei Anschuldigungen nannte er dafĂŒr aber keinerlei Belege. Trump sagte, das Justizministerium werden herausfinden, wer dahinterstecke.
Auf Nachfrage von Journalisten, wer die Demonstranten bezahle, rĂŒckte der Republikaner nach seinem Auftritt in North Carolina wieder etwas von seinem Vorwurf gegen Newsom und Bass ab und sagte: «Irgendjemand bezahlt das.»Â
Newsoms Angriffe
Der kalifornische Gouverneur wiederum wandte sich in einer abendlichen Ansprache an die BĂŒrger und nutzte die fĂŒr einen Rundumschlag gegen Trumps Politik - auch jenseits der Auseinandersetzung um LA. Der PrĂ€sident hebele die Gewaltenteilung in den USA aus, habe Aufseher geschasst, die ihn wegen Korruption und Betrug zur Rechenschaft ziehen könnten. Er habe der Kultur und der Wissenschaft den Krieg erklĂ€rt, wolle UniversitĂ€ten vorschreiben, was sie lehren dĂŒrfen und nehme Medien und Meinungsfreiheit ins Visier. «Die Demokratie wird vor unseren Augen angegriffen», sagte Newsom.Â
Newsom kritisierte, Trump militarisiere die StraĂen von LA, traumatisiere amerikanische Gemeinden mit seiner Abschiebepolitik und spalte die Gesellschaft. Er lasse TellerwĂ€scher, GĂ€rtner, Tagelöhner und NĂ€herinnen festnehmen. «AutoritĂ€re Regime beginnen damit, Menschen ins Visier zu nehmen, die am wenigsten in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen.»Â
Mit Blick auf die fĂŒr das Wochenende geplante groĂe MilitĂ€rparade in der US-Hauptstadt Washington, parallel zu Trumps Geburtstag, beklagte Newsom: «An diesem Samstag befiehlt er unseren amerikanischen Helden - dem MilitĂ€r der Vereinigten Staaten - zur Feier seines Geburtstages ein vulgĂ€res Spektakel zu veranstalten, so wie es andere gescheiterte Diktatoren in der Vergangenheit getan haben.» Es sei «an der Zeit, dass wir alle fĂŒr die Gerechtigkeit eintreten», appellierte Newsom an die BĂŒrger und rief zugleich dazu auf, friedlich gegen Trumps Regierung zu protestieren.Â
Das Duell
Trump und Newsom liefern sich rund um die Anti-Regierungs-Proteste in der LA seit Tagen einen politischen Zweikampf. Die beiden ĂŒberziehen einander wiederkehrend mit schweren Anschuldigungen. Zeitweise hatte Trump sogar öffentlich Zustimmung fĂŒr die Idee geĂ€uĂert, Newsom notfalls festnehmen zu lassen, falls dieser die Arbeit der US-Regierung behindern sollte.
Der demokratische Gouverneur ist ein Lieblingsfeind Trumps. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Newsom selbst Ambitionen auf die PrĂ€sidentschaft hat und auf eine mögliche Kandidatur fĂŒr die Demokraten bei der Wahl 2028 schielt.







